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magdas HOTEL

In diesem Social-Business arbeiten Menschen mit Fluchthintergrund zusammen mit Profis aus der Hotelbranche

Markus Hensel AllesWirdGut Architektur

Startup DesignGesellschaftIntegrationVerantwortung Wien

magdas HOTEL Logo

Das magdas HOTEL ist kein gewöhnlicher Hotelbetrieb. Das Social-Business wird von der österreichischen Caritas betrieben, Geflüchtete arbeiten dort Hand in Hand mit Profis aus der Branche.

magdas HOTEL

AllesWirdGut-Architektur: Ana Berlin Magdas HOTEL: Gabriela Sonnleitner

GmbH

2013

Laufbergergasse 12
1020 Wien
Wien, Österreich

info@magdas-hotel.at

Von außen sieht das magdas nicht gerade wie ein Sehnsuchtsort aus: Ein grau-brauner Betonklotz aus den 1960er Jahren in der Nähe des Wiener Praters. Davor zwei Blumenkübel mit vertrockneten Pflanzen und eine Fuß hohe Mauer, die wahrscheinlich früher einmal weiß gewesen ist. Im Laufe der Jahre haben Straßendreck und Abgase sie fast komplett schwarz eingefärbt. Der einzige Lichtblick: An einem der Balkone hängt ein großes Transparent. „Hier werden Vorurteile abgebaut“, steht darauf.

Außenansicht: das magdas HOTEL

Wer nun voreilig geschlossen hat, er stünde vor einem Abbruchhaus voller trostloser Schicksale, sollte einen Blick in das Innere des Gebäudes riskieren. Dort heißen den Besucher Menschen verschiedenster Kulturen willkommen und laden ihn zum Bleiben ein in diesem Hotel, das sich abhebt von der Masse.

Denn auch wenn viele der Mitarbeiter schwere Schicksale mitbringen, ist die Atmosphäre dort nicht trostlos und grau, sondern quietschbunt-lebendig. Das magdas HOTEL ist ein Social-Business der österreichischen Caritas, dort arbeiten 20 Menschen mit Fluchthintergrund Hand in Hand mit zehn Profis aus der Hotelbranche.

Innenansicht: die Lobby im magdas HOTEL

Das Haus ist dabei nicht nur Herberge, sondern vor allem Integrationsplattform. Die Lobby ist gleichzeitig eine Launch mit Bar, die öffentlich zugänglich ist. Außerdem gibt es ein Restaurant. Unter der Leitung von Food and Beverage Manager Elias Zenzmaier serviert das Küchenteam den Gästen dort internationale Speisen. Das klassische Wiener Frühstück etwa gibt es mit orientalischen Erweiterungen wie Baba Ghanoush, Hummus, Falafeln und Baklava. Bei der Rezeptentwicklung gibt der gelernte Koch Elias nicht von oben herab den Ton an, sondern bindet seine Mitarbeiter aktiv mit ein: „Wir suchen ganz aktiv Köche aus anderen Ländern. Gerade haben wir unsere erste Linie mit einem syrischen Kollegen erarbeitet, der extra für uns Rezepte kreiert hat“, sagt er. 

Im Februar 2015 wurde das Hotel feierlich eröffnet, schon zwei Jahre zuvor hatten die Planungsarbeiten begonnen. Das Team des Wiener Büros AllesWirdGut Architektur war fast von Anfang an dabei: 2013 fragte der damalige Geschäftsführer des magdas HOTEL die Architekten um Rat. Er wollte wissen, ob man aus dem alten Pflegeheim unweit des Wiener Praters mit ganz wenig Geld ein Hotel machen könne. Viel Arbeit sei das schon, aber grundsätzlich ginge das, antworteten sie.

Dafür mussten sie sich die Planer aber von dem klassischen Bild eines Hotels freimachen: „Fragst du einen Hotelberater, muss jedes Zimmer einen Kühlschrank und einen Fernseher haben und die Lage muss auf jeden Fall im besten Bezirk sein“, sagt Friedrich Passler, Mitgründer von AllesWirdGut Architektur. Er hatte von vornherein etwas anderes mit dem Haus vor: „Wir wollten kein gewöhnliches, sondern ein anderes Hotel bauen.“

Gruppenansicht: Christian Waldner und Friedrich Passler von AllesWirdGut Architektur und Elias Zenzmaier, F&B Manager bei magdas HOTEL (v.l.n.r.) (Foto: Vasiliki Mitropoulou)

Begeistert von dem Projekt und um den Beweis anzutreten, dass das Vorhaben gelingen kann, übernahm AllesWirdGut Architektur die Generalplanung des Hotels und stand gleich unter Druck: „Wir hatten je sechs Monate Planungszeit und sechs Monate Bauzeit. Ein Jahr nach dem Startschuss musste das Ding eröffnet sein“, sagt Friedrich. Arbeit gab es genug: So mussten etwa neue Böden verlegt, zusätzliche Stromanschlüsse installiert und alle Brandschutzrichtlinien erfüllt werden.

Einzelansicht: ein Doppelzimmer im magdas HOTEL
Preiswürdig
Mit dem magdas HOTEL sorgten die Initiatoren nicht nur für ein internationales Presseecho, sondern bekamen auch mehrere Preise. 2016 hat das Team den AIT Award in der Kategorie "Hotel & Restaurants" und Hans Sauer Preis in der Kategorie "Soziale Innovation" gewonnen.

Obwohl Budget und Zeit sehr knapp bemessen waren, bekam das Hotel einen unverwechselbaren Charakter im Shabby-Chic-Look. Im In- und Ausland suchte das Team dazu zusammen mit Freiwilligen, viele von ihnen mit Fluchthintergrund, geeignete Stücke und möbelte sie anschließend in der hoteleigenen Werkstatt auf.

Dabei herausgekommen ist ein buntes Sammelsurium an Einrichtungsgegenständen. Geschmackvoll kombiniert folgt es einem klaren Designkonzept und trägt so Spirit des Projekts in jedes Zimmer: Not begegnet das Team nicht mit Machtlosigkeit, sondern mit Kreativität und macht so aus einem Abbruchhaus einen Sehnsuchtsort. 

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