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SirPlus - Ein Supermarkt für gerettete Lebensmittel

Das Start-Up wird in Berlin einen Supermarkt für gerettete Lebensmittel eröffnen und einen Onlineshop mit Lieferung innerhalb Deutschlands.

Startup ProduktionNachhaltigkeitUmwelt Berlin

SirPlus Logo

SirPlus revolutioniert zusammen mit der Lebensmittelindustrie das Retten von Nahrungsmitteln. Das Start-Up verkauft überschüssige Lebensmittel in Berlins erstem Food Outlet Laden, liefert per Same-Day-Delivery sowie per Online Shop mit Lieferung innerhalb Deutschlands.

SirPlus

Raphael Fellmer, Alexander Piutti, Martin Schott

Raphael Fellmer

UG (haftungsbeschränkt)

2017

Torgauer Straße 12
10829 Berlin
Berlin, Deutschland

mail@sirplus.de

Diese Zahl ist nicht leicht zu verdauen: Allein in Deutschland landen pro Jahr 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln in der Mülltonne. Pro Sekunde sind das 313 Kilogramm. Um die Überschrift und ersten paar Zeilen dieses Textes zu lesen, hast du vielleicht 20 Sekunden gebraucht. In derselben Zeit wurden mehr als sechs Tonnen an Lebensmitteln einfach weggeworfen. Das entspricht der Ladung eines kleinen LKW voller Gemüse, Obst, Fleisch und Fertigwaren. All das ist gerade im Abfall gelandet.

Aber mal ehrlich: Eigentlich sind diese Zahlen schon seit Jahren bekannt. Fast jeder hat sie schon irgendwo gelesen und dann gedacht, dass man etwas gegen diese sinnlose Verschwendung tun müsste. Trotzdem gehen die wenigsten von uns containern oder engagieren sich als Foodsaver – schließlich ist es viel bequemer, im Supermarkt um die Ecke einkaufen zu gehen.

Leichtverderbliche Lebensmittel
Ausgenommen vom MHD sind leichtverderbliche Lebensmittel wie etwa rohes Fleisch, Fisch oder frischgepresste Frucht- oder Gemüsesäfte. Sie dürfen nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr verkauft werden.

Die drei Gründer des Start-Ups SirPlus wollen das Retten von Lebensmitteln deshalb so einfach machen, dass selbst dem Bequemsten von uns die Rechtfertigungen ausgehen. In Berlin werden sie den ersten Supermarkt eröffnen, in dem ausschließlich gerettete Lebensmittel verkauft werden – Obst und Gemüse, das nicht den gängigen Schönheitsnormen der Industrie entspricht, sogar Lebensmittel, die das Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD) bereits überschritten haben, wird es im Sortiment geben. Denn was viele überraschen dürfte: Diese Produkte darf man ohne weiteres verkaufen, sogar zum normalen Preis. Das MHD ist ausdrücklich kein Verfallsdatum. Die Produzenten garantieren lediglich, dass ihre Ware bis zu diesem Zeitpunkt ihre spezifischen Eigenschaften wie etwa Konsistenz oder Geschmack behält – trotzdem sind die meisten Produkte tatsächlich viel länger genießbar. Um diese Ware weiterzuverkaufen, müssen Supermärkte für ihre Kunden nur deutlich sichtbar machen, dass sie abgelaufen ist.

Neben der Beruhigung des chronisch schlechten Verbrauchergewissens soll es für potenzielle Kunden einen großen finanziellen Anreiz geben: SirPlus will seine Waren bis zu 70 Prozent günstiger anbieten als klassische Supermärkte. Dazu sind die Gründer bereits Kooperationen mit Großhändlern, Landwirten, Logistikern und großen Supermarktketten eingegangen. SirPlus holt dort Lebensmittel, die ansonsten weggeschmissen worden wären, kostenlos oder gegen einen kleinen Geldbetrag ab. Dabei profitieren beide Seiten: Der Handel spart Entsorgungskosten, SirPlus kann die Waren weiterverkaufen. 20 Prozent der geretteten Lebensmitten werden an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Bei SirPlus wird auch Früchte zu kaufen geben, die den gängigen Schönheitsnormen nicht entsprechen.

Einer der SirPlus-Gründer ist Foodsharing-Pionier Raphael Fellmer, der durch seinen fünfjährigen „Geldstreik“ bekannt wurde. In dieser Zeit reiste er etwa ohne Geld von den Niederlanden bis nach Mexiko. 2012 gründete Raphael gemeinsam mit Freunden die Online-Plattform foodsharing.de und hat bis heute zusammen mit knapp 27.000 Foodsavern mehr als acht Tonnen an Lebensmitteln gerettet.

Mittlerweile ist Raphael der Vater von zwei Kindern. Seine Familie war für ihn der ausschlaggebende Grund, seinen Streik schließlich aufzugeben. Denn als er in Berlin keine Wohnung fand, merkte er, dass er ganz ohne Geld nicht mehr weitermachen wollte. „Ich dachte mir: Ich habe schon ohne Geld viel geschafft, vielleicht kann ich mit Geld noch mehr Menschen inspirieren“, sagt er heute.

Deshalb hat Raphael SirPlus gegründet. Unterstützt wird er dabei von seinen beiden Geschäftspartnern: dem Umweltingenieur Martin Schott und dem Business Angel Alexander Piutti. Alexanders Lebenslauf liest sich auf den ersten Blick wie das genaue Gegenteil von Raphaels Biographie. Er hat lange bei Yahoo gearbeitet und 2009 ein Startup für Onlinegames gegründet. Geld war dabei lange ein treibender Faktor in Alexanders Leben. Das änderte sich nach einer schweren Krankheit, die ihn aufrüttelte. Er begab sich auf die Suche nach einer sinnstiftenden Aufgabe, wurde auf Raphael aufmerksam und kontaktierte ihn. Gemeinsam mit Martin, einem langjährigen Freund von Raphael und ebenfalls Foodsharing-Pionier, gründeten sie schließlich SirPlus.

Das Berliner Start-Up steht derzeit am Beginn der Umsetzungsphase. Bis der Laden in Berlin eröffnet wird, dauert es noch bis Herbst 2017. Zeitgleich wird SirPlus einen Onlineshop starten, in dem man deutschlandweit gerettete Lebensmittel bestellen kann. Da stellt sich natürlich die Frage, wie ökologisch nachhaltig es ist, Nahrungsmittel per Post einmal quer durch die Bundesrepublik zu schicken. Für Raphael ist das kein Widerspruch. Er erklärt, dass beim Versand von einem Paket zwar CO2 ausgestoßen werde, mit den geretteten Lebensmitteln würden trotzdem viel mehr Treibhausgase eingespart als beim Versand zusätzlich entstünden.

Die Gründer von SirPlus sehen sich nicht in Konkurrenz zu klassischen Supermarktketten. Sie haben auch erstmal nicht vor, in anderen deutschen Städten weitere SirPlus-Filialen zu eröffnen. Vielmehr wollen sie zum Impulsgeber für die gesamte Branche werden, sagt Raphael: „Mit unserem Flagship-Foodoutlet-Store in Berlin wollen wir vor allem ein gesellschaftliches Bewusstsein für das Problem der Lebensmittelverschwendung schaffen. Wir glauben nicht, dass es in jedem Kiez in Deutschland einen solchen Laden braucht. Viel effektiver wäre es, bestehende Handels- und Vertriebsstrukturen zu nutzen und so flächendeckend allen Menschen gerettete Lebensmittel zur Verfügung zu stellen.“

Um die hohen Fixkosten etwa für die Lagerung, Logistik und die Programmierung der Online-Plattform zu decken, haben die Sirplus-Gründer ein Crowdfunding gestartet. Die Fundingschwelle von 50.000 Euro haben sie bereits erreicht, insgesamt möchten sie 150.000 Euro einsammeln. Hier könnt ihr spenden und euch eine „Retterbox“ sichern.

 

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