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Eco Toiletten – Nachhaltige Alternativen zum stillen Örtchen

Die mobilen Toiletten vom Start-Up Eco Toiletten sind eine geruchslose Alternative zum chemischen Klohäuschen. Das Endprodukt wird weiterverwendet – als Dünger.

Caroline Deidenbach Eco Toiletten

Startup NachhaltigkeitUmwelt Berlin

EcoToiletten GmbH Logo

EcoToiletten vermietet daher nachhaltige, geruchlose Ökotoiletten für Festivals, Tagesevents, Baustellen und Veranstaltungen jeglicher Art und bietet auch nachhaltige Sanitärlösungen für den öffentlichen Bereich.

EcoToiletten GmbH

Kevin Kuhn, Sven Riesbeck, Thomas Jakel

Telefon: 0151 68189809; E-Mail: info@ecotoiletten.de

GmbH

Lindenweg 9a
15378 Rüdersdorf bei Berlin
Deutschland

info@ecotoiletten.de

Wenn es draußen wieder wärmer wird, der Schnee geschmolzen ist und alles grünt, dann sprießen sie nur so aus dem Boden: Festivals, Open-Air-Veranstaltungen, Stadt-und Straßenfeste. Ein ständiger Begleiter dieser Momente, sind leider auch mobile Plastiktoiletten, man bereits schon nach wenigen Stunden nicht mehr betreten möchte – der Geruch von Chemie und Fäkalien ist meist nur mit zugehaltener Nase zu ertragen. Das Start-Up Eco Toiletten bietet da eine umweltfreundliche, geruchsneutrale Alternative. Statt mit Wasser zu spülen und damit unser Grundwasser zu verunreinigen, wirft man hier nach dem Toilettengang einfach eine Handvoll Holzspäne nach. Das bindet den Geruch und überdeckt gleichzeitig die Hinterlassenschaften.

Das Gründerteam (von li nach re): Sven, Kevin, Thomas.

Doch wie kommt man auf so eine Start-Up-Idee? Grundsätzlich kann man sagen, dass unser Problem mit mobilen Toiletten wohl eher ein Wohlstandsproblem darstellt. Denn weltweit gibt es etwa 2,5 Milliarden Menschen, die gar keinen Zugang zu Toiletten haben. Daraus resultieren meist gesundheitliche Probleme durch sich verbreitende Krankheitserreger in umgekippten Gewässern und Böden, die versauern. Die Gründer von Eco Toiletten, Kevin Kuhn, Sven Riesbeck und Thomas Jakel überlegten während ihres Studiums – Geografie und BWL – , welche Möglichkeiten es gibt, so ein Weltproblem anzugehen. Thomas machte daraufhin 2012 eine Fahrradtour von Berlin nach Indien, um auf das Problem Aufmerksam zu machen und sammelte Spenden, um vor Ort Toiletten bauen zu können. Dabei kamen 15.000 Euro von privaten Spendern, Crowdfunding und einem veranstalteten Event zusammen. Mit Hilfe des Ministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und einem Förderprogramm konnten am Ende sogar 35.000 Euro mit einer Partnerorganisation umgesetzt werden. Bis heute arbeitet der daraus gegründete Verein Non-Water-Sanitation an der Verbesserung der Situation.

Doch dann stellten die Drei sich die Frage, wie sich das Ganze wirtschaftlich nachhaltig in Deutschland umsetzen lässt und gleichzeitig Bewusstsein schafft – denn schlussendlich ist es ein Thema, das uns alle betrifft. So entstanden zwei Ideen: mobile Trockentoiletten und feste Trockentoiletten für Kleingärtner und öffentliche Standorte.

Der größte Vorteil an Trockentoiletten liegt auf der Hand: sie brauchen kein Wasser. Verwendet werden nur ökologisches Toilettenpapier, Holzspäne und Handdesinfektionsmittel. Der zweite große Vorteil ist, dass die Nährstoffe aus den Fäkalien recycelt und damit wieder nutzbar gemacht werden. „Seit wir Wassertoiletten benutzen, haben wir den Nährstoffkreislauf durchbrochen. Denn eigentlich gehen die Nährstoffe in den Boden, von dort in die Pflanze und dann wieder zu uns und nicht in die Gewässer“, erklärt Mitgründer Kevin Kuhn. Damit die Hinterlassenschaften recycelt und zu Kompost gemacht werden können, muss das Start-Up zum einen selber für die Verwertung bezahlen und zum anderen viel Aufklärungsarbeit leisten. Denn selbst bei den Ämtern herrscht viel Unwissenheit und Angst vor dem Material. „Das sind Bedenken aus dem Mittelalter, wo man noch keine Verfahren hatte, um Krankheitserreger in den Fäkalien zu erkennen. Heute gibt es die“, sagt Kevin. Diese alten Vorbehalte sorgen auch dafür, dass der Kompost aus menschlichen Fäkalien in Deutschland nicht zum Düngen verwendet werden darf – doch auch daran arbeiten sie und leisten damit in Deutschland Pionierarbeit.

Mittlerweile ist auch das Start-Up selbst gewachsen. Ganze 300 mobile Eco Toiletten sind in Deutschland unterwegs und acht fest installierte in Berlin und in Sachsen. 2018 sollen weitere in München hinzukommen. Klar ist, dass die Trockentoiletten ein Stück teurer sind als die üblichen Dixi-Klos. Im Vergleich zur chemischen Konkurrenz zahlt ein Betreiber für die alternativen Toiletten etwa das Doppelte – also grob gerechnet für zehn mobile Ecotoiletten etwa 2500 Euro. Das liegt noch an der geringen Größe des Start-Ups, aber auch an der Kompostierung, die teurer ist als das Klärwerk bei den Chemietoiletten. Dafür gibt es aber bei der nachhaltigen Alternative einen Reinigungsservice vor Ort.

Die mobilen Eco Toiletten.

Die Holzspäne für die Toiletten kamen zu Beginn von Tischlereiabfällen, doch leider musste das Start-Up von dieser Verwertungsidee wieder abkommen. Die Späne waren zu staubig für die Kabinen und teilweise mit Lacken vermischt, die nicht kompostierbar waren. Die aktuell produzierten Späne kommen von deutschen Kiefern und die Menge hält sich, gerade im Vergleich der Fäkalienmenge, in Grenzen und ist daher für das Start-Up auch ökologisch vertretbar. Es gibt sogar bereits eine Technologie, die ohne die Holzspäne funktioniert und bei den fest installierten Toiletten umgesetzt wird. Dort gibt es eine Art Förderband, welches die flüssigen und festen Stoffe gleich trennt und somit auch kein Geruch entsteht.

Selber finanzieren kann sich das Start-Up leider noch nicht. Doch mit Hilfe von Privatinvestoren und externen Finanzierungen kommen die zehn Mitarbeiter, die teilweise auch in Teilzeit arbeiten, einigermaßen über die Runden. Trotzdem rückt der Blick auch immer wieder ins Ausland. Mit dem Verein Non-Water-Sanitation treiben sie verschiedene Pilotprojekte voran und planen eventuell auch mit Ghana ein weiteres Land aufzunehmen.

Je mehr Aufmerksamkeit sie bekommen und somit ein Bewusstsein in unseren Köpfen schaffen, desto eher wird das Thema unsere Hinterlassenschaften vielleicht doch irgendwann eines, das sich auch am Esstisch diskutieren lässt und so zu einer nachhaltigen Lösung beigetragen wird.

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