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Crowdbutching – Gemeinsam eine Kuh kaufen

Bei Kaufnekuh.de kann der Verbraucher ein portioniertes Fleischpaket kaufen. Geschlachtet wird erst, wenn die komplette Kuh verkauft wurde.

Caroline Deidenbach Kaufnekuh.de

Startup VerantwortungProduktionErnährung Aub

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Kaufnekuh.de ist eine Plattform, auf der man ehrliches und zurückverfolgbares Fleisch kaufen kann. Dabei wird die Kuh erst geschlachtet, wenn sie komplett verkauft wurde. Die Fleischpakete werden dem Käufer nach Hause geliefert.

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Yvo van Rijen, Berend Willem te Voortwis

Geschäftsführer: Berend Willem te Voortwis

GmbH

2014

Rothenburger Straße 1
97239 Aub
Deutschland

info@kaufnekuh.de

Eigentlich steht hinter der Idee eine lange und alte Tradition. Früher haben sich Familien oft zusammen ein Tier gekauft, es  geschlachtet und anschließend aufgeteilt. Ein Bauer hat gewartet, bis er wusste, dass er auch wirklich das ganze Tier los bekommt, bevor er es geschlachtet hat. In den Zeiten des abgepackten Supermarkfleisches ist diese Herangehensweise in den Hintergrund gerückt – genauso das Bewusstsein, dass dieses Stück Fleisch mal ein Lebewesen war. Genau in so einem Moment, am Kühlregal eines Supermarktes, kam Yvo van Rijen die Idee zu Kaufnekuh.de. Beim genaueren Hinsehen ist ihm aufgefallen, dass der Verbraucher nicht erkennen kann, woher das Fleisch stammt. Das wollte er ändern und hat gemeinsam mit dem heutigen Geschäftsführer Berend Willem te Voortwis 2014 angefangen,  in Holland zurückverfolgbares Rindfleisch übers Internet zu verkaufen. Seit 2015 gibt es die Plattform auch in Deutschland.

Der Unterschied des Fleisches welches man auf Kaufnekuh.de erwerben kann, im Vergleich zu dem herkömmlichen Fleisch, liegt bei der nose-to-tail-Verarbeitung. Das bedeutet, dass die Kuh von der Nase bis zum Schwanz verarbeitet wird. So wird nichts verschwendet. Der Verbraucher kann daher das Fleisch auch nur in Paketen bestellen, wo von allem etwas dabei ist: Filetsteaks, Rinderbraten, Geschnetzeltes, Gulasch, Rouladen, Bratwurst und Hackfleisch. Alles, was nicht im Fleischpaket enthalten ist und nicht in den Fleischhandel gelangen darf, wie Innereien, wird beispielsweise zu Katzen-oder Hundefutter weiterverarbeitet. Die Haut geht an eine Gerberei.  Ein kleines Fleischpaket kostet 50 Euro und beinhaltet 3,6 Kilogramm Fleisch – was für etwa 14 Mahlzeiten reicht. Nach der Schlachtung wird das Fleisch noch zwei Wochen lang gereift. So verliert es bereits einen Großteil seines Wassers – ein Qualitätsmerkmal des Fleisches ist dann auch seine dunkle Farbe. Anschließend wird es in Portionen verpackt und direkt an den Kunden geliefert. Vom Kauf bis zur Schlachtung kann es da schon mal vier Wochen dauern.

Im Fleischpaket von Kaufnekuh.de ist von allem etwas dabei.

Im Gegensatz zum Supermarkfleisch kann der Verbraucher bei Kaufnekuh.de auch nachverfolgen, woher sein Fleisch und somit seine Kuh kommt. Beim Bestellen erfährt  er sofort die Nummer der Ohrmarke. Darunter gibt es einen Link zu dem Bauern, dem die Kuh gehört hat. Dort wird jeder Bauer vorgestellt, seine Familie, die Haltung der Tiere und wo sein Hof liegt – in Deutschland bisher in der Bodenseeregion. Wenn der Käufer will, kann er auch persönlich auf einem Hof vorbeischauen und sich selber von der Haltung der Kühe überzeugen. Denn um bei Kaufnekuh.de mitzumachen, müssen die Bauern einige Qualitätskriterien erfüllen. Die Kühe müssen in einem Laufstall untergebracht sein, mit Liegeboxen und Stroh als Einstreu. Sie müssen sich ausreichend bewegen können, entweder auf einer Weide oder einen halboffenen Stall. Das Futter darf nur natürlich sein, ohne Antibiotika oder Zusatzstoffe. Außerdem gibt es bei Kaufnekuh.de nur Doppelnutzungsrassen. Die Kühe werden als Milch-und als Schlachtvieh gehalten. Im Vergleich leben sie auch länger als die Durchschnittskuh in Deutschland, zwischen drei und acht Jahren. Eine Schlachtkuh in einem Massenbetrieb lebt im Durchschnitt ein Jahr, eine Milchkuh fünf Jahre. Kalbsfleisch gibt es bei dem Onlinevertrieb nicht. Mittlerweile kann sich der Käufer auch für Rindfleisch mit BIO-Siegel entscheiden – denn Vertrauen ist für viele Verbraucher gut, Kontrolle dann aber doch besser. Denn auch wenn Geschäftsführer Berend Willem te Voortwis vier Mal im Jahr bei den Bauern vorbeischaut und nach dem Rechten sieht, so gibt ein zertifiziertes Siegels noch etwas mehr Sicherheit.

Li: Geschäftsführer Berend Willem te Voortwis. Re: Gründer Yvo van Rijen.

Gründer Yvo van Rijen und Geschäftsführer Berend Willem te Voortwis haben hat die Finanzierung des Start-Ups komplett selbst getragen – das Startkapital lag bei etwa 15.000 Euro. Durch viel Eigeninitiative und gute Konditionen, wie längere Zahlungsfristen bei Zulieferern, konnte er die Kosten mit den ersten Einnahmen abdecken. Da er aber eher der Typ Erfinder und Gründer ist, hat er sich mittlerweile von Kaufnekuh.de zurückgezogen, und arbeitet an neuen Ideen. Im Deutschlandbüro arbeiten neben dem jetzigen Geschäftsführer Berend Willem te Voortwis noch zwei weitere Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit und die Bestellung. Sie sind das Bindeglied zwischen den Bauern, dem Schlachter, dem Metzger und dem Verbraucher. Es wird Wert darauf gelegt, dass die Wege zwischen den Bauern und dem Endprodukt nicht lange sind. Zum einen, um den Tieren unnötig lange Fahrten zu ersparen, zum anderen um auch nachhaltiger zu produzieren. Es war beispielsweise anfangs nicht einfach, einen Metzger zu finden, der den Kriterien von Kaufnekuh.de entsprach. Somit musste das Fleisch nach der Schlachtung nach Holland zum Zerlegen und Portionieren gebracht werden. Doch mittlerweile hat sich auch das Problem gelöst. Für die Bauern liegen die Vorteile auf der Hand. Sie bekommen Zugang zu neuen Vermarktungskanälen,  einen garantierten Festpreis pro Kilo, der 20 bis 30 Cent über dem gängigen Marktpreis liegt und außerdem  auch wieder eine Wertschätzung für ihre Arbeit.

Mit dem Konzept trifft Kaufnekuh.de gerade den Nerv der Zeit. Bei der Diskussion über Vegetarismus und Veganismus bieten sie dem Verbraucher die Möglichkeit Fleisch ohne schlechtes Gewissen zu essen. Ob es aber auch höhere Wellen schlägt und nicht nur eine Nische bedient, wird sich noch zeigen, bisher nimmt die Nachfrage aber stetig zu.

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