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überkochen – durch Kochen besser lernen

Das Start-Up überkochen will durch seinen mobilen Kochwagen zur Ernährungsbildung, aber auch zur Integration und Inklusion im Klassenzimmer beitragen.

Caroline Deidenbach Christoph Eipert

Startup BildungIntegrationErnährung München

überkochen Logo

überkochen heißt Ernährung spielerisch zu denken, um Austausch, Inklusion und gesunde Ernährung im Schulalltag zu ermöglichen. Ziel ist es, eine zukunftsfähige Entwicklung der Schule unter Berücksichtigung demografischer Einflüsse zu unterstützen und die schulische Ernährungsbildung zu fördern.

überkochen

Constanze Buckenlei, Marco Kellhammer, Vasiliki Mitropoulou

2017


München
Bayern, Deutschland

mail@kellhammer.com

Essen verbindet – das gemeinsame Mahl fördert die bewusste Ernährung und geistige Entspannung. Wir sind weniger gestresst und essen gesünder. Diese tägliche Handlung, der wir meist nicht mehr viel Beachtung schenken, kann noch so viel mehr. Obst, Gemüse und all die anderen Lebensmittel erzählen Geschichten von ihrer Entdeckung, der Kultivierung, der Globalisierung. Sie enthalten lebenswichtige Enzyme, Vitamine und Spurenelemente, welche je nach Zubereitungsart unterschiedlich vom Körper aufgenommen werden. Kochen ist Mathematik: wir addieren, messen ab, dosieren. Beim Umgang mit den Lebensmitteln, der sinnlichen Wahrnehmung der Zutaten entstehen viele Fragen. Woher kommt die Tomate ursprünglich? Denn bis vor einigen hundert Jahren, gab es sie in Deutschland nicht. Biologie, Mathe, Geschichte – Kochen und Essen ist so viel mehr sein als bloße Nahrungszubereitung und -aufnahme. Dies zu vermitteln hat sich das Münchner Team um überkochen zur Aufgabe gemacht.

Mit dem Kartenset können die Lehrer den Kochwagen auch selbstständig bedienen.  Fotocredit: überkochen

Entstanden ist die Idee während des ersten Mastersemesters von Constanze Buckenlei und Marco Kellhammer am Lehrstuhl für Industrial Design der TU München. In Kooperation mit der Hans Sauer Stiftung wurde unter dem Thema „Schule designen“ an der Südschule in Bad Tölz recherchiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es an der Schule zwei Willkommensklassen, die nur wenig im Austausch mit den anderen Klassen waren. Die Gruppe von Constanze und Marco beschäftigte sich mit dem Thema Ernährung und entwickelte ein Konzept, wie man durch Ernährung auch Integration und Inklusion schaffen kann: gemeinsam kochen. „In der Schule ist die Pause und das Essen immer der Zeitrahmen für die Schüler, in dem sie ihre Freunde treffen, wo sie Verbindungen schaffen und sich austauschen. Genau dieses Erlebnis wollten wir auch im Unterricht erzielen“, sagt Constanze.

Während ihrer Recherchen stellten sie fest, dass der Hauswirtschaftsraum der Schule für das Konzept nicht geeignet war: zum einen war er meist belegt, zum anderen erinnerte er zu sehr an klassischen Frontalunterricht. Daher entwickelten sie eine mobile, unabhängige Kochstelle, die in jeder Klasse genutzt werden konnte. Am Ende des Semesters entstand der erste selbst gebaute Prototyp. Dass das Projekt weiter verfolgt werden konnte, lag vor allem auch an dem Interesse der Stiftung und des Referats für Bildung und Sport der Stadt München. So entwickelten Constanze und Marco die Idee im zweiten Semester weiter und konnten es im Rahmen eines weiteren Moduls auch unter dem unternehmerischen Gesichtspunkt ausarbeiten.

Das Team von überkochen (von links): Marco, Constanze und Vasiliki.

Damit der Kochwagen auch ohne große Anleitung genutzt werden kann, erdachten sich Constanze und Marco ein Kartenset mit Rezepten, Aufgabenverteilung, Informationen über Nahrungsmittel und Aktionskarten. Vasiliki Mitropoulou, Lehrerin für Informatik und Wirtschaft, hatte das Projekt als Mitarbeiterin der Hans Sauer Stiftung in der Entstehung beobachtet und stieg in das Projekt ein, als es an die Entwicklung einer Modellphase mit der Stadt München ging. Sie unterstützte bei dem didaktischen Teil der Entwicklung des Kartensets und ergänzender Workshops. So hat sich der Kochwagen von überkochen weiterentwickelt, von einem Integrations- und Inklusionsmittel zu einem Unterrichtstool, das in jedem Fach miteingebunden werden kann. Die verwendeten Materialen für den Kochwagen sind möglichst regional und funktional, so dass er jederzeit wieder bestückt werden kann, wenn etwas fehlt. Gefertigt wird in der Justizvollzugsanstalt in Niederschönenfeld. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass sie in einer sozialen Einrichtung gefertigt werden und das hat schließlich auch funktioniert. Auch wenn es Verzögerungen gab, war es insgesamt sehr positiv, weil wir sonst wohl nicht diese umfangreiche Unterstützung erfahren hätten“, sagt Marco. Nicht nur die Südschule in Bad Tölz hat mittlerweile einen einsatzfähigen Kochwagen. Zu Beginn des Schuljahres 2017/18 wurden nun drei Wagen von der Stadt München gekauft und in einem Testlauf an die ersten Schulen geschickt. Wenn sie ihre Feuertaufe bestehen, könnte das Projekt bereits im folgenden Schuljahr auf weitere Schulen ausgeweitet werden.

Welche Erfahrungen das Team von überkochen bereit beim Kochen mit Schulkindern gesammelt haben und wie es in Zukunft weiter gehen soll, erfahrt ihr im Interview.

 

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