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Querfeld - liefert natürliche Vielfalt

Das Sozialunternehmen rettet krummes Obst und Gemüse vor der Tonne.

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Querfeld verkauft schräges Obst und Gemüse. All jene Früchte, die bereits bei der Ernte aussortiert werden, da sie nicht den optischen Vorstellungen des Handels entsprechen. Dabei ist aussortiertes Obst und Gemüse genauso lecker und genauso gesund.

Querfeld

Frederic Goldkorn

Stefan Kukla

UG

2014

Gotzinger Straße 8
81371 München
Bayern, Deutschland

muenchen@querfeld.bio

Achtung! Stell dir vor, du stehst im Supermarkt und möchtest eine Gurke kaufen. Vor dir liegen drei aalglatte, glänzende, geradezu perfekte Gurken. Daneben zwei eher krummgewachsene und matte Exemplare. Na, welche Gurke legst du in deinen Einkaufswagen? Ertappt!

Wir legen besonderen Wert auf den in die Jahre gekommenen Spruch: Das Auge isst mit. So werden Obst und Gemüse zu perfekten Industrieprodukten. Die perfekt drapierte, säuberlich ausgelegte Fruchtauswahl im Supermarkt hat solch immense Dimensionen angenommen, dass wir nur noch das Bild vom roten, glänzenden Schneewittchen-Apfel kennen. Kinder wundern sich, wenn sie das erste Mal in ihrem Leben eine kleine, krumme, unschöne Karotte sehen. Die Gesellschaft hat mittlerweile ein verqueres Bild, wie Obst und Gemüse auszusehen hat.

Stefan Kukla und Amelie Mertin, zwei Mitglieder des Querfeld-Teams.

Für das Berlin/Münchner Startup Querfeld muss das Wegschmeißen von krummen Obst und Gemüse endlich ein Ende nehmen. Was viele nicht wissen: Gemüse, das der Einheitsgrößen des Handels missfällt, bleibt auf dem Feld liegen und verrottet. Querfeld positioniert sich klar im Thema Lebensmittelverschwendung und möchte die Gesellschaft durch Aufklärungsarbeit sensibilisieren. Aber nicht nur als Informationslückenschließer, sondern auch als Lieferant, der das übriggebliebene Obst und Gemüse an den Mann bringen will. Eigens hierfür ist das Sozialunternehmen gerade dabei, eine Online-Plattform zu konzipieren, über die ein Kontakt zwischen Bio-Gemüseerzeuger und Verbraucher zustande kommen soll. So soll es ein Matching zwischen Konsumenten und dem krummen Gemüse geben – zur Rettung von Lebensmitteln. Der Traum, die Prioritätenliste der Verbraucher von optischen Merkmalen auf Produktqualität zu reformieren, will man so einen Schritt näher kommen. Ein großes Ziel, wenn man die Supermarktregale voll mit normgerechten Früchten in Idealgröße bedenkt.

Vor ein paar Jahren hatten drei Designstudenten im Rahmen ihrer Diplomarbeit die Idee, eine Werbekampagne zu starten, die sich mit krummen Obst und Gemüse beschäftigt. Das Ergebnis waren Layouts mit Sprüchen wie „Kauf mich, ich bin ein Erdbärchen“, neben unförmigen Erdbeeren. Nachdem die Jung-Designer im Anschluss ihres Studiums in Berlin die Kreativagentur „Lauthals“ gründeten und somit auch anderen Herausforderungen gerecht werden mussten, ging auf einem Kongress die Suche nach potentiellen Gründern los, die aus der Werbekampagne ein erfolgreiches Sozialunternehmen machen sollten. Im Zuge dessen schlossen sich sowohl Berliner als auch Münchner dem Projekt an. So kommt es auch, dass bis heute ein Teil des Querfeld-Teams in Berlin und der andere in München arbeitet.

Ganz zu Beginn hat sich das Team in seiner Arbeit zur Rettung von unschönem Obst und Gemüse breit aufgestellt. Keine Chance oder spontane Idee wurde ausgelassen, junge Menschen aufzuklären, zu mobilisieren und von dem krummen Gemüse zu begeistern. Zu dieser Zeit fanden vor allen Dingen Pop-Up-Märkte an Unis und Schnibbelpartys statt. Heute erfindet sich Querfeld insofern neu, als dass es über die Plattform nicht nur eine lokale, sondern auch eine EU-weite Zielgruppe erreichen möchte. Nebenbei beliefert Querfeld Kindergärten mit krummen Biogemüse. Dabei ist es dem Startup besonders wichtig, dass aus dem krummen Gemüse nicht nur ein Mittagessen für die Kinder gekocht wird, sondern dass sie das Gemüse auch zu Gesicht bekommen. So gibt es extra Gemüsekisten zum blinden Tasten und Fühlen. In Kitas sollen hier schon die ganz Kleinen sensibilisiert werden.

Querfeld rettet Gemüse, das ansonsten auf dem Feld liegen geblieben wäre.

In den vergangenen Monaten hat Querfeld einige Veränderungsprozesse durchlebt. Erst vor wenigen Monaten musste das Gründungsteam einen neuen Namen für sein Sozialunternehmen finden. Im Zuge dessen wurde aus „Ugly Fruits“ Querfeld. Aus markenrechtlichen Gründen war die Namensänderung unumgänglich. Auf der einen Seite eine Chance, durch einen neutralen Namen wie Querfeld neue Ideen zu generieren. Auf der anderen Seite eine große Aufgabe, einen mittlerweile relativ etablierten Markennamen durch einen neuen zu ersetzen.

Querfeld macht auf verschiedenen Ebenen von sich Reden. Erst kürzlich wurde dem Startup der Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung verliehen. Es wird Zeit, dass sich etwas verändert und unsere Wegwerfgesellschaft Gemüse und Obst wieder bewusster wahrnimmt. 

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