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CitrusRicus – Baumpate werden

Vor drei Jahren hat Guillermo angefangen Baumpatenschaften anzubieten – das garantiert ihm seine Einnahmen und der Käufer bekommt das Obst direkt vor die Tür.

Caroline Deidenbach CitrusRicus

Startup NachhaltigkeitProduktionUmwelt Valencia

CitrusRicus Logo

CitrusRicus ist ein Familienbetrieb in Valencia, Spanien, die seit ein paar Jahren Foodfunding betreiben, d.h. die Verbraucher bezahlen ihren Baum im voraus und bekommen die Ernte sobald sie reif ist. Der Vorteil für den Bauern ist, dass er besser planen kann und eine sichere Einkommensquelle hat.

CitrusRicus

Isabel Ríos Peset; Guillermo Bas Villabos

Christina Schaffer; citrusricus.de@gmail.com

Selbständiger Erwerbstätiger

2015

Cirilo Amorós 20
46004 Valencia
Spanien

citrusricus.de@gmail.com

Obstbauer haben es in dieser Zeit nicht leicht – das Klima schwankt, es ist zu früh warm und anschließend beschädigen schwere Regen oder plötzliche Kälte die Ernte. Die Bienen sterben und die Angst vor dem, was dann passiert, ist groß. Nicht zu vergessen all die anderen Faktoren, wie Käfer und Mistelplagen, die die Erträge beeinflussen können. Dazu ist der Markt sehr umkämpft, kleinere Plantagen haben es schwer mit den großen mitzuhalten. Denn am meisten verdienen an den Früchten am Ende die Großhändler – nicht die Bauern. Doch es gibt Alternativen, wie die Plantagen der Familie von Guillermo Bas Villabos in Valencia, Spanien. Seit 2015 betreiben sie Foodfunding mit Orangen, Mandarinen und Zitronen.

Das Konzept ist eigentlich simpel: Der Verbraucher übernimmt eine ganze (60 Kilo Früchte) oder eine halbe Baumpatenschaft (30 Kilo Früchte) und bezahlt diese im Voraus und bekommt sie in Teillieferungen zugeschickt. Eine Patenschaft für einen ganzen Orangenbaum kostet beispielsweise 190 Euro. Dadurch kann der Erzeuger besser planen, weiß, dass er einen gewissen Teil der Ernte verkaufen kann und verdient auch mehr an seinem Produkt, da er keinen Weg über Dritte gehen muss. Sobald die Ernte reif ist, werden die Früchte gepflückt und direkt verschickt – ohne Lagerung oder Nachreifen.

Guillermo auf seinen Orangenplantagen.

Als Guillermo von der Plattform Erzeugerwelt.de auf diese Art des Vertriebs angesprochen wurde, war er sofort begeistert. Er hat Wirtschaft und Business Administration studiert und in Unternehmen Erfahrungen gesammelt, bevor er mit neuen Ideen wieder zum Familienbetrieb zurückgekehrt ist. Landwirtschaft war immer ein Teil seiner Familie und wird in Valencia seit fast 100 Jahren betrieben. Doch die letzten 50 Jahre waren schwierig, der Markt hat sich verändert. Denn den Gewinn macht nicht mehr der, der das Obst anpflanzt, sich darum kümmert und es erntet, sondern der, der es in die Hände des Verbrauchers gibt. Das wollte Guillermo in seinem Betrieb ändern. Doch nicht nur durch den direkten Verkauf an die Supermärkte, und nicht an die Großhändler, sondern auch durch das Foodfunding. 25 Prozent der Verkäufe laufen mittlerweile online, davon ist die Hälfte Foodfunding.

Gerade die Baumpatenschaften ermöglichen eine hohe Qualität der Ware. In konventionellen Betrieben werden die Orangen oft noch grün geerntet, eingelagert und mit Mittel behandelt, die sie nachreifen lassen. „Die meisten Obstsorten reifen auch in der Süße nach, Orangen aber nicht. Das beeinträchtigt also sehr den Geschmack der Früchte. Der Unterschied von einer Orange direkt vom Baum und der vom Supermarkt ist enorm“, erklärt Guillermo. Neue Ideen in die Welt der Obstbauer zu bringen ist aber auch gar nicht so einfach. Denn hier muss man sehr weit in die Zukunft denken: wenn ein Baum gepflanzt wird, dauert es fünf Jahre, bis der Bauer seine erste richtige Ernte einfahren kann. Guillermos Obst ist natürlich, unbehandelt und sonnengereift – ganz ökologisch ist sein Anbau aber nicht. „Mittlerweile gibt es Plagen, die kaum ohne Chemie zu bekämpfen sind“, sagt Guillermo, „aber ich bin da sehr bewusst, da ich es ja selber esse.“ Er nutzt nur so wenig Pflanzenschutzmitteln wie möglich und auch nur dann, wenn es wirklich nötig ist, das heißt, nicht zur Prävention, sondern nur wenn ein akuter Befall eines Baumes besteht. Die Früchte selber kommen nicht mit Chemikalien in Berührung, so dass auch ihre Schale genutzt werden kann.

Ein bisschen brauchen die Orangen noch, bis sie reif sind.

Eine weitere Herausforderung bei dem Projekt ist die Logistik. Wenige Transportunternehmen kümmert das, was sie transportieren. Das führte zu Beginn zu eingefrorenen oder zerquetschten Früchten – die Guillermo sofort ersetze. Doch bisher konnte er noch keinen Partner finden, mit dem der Transport optimal klappt. „Die Kosten des Transports sind für mich zweitrangig. Ich will einfach, dass der Verbraucher das beste Produkt bekommt“, sagt er. Nicht umsonst steht das Ricus im Namen für „rico“, was auf Spanisch „köstlich“ bedeutet.

Es gibt noch einige Baustellen, die CitrusRicus bewältigen muss, doch seit Beginn des Foodfunding sind die Baumpaten stetig gewachsen. Das ermöglicht Guillermo auch, neue Pläne zu machen und mit mehr Sicherheit zu wirtschaften. Gerade in einem Jahr wie 2017, in dem es aufgrund des Wetters bis zu 20 Prozent weniger Erträge zu erwarten sind. Trotzdem konnten sie seit 2015 mehr Leute einstellen und sie auch besser bezahlen, als wenn sie nur an Großhändler verkaufen würden. Neben Orangen, Mandarinen und Orangen, gibt es außerdem noch Marmeladen und Honig von der Plantage. Und Guillermo überlegt auch schon, ob er zukünftig Foodfunding für Granatäpfel anbieten wird.

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