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Restlos Glücklich im Profil

Das Restaurant "Restlos Glücklich" hat es sich zum Ziel gemacht, Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen.

Startup BildungGesellschaft Berlin

RESTLOS GLÜCKLICH e.V. Logo

Der Verein RESTLOS GLÜCKLICH e.V. möchte Lebensmittel wieder mehr wertschätzen. Mit ihren Projekten möchten die Initiatoren Menschen dazu bewegen, bewusster zu konsumieren und mehr zu verwerten. Dazu bieten sie u.a. Bildungsprojekte an und betreiben ein kleines Lokal in Berlin-Neukölln.

RESTLOS GLÜCKLICH e.V.

Wiebke Hampel

Verein

Kienitzer Str. 22
12053 Berlin
Berlin, Deutschland

wiebke@restlos-gluecklich.berlin

Wann ist man schon mal restlos glücklich? In dem kleinen Restaurant in Neukölln, Berlin wird man auf jeden Fall ziemlich schnell glücklich. Schon von außen strahlt einem nachts das Restaurant wie ein gemütliches Wohnzimmer entgegen. Die Gäste lachen viel, Gemütlichkeit lädt ein sich wie Zuhause zu fühlen. An die Wände haben befreundete Künstler der Inhaber passend zur Restaurantkultur gemalt: „Krumm“, „Falsches Etikett“, „Nicht mehr verkaufbar, trotzdem kostbar“. Ein Wandbild aus Polaroid-Bildern des Teams wird von einfachen Glühbirnen beleuchtet. Zwischendrin stehen alte Tische neben unterschiedlich zusammengewürfelten Stühlen. Es gibt Brotmuffins zur Vorspeise und anschließend einen Gemüseauflauf, dem man es weder ansieht noch schmeckt, dass die Zutaten nicht mehr verkaufsfähig waren. Ganz im Gegenteil!

Das Restaurant „Restlos Glücklich“ in Berlin-Neukölln.

Das „Restlos Glücklich“ fand seine Inspiration in Dänemark. Kopenhagen schmückt schon seit ein paar Jahren das Restaurant rub&stub. Das Besondere: Dort wird ausschließlich mit Zutaten gekocht, die andernfalls aussortiert worden wären. Anette, eine der Gründerinnen des Berliner Pendants, war begeistert von dem, was sie in Kopenhagen entdeckt hatte und dachte sofort: So etwas braucht Berlin auch. Ein Kernteam hatte sich dann schnell zusammengefunden.

Noch bevor das Restaurant öffnen konnte, mussten Fragen rund um die Infrastruktur geklärt werden. Es wird zwar viel Obst und Gemüse aussortiert, aber woher können die nicht mehr verkaufsfähigen Lebensmittel bezogen werden? Schnell ergaben sich Kooperationen mit Biosupermärkten und Weinhändlern. Ein Stipendium des Social Impact Labs Berlin hat die Rahmenbedingungen im Aufbau unterstützt und so konnte das „Restlos Glücklich“ im frühen Sommer 2016 eröffnen. 

Mittwochs bis Samstags kann man das Lokal besuchen. Bevor am Abend die ersten Gäste kommen, wird mittags mit Lastenrädern das Gemüse, Obst und Brot abgeholt. Koch Daniel verlangt das einiges an Spontanität ab. Erst wenn die aussortierten Lebensmittel im Laden ankommen, kann er entscheiden, was am Abend auf der Karte stehen wird. Heute wird der Restlos Glücklich e.V. von fünf Berlinern ehrenamtlich geleitet. Aber wieso ehrenamtlich ein Restaurant leiten, das gut läuft? Die erwirtschafteten Gewinne sollen überwiegend in Bildungsprojekte fließen. Das Restaurant an sich wird so Mittel zum Zweck für die viele Bildungsinteressen der Gründerinnen.

Durch das Angebot im Restaurant möchten sie den Gästen ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung vermitteln, indem sie beweisen, was für wunderbare Gerichte aus Zutaten gekocht werden können, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr verkauft werden können. Sozusagen eine Küche der Improvisation. Im Interview erzählt Vereinsvorstand Wiebke, dass sich einige Nachbarn das Essen einfach abends in mitgebrachten Schüsseln abholen, weil es so lecker selbstgemacht schmeckt. Künftig soll es auch noch Workshops zur Sensibilisierung für gesunde Ernährung und gegen Lebensmittelverschwendung geben – unter anderem auch für Kinder.

Gekocht wird aus Lebensmitteln, die andernfalls weggeschmissen worden wären. 

Passend zum Herbst bietet das „Restlos Glücklich“-Team gerade Workshops mit Titeln wie „Clean your fridge“ oder „Sauerkraut selber machen“ an. Diese Veranstaltungen sind meist eine Mischung aus aktivem Kochen und Aufklärungsarbeit. So treffen sich die Teilnehmer des Workshops „Lebensmittelverschwendung – was steckt dahinter?“ direkt in einem Supermarkt und sortieren Gemüse aus. Anschließend konzipieren sie aus den gefundenen Schätzen ein kreatives Rezept und kochen gemeinsam. Durch Kooperationen mit Partnern wie etwa dem legendären Berliner Urban Gardening-Projekt „Prinzessinnengarten“ entsteht ein Netzwerk, das sich gegenseitig hilft und Bildung in Berlin für alle möglich macht – ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger Menschen belehren zu wollen.

Der „Verein für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln“ braucht dringend Nachahmer, damit es solche Projekte künftig nicht nur in ohnehin schon offenen und kreativen Städten wie Berlin, sondern auch überall sonst gibt. 

 

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