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Flüchtlinge Willkommen - Raus aus den Lagern!

Flüchtlinge Willkommen bringt Wohnraumgebende und geflüchtete Menschen zusammen, um eine Alternative zu dezentralen Massenunterkünften zu etablieren.

© Flüchtlinge Willkommen

Startup IntegrationRegional Berlin

Flüchtlinge Willkommen Logo

Flüchtlinge Willkommen bringt Wohnraumgebende und geflüchtete Menschen zusammen, um ein privates Zusammenleben zu initiieren. Sie sind Ansprechpartner für Fragen des Zusammenlebens und bereiten die Kostenübernahme durch Ämter vor.

Flüchtlinge Willkommen

Jonas Kakoschke, Mareike Geiling, Golde Ebding

Mareike Geiling

Projekt der Mensch Mensch Mensch e.V.

2014

Pariser Platz 1 (genaue Adresse auf Anfrage)
10117 Berlin
Berlin, Deutschland

hallo@fluechtlinge-willkommen.de

Es kommt nicht selten vor, dass man in einem Gespräch mit Freunden oder Verwandten über die aktuelle Flüchtlingssituation und -politik mit der banal und wahnsinnig einfach klingenden Lösung konfrontiert wird, dass ein Großteil der Deutschen doch locker einen Teil ihrer Wohnung oder ein Zimmer in einer WG einem geflüchteten Menschen zur Verfügung stellen könnte.
Es sei doch nichts anderes als einen Mitbewohner zu suchen? Gleichzeitig wäre es doch auch die nächstliegende Methode, um diesen Menschen in Not zu helfen und selber mit diesem etwas abstrakten Thema in Berührung zu kommen.

Interessant ist doch eigentlich, dass keiner so recht weiß, ob das überhaupt so leicht geht. Wie soll man denn eigentlich in Kontakt mit den Flüchtlingen kommen? Und soll man die Miete für den neuen Mitbewohner aus eigener Tasche zahlen?
Wenn man es genau wissen will, dann sollte man spätestens an diesem Punkt anfangen, im Internet zu recherchieren!

Über die Initiatoren
Jonas Kakoschke ist Kommunikationsdesigner. Vor „Flüchtlinge Willkommen“ hat er die soziale Plattform „Pfandgeben.de“ entwickelt;
Mareike Geiling ist Kulturwissenschaftlerin und hat vorher für sechs Monate an einer Kairoer Universität Deutsch unterrichtet;
Golde Ebding ist studierte Sozialarbeiterin und hat von April bis September 2014 Flüchtlinge am Oranienplatz in Berlin unterstützt

Höchstwahrscheinlich stößt man dann auf das Projekt „Flüchtlinge Willkommen“. Die Initiative und Online-Plattform, die von Jonas Kakoschke, Mareike Geiling und Golde Ebding gegründet wurde, will aufklären und dann auch effektiv vermitteln. Denn es ist eben sehr wohl möglich, geflüchtete und asylsuchende Menschen in Privatwohnungen aufzunehmen. 

Die drei Initiatoren: Golde Ebding, Mareike Geiling, Jonas Kakoschke (v.l.r)

Jonas meint dazu: „Das größte Problem sind Vorurteile und ein großes Informationsdefizit. Beides zusammen führt zu einem Zustand, der Angst erzeugt und so ein Zusammenkommen verhindert. Wir wollen helfen, diese Hürden abzubauen und die Menschen in Not und die, die gerne helfen wollen, zusammenbringen.“ Auch Jonas und Mareike haben in ihrer WG bereits den aus Mali geflüchteten Bakary Konan aufgenommen und bewiesen, dass es machbar ist.

Bakary in seiner neuen WG bei Mareike und Jonas

Um das auch für andere Menschen möglich zu machen, haben sie die Online-Plattform entwickelt. Dort kann man als Wohnraumbietender in einem vierstufigen Prozess mit einem geflüchteten Menschen in Kontakt treten und eine Wohngemeinschaft gründen:

  1. Interessierte können das Zimmer oder den Wohnraum, den sie zu vergeben haben, auf der Webseite anmelden und eine Beschreibung erstellen. Dabei werden Fragen zur Wohnsituation, zur Anzahl der Mitbewohner, dem Wohnort, den im Haushalt gesprochenen Sprachen etc. gestellt, um bestmöglich ein Profil erstellen zu können. Ganz so wie bei anderen Online-Wohnungsbörsen, aber eben für niemanden anderen sichtbar als für die Vermittler von Flüchtlinge Willkommen.
  2. In einem zweiten Schritt setzen sich die Vermittler mit einem externen Partner, der in der jeweiligen Stadt mit Flüchtlingen zusammenarbeitet, in Verbindung. Dieser sucht mithilfe der Angaben der Wohnraumbietenden nach einem passenden Mitbewohner. Sobald jemand gefunden wird, stellt Flüchtlinge Willkommen den Kontakt zwischen Geflüchteten und Wohnraumbietenden her, damit ein Kennenlernen stattfinden kann.
  3. Für die Finanzierung der Miete gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist die Förderung durch die zuständige Behörde (meistens das Arbeitsamt oder Sozialamt). Der Auszug aus den Sammelunterkünften und die Übernahme der Kosten der neuen Unterbringung eines Menschen mit Duldungsstatus oder Aufenthaltsgestattung/im Asylverfahren werden fast immer übernommen. Da dieser Fall aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt wird und es auch vom Status des Herkunftslandes des geflüchteten Menschen abhängt (sicher/nicht sicher), bietet Flüchtlinge Willkommen auch hier eine entsprechende Hilfestellung.
    Flüchtlinge Willkommen empfiehlt für den Fall, dass die Kostenübernahme durch die Behörden nicht zustande kommt, eine Art der Mikrofinanzierung. Dabei sagen mehrere Leute monatliche kleine und Kleinstspenden für einen gewissen Zeitraum zu und richten einen Dauerauftrag ein. Jonas und Mareike selber haben per Mail einen Aufruf an Freunde und Familie verschickt. Innerhalb von zwei Wochen hatten sie das benötigte Geld für die Miete für ein Jahr zusammen. Dabei wurden ihnen Beträge von 3 bis 50 € monatlich zugesagt.
  4. Wenn alle vorherigen Schritte geklärt sind, dann zieht der neue Mitbewohner ein. Flüchtlinge Willkommen bleibt während dieser Zeit Ansprechpartner für die Wohngemeinschaft.
Jonas und Mareike von Flüchtlinge Willkommen
Foto: David Freudenthal

Die Unterbringung von geflüchteten Menschen in privaten Unterkünften hält für beide Seiten Vorteile bereit: Die Flüchtlinge wohnen in einer angemessenen Unterkunft, finden besser Anschluss und lernen schneller die Sprache. Die Wohnraumbietenden lernen eine andere Kultur kennen und helfen einem Menschen in einer schwierigen Situation.
Die Wohnraumbietenden und die neuen Mitbewohner können sich jederzeit gemeinsam an Flüchtlingshilfe-Organisationen vor Ort wenden. Viele von ihnen fördern Sprachkurse, die Vernetzung in der Community oder helfen dabei, eine Beschäftigung wie ein Praktikum oder den Besuch von Uni-Kursen usw. zu ermöglichen. Das heißt, dass alle beteiligten nicht allein gelassen werden mit der schwierigen aber lohnenswerten Aufgabe einer langfristigen Integration.

Auch wenn es, wie in jeder anderen WG auch, der Abstimmung bedarf, so liegen die Vorteile gegenüber den Sammelunterkünften auf der Hand. So betont Jonas: „Es steckt schon ein wenig Abschreckungstaktik und politische Hilflosigkeit hinter der Methode, die geflüchteten Menschen in dezentralen, überfüllten und tristen Massenunterkünften unterzubringen, in denen ein Integrationserfolg fast unmöglich erscheint.“

Die Gründer (hier im Interview) von Flüchtlinge Willkommen haben zwar schon etliche Beleidigungen und Drohungen über Facebook erhalten, aber sie wirken gerade deswegen nur bestärkter in dem, was sie tun. Denn diejenigen, die positives Feedback geben und ehrenamtlich mithelfen, sind klar in der Überzahl. Und mit der Vermittlung von inzwischen 280 geflüchteten Menschen in Deutschland und von 565 Vermittlungen durch europaweite Ableger belegen sie den Erfolg des Projektes.

 

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