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Sira munich im Interview

Über ihre Entstehungszeit, den Entstehungsprozess einer Kita, Wettbewerbe und Auszeichnungen – und das Selbstverständnis als Social Entrepreneurs.

Clemens Binder David Freudenthal

Startup Familie & BerufCSR München

Christina und David haben uns in ihrem Büro in der Amalienstraße empfangen. Mit sira munich haben sich die beiden eine persönliche Herzensangelegenheit zur Aufgabe gemacht – zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Carolin Fischer (links) und Sophie Czajka, ihrer Praktikantin.

Das gesamte sira munich Team
Das gesamte Team von sira munich

Wir haben sie zu ihrer Entstehungszeit befragt und erfuhren, welche Herausforderungen es beim Aufbau einer Kita zu lösen gibt. Sie erzählten von der Bedeutung von Wettbewerben und Auszeichnungen – und ob sie sich selbst als Social Entrepreneurs verstehen.

Hallo Christina und David! Ihr habt das Unternehmen sira gegründet. In einem Satz – was macht ihr?

Christina: Wir bieten Beratung und Projektmanagement für den Aufbau und die Organisation, auch die laufende Organisation, von betrieblicher Kinderbetreuung für Unternehmen an.

Und das bereits seit 2012?

David: 2012 haben wir die GmbH gegründet. Dem ging allerdings noch ein gutes Jahr Vorbereitung voraus. Wir gingen der Frage nach: Geht sowas überhaupt? Wie sieht der Business Case aus? Mit der GmbH Gründung hatten wir dann unser erstes Projekt.

Über ein Jahr hattet ihr schon richtig Energie und Zeit reingesteckt?

David: Eineinhalb Jahre waren wir vorher noch in einer Anstellung bei einem anderen Arbeitgeber, bei dem wir schon die ersten Ideen gesponnen haben, den ersten Plan zusammen geschrieben haben – noch inkognito. Dann haben wir irgendwann gekündigt und sind ins kalte Wasser gesprungen. Wir sind dann aber gleich vom Strascheg Center for Entrepreneurship in die Start-Up League aufgenommen worden und hatten dort ein Büro.

Gründer David im Gespräch
David, Gründer von sira munich, im Gespräch

Wie seid ihr zum Thema Kinderbetreuung gekommen?

Christina: Ich habe meine Abschlussarbeit zum Thema „Fachkräftemangel in Europa“ geschrieben. Beim Ländervergleich wurden unglaublich viele Unterschiede deutlich. Manche lösen den Fachkräftemangel besser, andere wiederum lösen ihn weniger gut. Der deutschsprachige Raum gehört zu denen, die ihn weniger gut lösen. Mangelnde Angebote zur Kinderbetreuung stehen in Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel.

Darüber hinaus ist für mich auch das Thema Frauenförderung wichtig. Warum gibt es keine Gleichberechtigung wenn man eine Familie gründet? Warum müssen in der Regel immer die Frauen aussetzen? Obwohl es doch immer heißt, dass so viele Männer Teilzeit arbeiten wollen wenn sie eine Familie gründen.

David: Außerdem haben wir viel im Freundeskreis mitbekommen: Die ersten Familiengründungen und die ersten Probleme, die dadurch aufkamen. Meistens sind die Frauen zuhause geblieben. Auch für längere Zeit. Weil es keine Kinderbetreuungsangebote gab, beziehungsweise es zu wenige arbeitnehmergerechte Angebote mit angemessenen Öffnungszeiten gibt, die zugleich auch noch bezahlbar sind.

Christina: Wir haben in betrieblicher Kinderbetreuung ein Feld gesehen, das nicht so bearbeitet ist, wie wir uns das vorstellen. Schon gar nicht für kleinere Unternehmen. Wir wussten, dass man sich da engagieren sollte. Anfangs hatten wir natürlich inhaltlich keine Ahnung von Kinderbetreuung – wir haben beide BWL studiert. Aber wir haben uns das angelernt.

David: Daraus haben wir dann ein Konzept entwickelt, mit dem wir beide Seiten zusammenbringen wollen: Unternehmen, die ein Interesse haben, dass die Leute schnell aus der Elternzeit zurückkommen und kein Knowhow verloren geht. Und dass sie als Arbeitgeber auch für Fachkräfte interessant bleiben.

Auf der anderen Seite die Eltern oder Paare, die sich dagegen entscheiden eine Familie zu gründen, weil sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht sehen – oder eben aus dem Beruf für längere  Zeit ausscheiden. Unsere Vision ist dieses Land mit innovativer und bedarfsgerechter Kinderbetreuung familienfreundlicher zu machen.

Und euer erstes Projekt?

Christina: Das erste Projekt kam erst ein gutes Jahr später, kurz nach der Gründung der GmbH. Wir haben echt Zeit gebraucht bis wir mit der Thematik vertraut waren und uns gut mit dieser auseinandersetzen konnten. Als das Projekt kam, hatten wir uns bereits gut ins Thema eingearbeitet, aber es war eben noch nicht alles erprobt. Unser erstes Projekt hat dann auch gleich mal nicht geklappt.

David: Ein Projekt mit einem mittelständischen Unternehmen – da haben wir eine Bedarfsanalyse gemacht, also den ersten Projektteil. Der Auftraggeber hat im Anschluss leider zu uns gesagt, dass ihnen unser Vorschlag zu teuer ist. Wir haben das Projekt dann verloren.

Christina: Aber wir waren interessanterweise nicht teurer als heute. Wir hatten einfach nicht den Stand zu sagen: Das ist es, das braucht es. Da war noch viel Ausprobieren dabei. Dass es dann nicht geklappt hat war schade, denn wir hatten sehr viel Zeit reingesteckt.

Die beiden Gründer David und Christina
Die beiden Gründer David und Christina

Wie sehen die Projekte heute aus?

David: Bereits abgeschlossen ist ein Projekt mit einer großen Bank. An dem Standort gibt es 4000 Mitarbeiter. Es war klar, dass der Bedarf da ist und dass sie eine Kita immer vollbekommen.

Es gibt dort jetzt 36 Kitaplätze – also immer noch viel zu wenige. Aber in München ist das schwierig, so wie in allen Ballungsgebieten. Allein schon wegen der Immobilienpreise. In dem Fall war das auch noch im Stadtteil Lehel. Da war das schwierig auf den ersten Schlag mehr hinzubekommen. Vor allem so schnell: In eineinhalb Jahren.

Es dauert also eineinhalb Jahre vom Projektzuschlag bis zu einer laufenden Kinderbetreuung?

David: Genau, und das ist schon schnell. Bei so großen Unternehmen mit großen Krippen dauert das auch mal zwei bis drei Jahre.

Christina: Wenn man jetzt die Bedarfsanalyse mitzählt, dauert es bei den kleineren Unternehmen bereits über ein Jahr. Wir existieren erst seit drei Jahren richtig. Unsere Projekte dauern im Durchschnitt zwei Jahre. Dementsprechend kommen wir in letzter Zeit immer häufiger an den Punkt, an dem wir sehen, was wir gelernt haben. Aber es war tatsächlich eine lange Zeit, in der wir ausprobieren mussten: Funktioniert das überhaupt so wie wir uns das vorstellen? Gleichzeitig mussten wir alle anderen auch auf den Trichter bringen, dass es funktioniert. Also Überzeugungsarbeit leisten: Ja, es ist machbar!

Ihr habt Arbeitnehmer und Arbeitgeber genannt, und ihr macht das Projektmanagement. Wer ist noch beteiligt?

David: Die Behörden, ganz klar. Bei kleineren Einheiten ist das Jugendamt die genehmigende Behörde, bei größeren ist es in München z.B. das Referat für Bildung und Sport. Aber jede Kommune, jede Gemeinde funktioniert da anders. Es ist schon im Vorfeld ein irrer Klärungsaufwand notwendig um überhaupt die richtigen Ansprechpartner in der Verwaltung auf kommunaler Ebene zu finden. Einerseits eine anstrengende Aufgabe, andererseits ist das wunderbar – sonst hätten wir keine Existenzberechtigung (lacht). Nein, im Ernst, da haben wir in der Tat viel Erfahrung gesammelt.

Christina: Dann gibt es noch die Träger, die den laufenden Betrieb vor Ort regeln. Zum Beispiel stellen die auch die Erzieherinnen und Erzieher ein. Wir haben uns bis jetzt aus Trägertätigkeiten eher rausgehalten, weil das nochmal eine ganz andere Aufgabe ist. In Zukunft können wir uns das aber vorstellen.

Wie sieht es mit eurer Konkurrenz aus? Gibt es Unternehmen, die etwas Ähnliches machen?

Christina: Es gibt schon Unternehmen, die auch kleine Betreuungseinheiten aufbauen. Es gibt wenige, die es in Zusammenarbeit mit Unternehmen machen und noch weniger die es in einer so ausgereiften Form machen, wie wir es tun. Was uns auszeichnet ist, dass wir sehr gut organisieren können, wenn mehrere Unternehmen an einem Projekt zusammen arbeiten wollen.

Wir sorgen zum Beispiel dafür, dass ein Teil der Investitionskosten zurück an das initiierende Unternehmen geht, wenn ein weiteres Unternehmen die Kita mitnutzen will, nachdem die Kita bereits aufgebaut ist. Das ist nämlich leider nicht der Normalfall. Irgendeiner nimmt Geld in die Hand, baut alles auf und alle anderen profitieren dann davon. Das schreckt kleinere Unternehmen oft ab, ein größeres Projekt in Angriff zu nehmen. Die Kommunikation zwischen den Partnern gezielt zu organisieren ist so eine Art USP von uns.

Und ihr habt euch auf den Süden fokussiert?

David: Ja, weil wir hier das Netzwerk haben. Prinzipiell kann man das überall machen, gerade mit dem Mini-Kita-Modell. Die Wettbewerbssituation selbst ist verwirrend. Träger für die Kinderbetreuung gibt es in einer schier unendlichen Anzahl. Es gibt kommunale Träger, gemeinnützige Träger, private Träger, Wohlfahrtsverbände und Elterninitiativen, die alle im weiteren Sinne als Wettbewerb gezählt werden können.

In Bezug auf Mini-Kitas mit Fokus auf Unternehmen gibt es aber eigentlich nur einen großen Gegenspieler. Die Konkurrenz ist also nicht das Problem.

Christina: Die komplexen Prozesse fordern uns mehr heraus. Außerdem, dass Unternehmen noch nicht den Druck verspüren, da etwas machen zu müssen. Wir arbeiten zum Beispiel viel in der Gesundheitsbranche, denn die spüren den Fachkräftemangel schon sehr deutlich. Einige Unternehmer wollen sich tatsächlich in diesem Feld finanziell engagieren und Angebote schaffen. Aber bei weitem noch nicht genug: Der Wille, langfristig Engagement zu zeigen, ist bei 90% der Unternehmen, mit denen wir sprechen, noch nicht zu erkennen. Das ist ein Mindset, mit dem wir ständig konfrontiert werden.

Ihr habt auf eurem Weg viele Auszeichnungen erhalten. Christina, du bist gerade im Rahmen der Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „FrauenUnternehmen“ zur Vorbild-Unternehmerin gewählt worden.

Christina: Echt? Kann mal passieren. (lacht)

Die Vorbild-Unternehmerin Christina
Die Vorbild-Unternehmerin Christina

Aber auch andere Auszeichnungen! Ihr seid zum Beispiel ein Ausgezeichneter Ort vom Land der Ideen. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für euch? Und wieviel Aufwand kosten sie?

David: Das sehen wir tatsächlich gespalten: Nicht alles, was wir gemacht haben, hat dann tatsächlich was gebracht. Die Außenwirkung ist groß, aber man muss den Aufwand gut abschätzen. Wir mussten zum Beispiel in einem Fall die Feier, die Preisverleihung und das Catering selbst ausrichten – auf eigene Kosten.

Christina: Zusätzlich muss man sich die Frage stellen: Rühmt da jemand unser Unternehmen, oder rühmt sich jemand mit unserem Unternehmen?

Bei einem anderen Wettbewerb, den wir gewonnen haben, einem Businessplanwettbewerb für nachhaltige Projekte in München, sollten die ersten drei Gewinner jeweils 10.000 Euro bekommen. Wir standen dort auf der Bühne und haben uns mit den anderen beiden Gewinnern gefreut gleich einen Scheck zu bekommen. Im Kleingedruckten stand dann allerdings, dass der Preis aus Sach- und Beratungsleistungen besteht. Dabei waren wir eigentlich schon viel zu weit für die Beratung, die wir da gewonnen haben. Und das war auch nichts, was einen vom Hocker haut. Das meiste davon haben wir letztendlich gar nicht genutzt.

Wichtig zu wissen ist, dass das alles echt viel Zeit kostet. Man muss ganz genau analysieren: was brauchen wir wo und zu welchen Zeitpunkt – und bringt uns das dann tatsächlich etwas.

Wusstet ihr schon immer dass ihr gründen werdet?

David: An meiner Hochschule gab es das Strascheg Center for Entrepreneurship und wir hatten Vorlesungen zum Thema Gründen. Insgesamt war das Thema Gründung damals an den Hochschulen noch nicht so verankert wie es inzwischen der Fall ist. Die Option war für mich aber schon immer präsent.

Christina: Bei mir war es ganz klar und ist immer klarer geworden. Ich habe schon in der Schule gerne viel gemacht, was unternehmerisch war. Ich war immer ehrenamtlich tätig. Wahrscheinlich bin ich die schlechteste Angestellte, weil ich einfach viel hinterfrage – im Angestelltenverhältnis ist das nicht immer sehr erwünscht. In meiner Ausbildung habe ich mich dann einmal in einem großen Konzern ausprobiert. Dort habe ich gemerkt, dass immer das kleine Rädchen zu sein einfach nicht meins ist.

Es wird oft diskutiert, ob Frauen es als Unternehmerinnen schwieriger haben, weil es weniger weibliche Vorbilder gibt. Christina, hast du persönliche Vorbilder von Gründerinnen?

Christina: Das ist tatsächlich so, glaube ich. Es gibt wenige Unternehmerinnen, die häufig genannt werden. Ich habe aber durch die ganzen Netzwerke, in denen ich mich bewege, sehr viele kennengelernt.

Ich würd nicht sagen, dass ich ein großes Vorbild herausstellen kann. Was mich begeistert, ist, dass Unternehmer oder Unternehmerinnen sehr intrinsisch agieren. Da ist es egal ob eine App dabei rauskommt oder ein gesellschaftlich relevantes Thema bearbeitet wird. Die Leute machen es, weil sie daran glauben. Das bewundere ich sehr an diesen Menschen. Das hat aber wiederum nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Gründerin Christina (rechts) und ihre Kollegin Carolin

Seid ihr Social Entrepreneurs?

David: Wir sind an das Strascheg Center for Entrepreneurship gekommen und hatten die Vision, eine gesellschaftliche Wirkung zu erreichen. Allerdings kannten wir damals die Begriffe Social Entrepreneurship oder Social Business und das ganze Umfeld noch nicht.

Christina: Wir wussten nicht, dass wir ein Social Business sind bis es uns jemand gesagt hat. Die Social Entrepreneurship Akademie war das.

David: Die Social Entrepreneurship Akademie ist im gleichen Zeitraum in Kooperation mit dem Strascheg Center entstanden, als wir da aufgeschlagen sind. Und die haben uns gesagt, dass wir in dieses Umfeld ganz gut reinpassen würden.

Mittlerweile würde ich wieder etwas davon abrücken. Vor allem von der deutschen Übersetzung „Sozialunternehmer“. Das wird oft stark in Richtung Ehrenamt verstanden, nach dem Motto: „Ihr dürft eigentlich nichts verdienen damit!" Mit solchen Aussagen kann ich mich weniger identifizieren.

Bei Veranstaltungen, bei denen ein Social Entrepreneur vorträgt, kannst du die Uhr danach stellen, bis irgendeiner die Hand hebt und fragt „Ja dürfen Sie denn überhaupt Geld damit verdienen?" Ja, natürlich! Diese Erwartungshaltung, dass Leute umsonst arbeiten und ihr Lebenswerk einfach ehrenamtlich einbringen, finde ich verquer. Der Begriff Social Business ist in meinen Augen da klarer.

Christina: Das sehe ich auch so. Themen wie Kinderbetreuung zum Beispiel auf die Füße des Ehrenamtes zu stellen, ist eine sehr gefährliche Sache. Wenn Leute nicht arbeiten müssen und ihre Zeit dem Guten Tun verschreiben, dann ist das natürlich super. Aber das ist aus meiner Sicht nicht die Lösung für die Zukunft. Jeder, der zur Gesellschaft etwas beiträgt, soll davon leben können.

David: Und wenn man etwas nachhaltig verändern will, dann sollte es auch nachhaltig aufgestellt sein. Das heißt: Nicht unbedingt spendenfinanziert, sondern es muss sich als Geschäft tragen können. Gewinnerzielungsabsicht heißt ja auch nicht notwendigerweise Gewinnmaximierungsabsicht. Aber meiner Meinung nach ist es ein Pflichtteil, dass sich das Geschäft trägt und man sich selbst daraus finanzieren kann – und vielleicht noch ein bisschen mehr, so dass für Investoren oder Gesellschafter etwas übrig bleibt. Man braucht finanzielle Nachhaltigkeit für eine nachhaltige Wirkung.

Glaubt ihr, dass ihr etwas verändern könnt mit sira munich? Kommen mehr Frauen in die Chefetage, eben weil es bessere Kinderbetreuung gibt?

David: Ich würd schon sagen, dass Kinderbetreuung eines der besten Frauenförderungsinstrumente ist. Kinder zu bekommen ist mit einer der Hauptgründe, warum Frauen in der Wirtschaft immer noch unterrepräsentiert sind. Es stimmt einfach, dass es meistens Frauen sind, die wegen Kinderbetreuung aussetzen – und das oftmals auch für längere Zeit. In Teilzeit wieder einzusteigen ist möglich, aber schwierig. Vor allem dabei Karriere zu machen, oder eine Führungsstelle in Teilzeit zu bekommen.

Christina: Der Karriere-Knick liegt definitiv bei den Frauen. Wenn man nach der Geburt noch drei Jahre ausgesetzt hat, wird man beim Wiedereinstieg leicht in eine Sachbearbeiter-Position ohne Verantwortung gesteckt. Von da wieder nach oben zu kommen dauert zu lang. Da sind alle anderen schon vorbei gezogen. So tickt nun mal die Wirtschaft – das kann man schwer ändern.

Wenn man dagegen nur kurz aussetzt und vielleicht sogar nur sechs Monate weg ist, dann gibt es meistens gar keinen Wechsel. Man kann auf die gleiche Position zurück, und sei es am Anfang nur mit 60% oder 80%. Wieder auf dieselbe Position zu kommen trägt ganz entscheidend dazu bei, dass man den Weg weiter gehen kann. Im besten Fall hat also jeder Arbeitgeber ein Angebot zur Kinderbetreuung.

Man könnte ja meinen,  dass das viele Arbeitnehmer noch mehr einspannt. Die Effizienz des Unternehmens wird gesteigert, aber die Erziehung der Kinder von Arbeitnehmern wird anderen überlassen. Was haltet ihr davon?

David: Wir sagen den Kunden  beim Aufbau einer Kinderbetreuung immer dazu, dass sie nicht erwarten dürfen, dass alle Mitarbeiter das in Anspruch nehmen werden. Wir empfehlen also keinen Druck aufzubauen. Für einige passt es, für andere nicht.

Eltern brauchen Wahlfreiheit in beide Richtungen. Es gibt zwei Begriffe in dieser ganzen Debatte die wir immer als Negativbegriffe identifizieren: Auf der einen Seite die Rabeneltern, die ihr Kind früh in Fremdbetreuung geben, auf der anderen Seite die Heimchen am Herd, die erst nach drei Jahren zurückkommen. Das ist genauso ok, wenn sich jemand dafür entscheidet. Man sollte weder das eine noch das andere verteufeln. Das versuchen wir auch immer mit zu kommunizieren und allen Beteiligten zu vermitteln. Entscheiden müssen die Eltern, ob sie das Angebot nutzen wollen.

Vielen Dank für das Interview!

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