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werkraum – Ort der Begegnung

Durch gemeinsames Arbeiten mit Holz Begegnung und Austausch für Geflüchtete schaffen: ein Konzept, das aufgeht.

Caroline Deidenbach Conor Trawinski

Initiative BildungDesignIntegration München

werkraum Logo

Der werkraum ist ein operatives Projekt der Hans Sauer Stiftung und gibt Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, sich an regelmäßigen Terminen mit dem Holzhandwerk zu beschäftigten und Möbel für sich, die Unterkunft oder mittlerweile auch andere soziale Projekte zu bauen.

werkraum

Barbara Lersch, Conor Trawinski, Markus Rupprecht, Stefan Kiesel

Barbara Lersch, b.lersch@hanssauerstiftung.de

2016

Landshuter Allee 11
80637 München
Bayern, Deutschland

b.lersch@hanssauerstiftung.de

„Bum, Bum, Bum – Raspel, Raspel – Sssssccccchhhhhh“ – verschiedenste Geräusche von klopfenden Hämmern auf Nägel, von Schleifpapier auf Holz und einer Säge dröhnen durch den Raum. Jeder ist konzentriert bei der Sache. Markus Rupprecht, Schreiner und  Diplom Ingenieur für Innenarchitektur, schaut den einzelnen Personen immer wieder über die Schulter und hilft, wenn etwas nicht funktioniert. Es könnte eine normale Situation in einer Schreinerei sein – ist es aber nicht. Wir befinden uns in einem Raum im Keller einer Flüchtlingsunterkunft. Von außen würde man nicht merken, dass es hier eine kleine, aber feine Werkstatt gibt. Doch der werkraum ist auch so viel mehr. Er bietet Geflüchteten die Möglichkeit, selber aktiv zu werden, sich etwas für ihr Zimmer oder für die Gemeinschaft zu bauen, etwas über das Handwerk zu lernen und sich mit den ausgebildeten Organisatoren, aber auch untereinander, auszutauschen. Zwei Jahre gibt es das Projekt nun. Seitdem hat es sich immer wieder verändert.

Im Frühjahr 2016, nach einem Workshop über den Design-Build-Ansatz im Rahmen der Social Design Elevation Days und dem Selbstbau von Möbeln in Flüchtlingsunterkünften, wurde es mit dem Pilotprojekt konkret. „Richtig Schwung kam in die Sache, als wir die Ideen in einer  Flüchtlingsunterkunft, die es heute nicht mehr gibt, umsetzen konnten. Zeitweise waren dort 900 bis 1.000 Menschen untergebracht. Dort haben wir dann jeden Samstag gemeinsam mit den Geflüchteten gearbeitet“, sagt Markus.

Neben der Hans Sauer Stiftung unterstützen das Projekt anfangs die Akademie der bildenden Künste München, die Stadt München und der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising – mittlerweile beteiligt sich nur die Stiftung und in Teilen Condrobs e.V. Gemeinsam entstanden so große Möbelstücke für die Gemeinschaftsbereiche. Als niedrigschwelliges Beschäftigungsangebot und Möglichkeit, sich auch mit anderen Menschen auszutauschen, wurde das Möbelbauen gut angenommen. „Zuerst waren es kleine Grüppchen, nach Nationen aufgeteilt. Über mehrere Wochen hat sich daraus eine Gruppe von etwa acht Leuten verschiedener Nationalitäten herausgebildet, die immer wieder da waren und auch untereinander unabhängig von uns Kontakt hatten. Das zu sehen, war ein wahnsinnig schöner Momente“, sagt Markus. Der werkraum wurde so zum Ort des interkulturellen Austausches, der auch Geschlechterrollen überwindet. „Da gab es beispielswiese einige junge, pakistanische Frauen, die immer wieder gekommen sind. Für manche Männer, wie dem Syrer Muhammad, war das eigentlich eine sehr männliche Arbeit. Aber die Frauen haben sich nicht abschütteln lassen und wurden dann auch von ihm akzeptiert“, erzählt Markus.

Der Werkraum in der Hofmannstraße.

Ende 2016 war dann aber fürs erste Schluss. Die Flüchtlingsunterkunft musste schließen und somit verlor auch der werkraum seinen angestammten Platz. Gleichzeitig wurde es zur Gelegenheit, weiter zu denken und das Projekt auf eine neue Stufe zu stellen. Neben Überlegungen, ob man aus dem Projekt ein mobiles macht, das umherfährt, wurde die Idee, den werkraum zu verstetigen immer konkreter. Im Januar 2017 war dann klar: Der werkraum bekommt für mindestens zwei Jahre feste Räumlichkeiten in der Flüchtlingsunterkunft in der Hofmannstraße in München-Sendling. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten Markus Rupprecht, sowie Barbara Lersch von der Hans Sauer Stiftung mit an dem Projekt. Neu hinzu kam der irische Social Designer Conor Trawinski und Ende 2017 machte der Schreiner und Designer Stefan Kiesel das werkraum-Team komplett. „Während meiner Zeit in Holland haben wir eine Nachbarschaftsmöbelfabrik gegründet. Ähnlich wie beim werkraum haben wir dort mit Ehrenamtlichen Möbel gebaut. Es ging aber nicht per se um Geflüchtete, sondern auch um die Reintegration von Arbeitslosen“, sagt Conor. In der Hofmannstraße gibt es von daher ein regelmäßiges Angebot, freitags von 15 bis 17 Uhr, an dem jeder Interessierte in der Werkstatt bauen kann. Nachdem man mindestens vier Mal dabei war, wird ein Teilnahme-Zertifikat ausgestellt. Das Angebot kommt gut an und manch einer kommt selbst nachdem er in eine andere Unterkunft umgezogen ist, wieder zum Arbeiten vorbei.

„Am ersten Tag waren etwa 13 Leute da, am zweiten Tag acht und dann kamen regelmäßig etwa fünf bis acht Personen zum Bauen. Zu Beginn haben sie viel für sich selbst gebaut und Kontakte geknüpft und sind dann eben teilweise auch nicht mehr gekommen. Die haben ihren Mehrwert durch den werkraum bereits bekommen“, sagt Conor. Während der Arbeit würden sie nicht nur etwas über das Arbeiten mit Holz lernen, sondern auch wie die Deutschen – oder in seinem Fall vielleicht eher wie die Europäer – so ticken und wie die Dinge ablaufen.

Das werkraum-Team (v.li.n.re): Conor, Markus und Stefan.

Neben der festen Werkstatt werden aber auch Angebote in anderen Unterkünften gemacht. Dann bereitet das Team vom werkraum die grundlegenden Sachen vor – wie Bretter zuschneiden und größere, gröbere Arbeiten – und quartieren sich für drei Abende in anderen Einrichtungen ein und bauen dort mit den Geflüchteten. Es gibt aber auch größere Projekte, wie die Zusammenarbeit mit wirWerk, den Freiraumsommer 2018 in München-Obersendling oder das „Über den Tellerrand“-Café. Für alle hat der werkraum, gemeinsam mit dem Netzwerk des jeweiligen Projektes, Möbel gefertigt. So können sie sich auch besser und langfristiger finanzieren. Denn bisher kamen die Gelder vor allem von der Hans Sauer Stiftung und die Räumlichkeiten wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. „Die Stiftung hat auch eine Basis an Werkzeugen finanziert – trotzdem bringen wir drei unsere eigenen Werkzeuge immer mit. Sonst würde das gar nicht reichen“, sagt Markus.

Bis Anfang 2019 können sie die Räume der Hofmannstraße noch nutzen. Dann muss die Flüchtlingsunterkunft einem Studentenwohnheim weichen. Wie es dann weiter geht? Da gibt es verschiedene Szenarien. „Es gibt drei Möglichkeiten: Wir finden neue Räumlichkeiten – vielleicht teilen wir uns die dann auch mit anderen Organisationen; Wir werden mobil und besorgen einen Anhänger, mit dem wir alles zu Veranstaltungen transportieren können oder nur das Konzept bleibt bestehen und wir nutzen, wenn nötig, beispielswiese die Werkstatt von Stefan. Es wäre jedoch schade, wenn es gar nicht weitergeführt werden würde“, sagt Conor.

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