Menü

Galatea Ziss – Nachhaltige Mode, ganz ohne Schnörkel

In Wiesbaden hat eine Schneiderin der Wegwerfindustrie den Kampf angesagt

Caroline Deidenbach Kostyantyn Simkin

Startup DesignMaterialProduktion Wiesbaden

Galatea Ziss - Atelier für Bekleidung Logo

Die Maßschneiderin und Modedesignerin Galatea Ziss betreibt in Wiesbaden ein Atelier für Damen- und Herrenmode. Dabei arbeitet sie möglichst nachhaltig, regional, sozial- und umweltverträglich. Ihr Mode soll langlebig sein und bewusst ein entschleunigtes Konsumerlebnis bieten.

Galatea Ziss - Atelier für Bekleidung

Galatea Ziss

Galatea Ziss Tel.: 0611 51050770 E-Mail: post@galatea-ziss.de

2015

Kaiser-Friedrich-Ring 8
65185 Wiesbaden
Hessen, Deutschland

post@galatea-ziss.de

Das Thema Nachhaltigkeit kommt in der Modebranche eher selten vor. Zwar kritisieren Umweltschützer wie Greenpeace seit Jahren fehlende Umwelt- und Sozialstandards seit Jahren kritisiert, doch bis ein wirkliches Umdenken und nicht nur Greenwashing stattfindet, muss erst ein schlimmer Vorfall die Gesellschaft wachrütteln.  Wie ein Einsturz einer Fabrik in Bangladesch oder ein Hilferuf versteckt in einem Etikett. Wie es in den großen Modefirmen zugehen kann, weiß Galatea Ziss aus persönlicher Erfahrung. Aber sie hat sich dagegen entschieden, Teil dieser Welt zu werden und gründete deshalb in Wiesbaden ihr eigenes Modelabel „Galatea Ziss — Atelier für Bekleidung“.

„Ich mag es schnörkellos, geradlinig, aber nicht minimalistisch. Klassische Sachen mit Augenzwinkern, die sich selbst nicht so ernst nehmen“, beschreibt die Schneidermeisterin mit einem Studienabschluss in Modedesign ihren Stil. Ihre Stücke sollen nicht nach einer Saison out sein, sondern überdauern – wenn möglich jahrelang. Wie wichtig ihr dieser Punkt ist, hat sie bei ihren zwei Praktika in Paris und London festgestellt. Dort konnte sie zwar viele Erfahrungen sammeln – in Paris bei einem Subunternehmer für andere Designer und in London bei Vivian Westwood – jedoch hat sie auch die dunklen Seite der Branche kennengelernt. Für Vivienne Westwood arbeiteten damals beispielsweise 25 unbezahlte Praktikanten und das Label betrieb zwar medienwirksame Aktionen zur Nachhaltigkeit – in der Praxis merkte man davon aber nur wenig. Und trotz der Luxusware, die Galatea und ihre Kollegen in Paris und London genäht haben, konnten sich viele gerade so mit ihrem Gehalt über Wasser halten.

Gründerin Galatea Ziss.

So beschloss Galatea nach den Praktika und einigen Jahren als Freelancerin, ihr eigenes Atelier aufzumachen, in dem sie das umsetzen kann, was ihr wichtig ist: nachhaltige Mode. Dabei spielt vor allem das Material eine große Rolle, denn die Recherche dafür ist zeitintensiv und komplex. Ihre Textilien bezieht die Schneidermeisterin möglichst regional, oder in der EU produziert, da dort andere Sozial- und Umweltstandards gelten. Am liebsten sind ihr Materialien aus Deutschland, doch hier wächst weder Baumwolle noch Seide, daher muss sie manchmal Kompromisse eingehen. Etwa indem sie die Stoffe vom Weltmarkt bezieht, dafür aber darauf achtet, dass sie biozertifiziert sind und in der EU weiterverarbeitet wurden.

Die Suche nach den richtigen Textilien ist aufwändig, da zum einen die Auswahl der Lieferanten stark eingeschränkt ist und zum anderen, weil Galatea keine großen Mengen an Stoffen abnimmt, sondern am liebsten nur die Menge, die sie für ihre Kollektion braucht. Gerade Baumwolle, die sehr viel in der Textilbranche genutzt wird, ist gar nicht so leicht in guter Bio-Qualität zu bekommen.

Ihren Kundinnen und Kunden erklärt Galatea, woher ihre Materialien stammen – nicht nur die Stoffe, sondern auch die Knöpfe und andere Bestandteile ihrer Kleidung. Bei Interesse gibt sie gerne Webseiten und Telefonnummern der Hersteller weiter – auch an Kollegen. „Das ist in unserem Handwerk üblich, aber in der Eco-Fashion-Nische sonst habe ich das leider nicht so erlebt: Da herrscht eher eine Ellenbogen-Mentalität und alle müssen sich selbst auf Recherche begeben“, sagt Galatea.

Galatea Ziss“ Mode ist klassisch und schlicht. Ihre Kundinnen sind zwischen 35 und 65 und legen Wert auf langlebige Kleidung.

Galatea Ziss’ Stücke sollen etwas Besonderes sein und den eigenen Stil ihrer Kundinnen widerspiegeln. Durch den individuellen Schnitt und die Berücksichtigung figurspezifischer Details passen sie besser und können länger getragen werden, auch wenn man mal zwei, drei Kilo ab- oder zunimmt. „Ich trage seit der Ausbildung nur eigene Sachen, die auch sechs bis sieben Jahre halten“, sagt sie. Das relativiere dann auch wieder den gehobenen Preis: Die Preisspanne ihrer Produkte bewegt sich zwischen hochwertiger Konfektions- oder günstiger Designermode. Ein Rock fängt da bei etwa 450 Euro an, ein Kleid bei etwa 650 Euro. Denn anders als in einem großen Modeladen kann sie nicht 1000 Kleidungsstücke in der gleichen Größe anfertigen, dafür sind es handgefertigte Einzelstücke. Diese hängen dann in ihrem Showroom aus, der Ladenbereich vor ihrem Atelier. Der Raum dient zum einen als Verkaufsbereich, aber Galatea stellt ihn auch für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Themenabende zur Verfügung.

Bisher kann Galatea mit drei bis sechs Aufträge im Monat ihren Traum leben – doch es besteht noch Luft nach oben. Gerne würde sie, bei besserer Auftragslage, jemanden anstellen und somit zeigen, dass es auch anders geht. Denn viele Kollegen nehmen sie nicht ganz ernst oder behaupten, dass deren Kunden auf das Thema Nachhaltigkeit keinen Wert legen. Doch da ist die Wiesbadenerin anderer Meinung.

Profil als PDF speichern

Profil teilen