Menü

Feierabendglück im Interview

Wie man mit Spargel-Spagetti Treibhausgase abbaut und zum Bodenretter wird.

Melina Gentner Vasiliki Mitropoulou

Startup Ernährung München

Gedi und Michi träumen von 100 prozentiger Bio-Anbaufläche in Deutschland. Aber träumen reicht ihnen nicht. Mit ihrem Kochbuch in einer Box, zeigen sie wie einfach es für jedermann ist, sich regional, saisonal und biologisch zu ernähren – und gleichzeitig fruchtbaren Boden zu schaffen. Im Interview verraten sie uns, wie es nach ihrer Crowdfunding-Kampagne im Juni 2016 weitergeht.

Erstmal gratulieren wir euch zur erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne. Ihr habt euer Funding-Ziel von 20.000 Euro  erreicht. Wie und wo soll der Vertrieb der Box stattfinden?

Unterstützte Feierabendglück
Bis zum 5. Juli kann das Kochbuch [in a box] noch auf www.startnext.com/feierabendglueck zum Vorzugspreis erworben werden

Michi: Nach der Erscheinung im September sind wir auf Veranstaltungen wie zum Beispiel Helden- oder Weihnachtsmärkten unterwegs. Wir werden aber auch auf Buchhändler und Biomärkte zugehen, um stetige Verkaufsorte zu haben. Ein Verkauf über Amazon kommt für uns nicht in Frage. 

Gedi: Wir haben intern diskutiert, ob das zu unserm Produkt passt und haben uns bewusst dagegen entschieden. Wir sind der Meinung, dass wir lieber auf Verkaufszahlen verzichten als uns selbst untreu zu werden.

Feierabendglück — das nachhaltigste Kochbuch in a Box.

Kochbücher gibt es ja viele auf dem Markt – ihr wollt aber eine neue Zielgruppe erreichen und die Dinge etwas anders machen. Wie gut kennt ihr eure Zielgruppe und euren Markt?

Michi: Wir haben im Rahmen unserer Förderung am Strascheg Center for Entrepreneurship  eine Marktanalyse gemacht; auch ganz klassische Umfragen durchgeführt. Zum Beispiel haben wir uns angeschaut, wie viele vegetarische und vegane Kochbücher letztes Jahr auf dem Markt gekommen sind. Uns ist aufgefallen, dass die Themen Saisonalität und Regionalität kaum behandelt werden. Genau diese Lücke möchten wir schließen. Eine weitere Erkenntnis war, dass der Trend immer mehr zu Koch-Videos geht. Anstatt ewig in einem Buch zu wälzen, schaut man sich einen kurzen Clip an und weiß, was zu tun ist. Deswegen ergänzen wir unsere Rezepte durch jeweils ein Video. 

Gab es während der Entwicklungsphase auch Frustrationsmomente? 

Gedi: Die inhaltliche Arbeit am Kochbuch hat uns extrem viel Spaß gemacht. Allerdings war die Umsetzung der Rezepte anstrengend. Unsere Wohnung wurde einen Monat lang zu einem Kochstudio umfunktioniert. Im einen Zimmer wurde geschnitten und vorbereitet, im nächsten gekocht und im dritten das fertige Essen abfotografiert. Nachts haben wir die Matratze auf den Boden gelegt und neben dem Kühlschrank geschlafen; das Ganze über mehrere Wochen lang. Da bleibt keine Zeit und kein Raum für Privatsphäre und das zerrt ziemlich an den Nerven. 

„Das wahrscheinlich nachhaltigste Kochbuch in a box“ – wieso ist euer Kochbuch nachhaltig? 

Michi: Unsere Ernährung und die dazugehörige Landwirtschaft verursachen bis zu 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasen. Somit beeinflussen die drei Malzeiten, die wir täglich zu uns nehmen, maßgeblich das Voranschreiten des Klimawandels. Deshalb lautet die Frage, um die sich bei uns alles dreht: Wie können wir unseren ökologischen Fußabdruck durch unsere Ernährung senken? Saisonales, vegetarisches, regionales und biologisches Essen verursacht einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck. Außerdem werden 95 Prozent aller Lebensmittel im Boden angebaut. Bio-Anbau schützt und kultiviert den Boden, anstatt ihn auszulaugen. Unsere Rezepte unterstützen genau diesen Anbau und tragen dazu bei, dass der Boden als sehr wertvolles Kapital nachhaltig genutzt wird.

Gute Lebensmittel sind nicht gerade günstig. Wie schafft man es sich regional und biologisch zu ernähren ohne horrende Summen dafür auszugeben? 

Michi: Ich glaube, es ist eine Sache der Priorisierung. Wir führen einen eher minimalistischen Lebensstil und investieren lieber in hochwertige Lebensmittel, als uns jede zweite Woche eine neue Jeans zu kaufen. 

Gedi: Natürlich gibt es auch Sachen, bei denen wir zwei Mal überlegen müssen ob wir sie kaufen oder nicht. Uns ist jedoch wichtig auf Qualität statt auf Quantität zu achten und deswegen machen wir das auch gerne. 

Gedi und Michi von Feierabendglück

Ihr versprecht, dass jedes Gericht aus eurer Box maximal 3,50 Euro kostet. Wie kalkuliert ihr, um auf diesen Kampfpreis zu kommen?

Gedi: Bei der Preiskalkulation haben wir geschaut wie viel die Zutaten im Bio-Laden, aber auch bei den Ökokisten kosten. Achtet man auf Saisonalität der Ware, wird man schnell merken, dass die Zutaten nicht besonders teuer sind. Uns war es wichtig zu zeigen, dass es nicht übermäßig viel Geld kostet solch einen Lebensstil zu führen. 

Wie seid ihr auf eure Partner gekommen?

Michi: Das sind alles Produkte und Dienstleistungen, die wir selber gut finden und auch privat unterstützen. Zum Beispiel sind wir selbst Kunden der GLS Bank oder nutzen die Suchmaschine Ecosia

Gedi: Wir haben versucht mit unseren Partnern, so viel wie möglich von dem was man im Alltag braucht, um wirklich nachhaltig zu leben, abzudecken - das fängt bei den Lebensmitteln von den Ökokisten an und geht bis hin zur grünen Krankenkasse.

Wie geht ihr mit dem Thema Wirkungsmessung um?

Michi: Da wir pro verkaufter Box einen Quadratmeter Bio-Boden finanzieren, können wir die Wirkung diesbezüglich relativ gut messen. Tatsächlich wird es dann aber schwierig genau nachzuvollziehen, wer aufgrund unserer Box zum Beispiel zu Polarstern gewechselt ist. Aktuell experimentieren wir mit Aktions-Codes um das nachvollziehbarer zu machen. Außerdem sind wir im Austausch mit der Social Entrepreneurship Akademie, die uns helfen aufgrund der Social Reporting Standards etwas Handfestes auf die Beine zu stellen. 

Hat eure Box auch negative Wirkungen? 

Michi: Wir denken, dass auf jeden Fall die positive Wirkung überwiegt. Aber natürlich könnte man argumentieren, dass es ein materielles Produkt ist und somit Ressourcen für die Herstellung verbraucht werden. Für all diejenigen, die auch hier nachhaltig handeln wollen, gibt es das e-Book. 

Was sind die größten Hürden, die Ihr aktuell zu überwinden habt?

Michi: Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Lagerraum für Boxen und Rezeptkarten, was in München wirklich nicht einfach ist. Die Elemente kommen nämlich alle einzeln und wir müssen die Boxen zusammenstellen und verschicken. Ansonsten müssen wir sagen, dass alles erfreulicherweise relativ glatt läuft und wir noch vor keinen größeren Herausforderungen stehen.

Habt ihr darüber nachgedacht wie ihr euer Produkt weiterentwickeln könnt?

Gedi: Man kann bereits jetzt seine Box mit leeren Karten erweitern, die man mit eigenen Rezeptideen beschriftet. Wir könnten uns auch vorstellen, weitere Sets anzubieten, die man je nach Belieben dazukaufen kann

Zu guter Letzt: Was ist euer Lieblingsrezept?

Michi: Ich liebe die Brokkoli-Orecchiette.  

Gedi: Ich finde, die Spargel-Spaghetti ganz toll.

Interview als PDF speichern

Interview teilen