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my Boo – Fahrräder aus Gras statt Stahl

Ein nachhaltiges und soziales Zweirad aus Bambus, das sich auch noch sehen lassen kann

Caroline Deidenbach my Boo/Jake Campbell

Startup MaterialEntwicklungszusammenarbeitProduktionInnovation Kiel

my Boo Logo

Ist ein kleines Startup aus Kiel, das gemeinsam mit seinem Partner, einem sozialen Projekt in Ghana, Bambusfahrräder fertigt. Der Rohstoff Bambus wächst extrem schnell nach, ist nachhaltig und durch den Verkauf wird die Gemeinschaft vor Ort unterstützt.

my Boo

Maximilian Schay, Jonas Stolzke

Felix Habke Tel. +4917664165541 felix@my-boo.de

GmbH

2013

Adalbertstraße 11
24106 Kiel
Deutschland

contact@my-boo.de

Der Pandabär liebt ihn mit seinen langen, spitzen Blättern. Er knabbert gerne am dünnen Stamm und genießt das saftige Grün. Der Bambus ist seine Leibspeise. Doch nicht nur der Panda weiß, wie gut der Bambus ist, auch die Gründer von my Boo (engl. mein Liebling) haben diesen schnell nachwachsenden Rohstoff für sich entdeckt. In diesem Fall aber nicht zum Essen – sondern für ihre Fährräder. Ein Fahrrad aus Bambus, das wirkt erst einmal ungewöhnlich, bei näherer Betrachtung ist es aber die perfekte Kombination. Es verbindet das Beste aus Aluminium und Stahl, ist nachhaltig und sozial verarbeitet.

Rückblende: Ghana im Jahr 2012. Ein Freund des my Boo Gründers Maximilian Schay ist gerade in Ghanas zweitgrößter Stadt Kumar unterwegs und schickt ihm von dort aus ein Foto. Darauf: Ein Fahrrad aus Bambus. Maximilian ist sofort begeistert und erzählt seinem Freund Jonas Stolzke davon. Die beiden haben sich gerade im BWL-Studium in Kiel kennengelernt. Ein Bambusfahrrad – wäre das nicht auch etwas für den deutschen Markt? Bei ihren Recherchen stoßen die beiden schnell auf ihren heutigen Partner, das Yonso-Projekt. Anfang 2013 fliegen sie also selbst nach Ghana. Spätestens dort begreifen sie: Ihre Geschäftsidee hat Potenzial.

Das Yonso-Projekt ist zu diesem Zeitpunkt noch komplett von Spendengeldern abhängig. Yonso-Gründer Kwabena Danso hatte durch die Hilfe eines Amerikaners die Möglichkeit bekommen, in der Hauptstadt Ghanas, Accra, Psychologie zu studieren. Danach stand er vor der Entscheidung, ob er in die Wirtschaft oder in die USA geht. Doch er wollte zurück in sein Dorf, um ein Projekt aufzubauen und den Leuten vor Ort zu helfen und vor allem die Jugendarbeitslosigkeit durch Schulbildung zu bekämpfen. Im Zuge eines UN-Workshops lernte Kwabena, wie man Fahrrad-Rahmen aus Bambus herstellt und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen weiterzugeben. Als dann Maximilian und Jonas auf ihn zukamen, war das die Möglichkeit, um aus dem spendenfinanzierten Projekt ein kleines Unternehmen zu machen, das sich selbst trägt.

Li: Gründer Jonas Stolzke Fotocredit: my Boo/Maximilian Bischof. Re: Der Rahmen von my Boo. Fotocredit: Melina Gentner.

Bis es dann wirklich soweit war, dass ein Bambusfahrrad nach Deutschland kam, sollte noch ein weiteres Jahr vergehen. In dieser Zeit suchten sich die Gründer einen Investor, der ihnen nicht nur das Geld als stiller Teilhaber gab, sondern sie auch bei der Entwicklung mit Ingenieuren und Grafiker unterstützte. Sie bauten in Ghana eine größere Werkstatt auf, brachten Werkzeuge vor Ort, bildeten die Mitarbeiter aus und perfektionierten den Bau des Rahmens, bis wirklich alles stimmte. Wichtig war für my Boo, aber auch für das Yonso-Projekt, dass es eine Partnerschaft auf Augenhöhe bleibt. Das Kieler Startup kauft die Rahmen von den Ghanaern, die aber nicht nur für my Boo produzieren müssen. Mittlerweile gibt es auch andere Produzenten, die Rahmen von Yonso beziehen. Die Kieler unterstützen das Projekt aber nicht nur durch den Produktkauf. Mit jedem verkauften Fahrrad von my Boo wird das Schuljahr für ein Kind finanziert. Als nächstes will das Yonso-Projekt eine eigene Schule bauen, da Kwabena mit dem öffentlichen Schulsystem nicht zufrieden ist. Dort teilen sich 100 Schüler oft gerade mal zwölf englische Schulbücher. Bei dem Bau will my Boo das Projekt auch tatkräftig unterstützen.

Doch neben all den positiven Nebenwirkungen für das Projekt, bleibt doch eine gewisse Anfangsskepsis des Verbrauchers gegenüber den Rädern.  So kann der ein oder andere Angst bekommen, dass ein Bambusrad durchbricht, sobald man sich in den Sattel schwingt. Weit gefehlt. Was die Stabilität angeht, vereint der Bambus das Beste aus Aluminium und Stahl, ist elastisch und eignet sich so sehr gut als Trekking- oder City-Bike. Ein Bambusfahrrad kann nur in Handarbeit gefertigt werden – ist also nicht wirklich etwas für die Massenanfertigung. Außerdem ist der Rohstoff nachhaltig und wächst sehr schnell nach. Bis er den richtigen Durchmesser erreicht hat, dauert es etwa zwei Jahre. Die Pflanze selber gehört zu der Gattung der Gräser und ist sehr genügsam. Verbunden werden die Rahmenteile durch sehr stabile Hanfseile und Bio-Harz, der aus Industrieresten hergestellt wird. Wenn die Rahmen nach gut 80 Stunden Handarbeit fertig sind, kommen sie in die Manufaktur nach Kiel. Dort werden sie dann mit hochwertigen Fahrradteilen zu vollständigen Rädern zusammengebaut. So eine Qualität hat natürlich seinen Preis – für ein Bambusfahrrad zahlt man um die 1800 Euro aufwärts. „Es wäre aber auch falsch, billige Materialien zu verbauen, damit es günstiger ist und dann schnell kaputt geht. Unsere Fahrräder sollen auch halten“, sagt Felix Habke von my Boo. Außerdem kommt hinzu, dass die ghanaischen Mitarbeiter überdurchschnittlich gut bezahlt werden und – für ghanaische Verhältnisse ungewöhnlich – versichert sind. Die Preise für den Rahmen setzt das Yonso-Projekt fest.

Li: Die Werkstatt in Ghana. Fotocredit my Boo/Felix Wenning. Re: Gründer von my Boo Maximilian Schay. Fotocredit: my Boo/Maximilian Bischof. 

Um das Bambusfahrrad auf dem konservativen Markt für hochpreisige Fahrräder zu platzieren und den Händlern schmackhaft zu machen, sind die Kieler Jungs mit einem Schwung ihrer Fahrräder in einem VW-Bus quer durch Deutschland getourt. Mittlerweile fahren etwa 500 Bambusfahrräder durch unsere Straßen – und es sollen noch mehr werden. Die Kunden von my Boo reichen vom Bademeister bis zum Vorstand eines großen Automobilkonzerns. „Es sind immer Leute, die sich sehr bewusst für dieses Fahrrad entscheiden und für sie steht die soziale Nachhaltigkeit im Vordergrund“, sagt Felix. Im Münchner Fahrradgeschäft Munix Finest Bicycles gibt es seit Sommer 2016 auch ein Bambusfahrrad. Bis jetzt gab es viele Interessenten, doch noch keiner hat sich an das ungewöhnliche Rad heran getraut. „Das ist etwas Neues und noch nicht Bewährtes. Da müssen sich die Leute erst noch dran gewöhnen“, erklärt Mitarbeiter Alexander. my Boo will im Verkaufsjahr 2017, 650 Bambusräder verkaufen – Luft nach oben gibt es natürlich immer.

Wer sich gerade noch kein Fahrrad von my Boo kaufen kann, die Jungs aber trotzdem unterstützen möchte, kann bis zum 6.Januar 2017 für sie hier unter Lifestyle für den Green Tec Award 2017 abstimmen. Der Green Tec Award ist Europas größter Umwelttechnologiepreis und richtet sich an junge, kreative Unternehmen mit nachhaltigen und innovativen Ideen. 

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