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Bearprotein – Ein Bio-Snack der etwas anderen Art

Mit einem Bio-Insektensnack will das junge Berliner Start-up neue Wege in Sachen Lebensmittel gehen und erklärt die Vorteile einer nicht ganz gewöhnlichen Zutat

Christoph Eipert Bearprotein

Startup Ernährung Berlin

Bearprotein GmbH Logo

Bearprotein ist ein Berliner Start-Up, das mithilfe des Bio-Insektensnacks INSTINCT eine nachhaltige Ernährungsalternative zu konventionellen Fleischprodukten liefern will.

Bearprotein GmbH

Marcus Fiedrich, Diana Ohl & Alexander Pfaff

Marcus Fiedrich // T.: 0177 33 858 44

GmbH

2017

Rohrdamm 88
13629 Berlin

marcus@bearprotein.de

Grille, mmmh lecker! Eine Aussage die in westlichen Breitengraden wohl kaum zu hören ist. Schade eigentlich, denn in Insekten stecken eine Menge, für den Menschen lebenswichtige, Inhaltsstoffe wie Proteine und ungesättigte Fettsäuren. In Asien gehören sie daher fest zur heimischen Küche dazu. Hierzulande wandern sie höchstens als Scherzartikel über die Ladentheke. Genau das soll der INSTINCT Bio-Insektensnack ändern. Ein Snack in Riegelform gedacht als kleine Mahlzeit für zwischendurch, der reich sein soll an Eisen, Kalzium und Vitamin B12. Hinter INSTINCT steckt das Berliner Start-up Bearprotein. Ins Leben gerufen wurde das Unternehmen von den drei Gründern Diana Ohl, Marcus Fiedrich und Alexander Pfaff. Wie der Startschuss zur Gründung fiel, erklärt Marcus ganz pragmatisch: „Ich hab mich umgesehen, was es alternativ zu herkömmlichen Fleischprodukten zu entdecken gibt und bin auf Insekten gestoßen. Ich habe mich dann schnell gefragt: Warum macht das niemand wirklich lecker? Denn es gab hierzulande nicht wirklich Produkte auf Insektenbasis. Wir wussten, dass man Insekten aber essen kann und wenn es keiner gut macht, können wir es doch probieren. Dem haben wir uns angenommen und die Idee peu à peu entwickelt.“

Die Gründer von Bearprotein: Alexander Pfaff (links), Diana Ohl (Mitte) und Marcus Fiedrich (rechts)

 

Novel Food
Innerhalb der EU werden Novel Foods (englisch für ‚neuartige Lebensmittel‘) als solche verstanden, die aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Inhaltsstoffe oder durch Anwendung neuartiger Produktionsverfahren nicht bereits vor dem 15. Mai 1997 in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden. Mehr Infos gibt’s hier.

Bis es soweit war, hatte Marcus bereits Erfahrungen mit der Zucht von Insekten in ähnlichen Projekten gesammelt. Das war 2015. Bis zur Gründung der eigenen GmbH vergingen aber noch zwei weitere Jahre. Der erste Grundgedanke war es dann, auch für Bearprotein eine eigene Insektenfarm aufzubauen. Da sowas im deutschen Lebensmittelbereich nicht zu finden ist, war dies leichter gesagt als getan. So gab es einerlei Infrastruktur, auf die man hätte zurückgreifen können, zudem galt von Anfang an das Ziel die eigenen Produkte nachhaltig produzieren und zertifizieren zu können – beides war und ist in Deutschland jedoch nicht möglich. Die Lösung: Kanada. Anders als in Europa, ist dort die Lebensmittelverarbeitung von Insekten schon seit einigen Jahren ein Thema. „Da die kanadische Regierung Insekten nicht als Novel Food handhabt, können Kontrollbehörden produzierte Lebensmittel bio-zertifizieren. Ganz konkret ist es bei Insekten genauso, wie bei jedem anderen Tier. Das Futtermittel muss etwa biozertifiziert sein und der Platz zur Haltung strengere Standards erfüllen.

Standards gelten hier für die Kurzflügelgrille: in Kanada gezüchtet, nach sechs bis acht Wochen eingefangen, geröstet und zu Insektenmehl vermahlen, kommt sie dann in den Snack. All das passiert in Übersee – das Team hier in Deutschland übernimmt Vertrieb, Produktentwicklung und Marketing. Dass es in Zukunft auch vor Ort möglich sein wird zu produzieren, davon ist das Team überzeugt. „Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, denn die Nachfrage wird steigen. Auch rechtlich: gab es bisher keine Regelung, die eine Produktion erlauben würde, ändert das sich zunehmend durch eine neue europäische Gesetzgebung.“

Viel passiert ist auch in Sachen Vertrieb: „Wir haben relativ viele Anfragen, sowohl vom konventionellen Handel als auch vom Bio-Fachhandel. Wir starten jetzt deutschlandweit bei der Bio-Company und bei Basic-Bio und werden Stück für Stück an weitere Märkte gehen“, sagt Marcus. Die Resonanz ist also durchaus positiv. Auf Aufklärungsarbeit kommt es trotzdem an, denn: „sowas gibt es in dieser Form noch nicht. Das hält die Leute aber nicht davon ab, es zu probieren. Es wird als innovativ empfunden und nochmal zurück zum Handel, der nimmt uns auch auf, um innovativ zu bleiben“, betont Marcus. Damit es mit der Marktdurchdringung auch klappt, ist die Umwandlung in eine GmbH und Co. KG geplant. Wurde die GmbH-Gründung noch mithilfe von Förderstipendium, Erspartem und privaten Darlehen gestemmt, sollen nun Kommanditisten neues Kapital einbringen.
 

Ab April 2018 startet der Verkauf des Bio-Insektensnack im Einzelhandel und Online-Shop.

Aber auch Kritik bleibt nicht aus. Oft verbunden mit der Frage: Ist eine Ernährung mit Insekten eigentlich sinnvoll? Allgemein bekannt, so Diana, sei „dass tierische Proteine unserem Körper ähnlicher und somit besser verwertbar sind. Das gilt auch im Fall von Insekten.“ Zudem könne man rein tierische Stoffe wie Vitamin B12 zwar auch vegan herstellen, aber nicht ohne einen fraglichen chemischen Produktionsaufwand. Ziel ist es aber auch nicht, ein Ernährungsersatz anzubieten, sondern das vorhandene Ernährungsangebot zu erweitern, um daraus neue Vorteile zu schöpfen. Die ergeben sich vor allem aus dem Umgang mit Ressourcen, weiß Marcus: „Die Züchtung von Insekten verbraucht viel weniger Ressourcen, wie etwa Futtermittel oder Landfläche, stößt damit erheblich weniger CO2 aus und ist somit nachhaltiger als die konventionelle Viehzucht.“

Dass es für den Erfolg der Insektensnacks noch Barrikaden in den Köpfen der Leute zu überwinden gilt, sind sich die Start-up-Gründer bewusst. „Wir sind eine offene Gesellschaft, in der es ok ist, dass wir neue Produkte einführen und daraus neue Vorteile gewinnen. Das ist in der Vergangenheit immer wieder passiert“, betont Marcus. Klar ist aber auch: ein Umdenken in den Köpfen oder gar eine Revolution des täglichen Speiseplans ist alleine wohl kaum zu meistern. So muss auch Marcus feststellen: „Wie schön es auch klingen mag, wir haben nur begrenzte Kapazitäten, wir können die Gesellschaft nicht alleine grundlegend verändern – so gerne wir das auch wollen. Dazu braucht es mehr Partner und Anbieter. Aber wir sind die Pioniere, die den Startschuss geben und das ganze mitgestalten. Es sollte jedem klar sein, dass sowas nur gemeinsam geht.“

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