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TEIL 7: Lasst uns debattieren - politischer Diskurs auf Facebook

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Wie schön, dass du mehr oder weniger aus eigenem Entschluss auf diese Seite gekommen bist, um nun den folgenden Text zu lesen! Ich möchte dich auch gar nicht lange aufhalten, schließlich sind wir ja alle super busy, aber vielleicht hast du ja die Muße, dir auf deinem Weg durch den Tag auch noch den folgenden Text einzuverleiben. Ich nehme es dir gerne auch gleich vorweg, es könnte dir nicht gut bekommen, also deinem Informationsmagen, denn eventuell könnten dir die folgenden Infos nicht passen. Aber gut, probieren wir’s.

Es gab mal wieder einen Aufschrei im Netz! Stichwort „Filterbubble“. Wie du vielleicht mitbekommen hast, sieht sich der Online-Mensch durchschnittlich mit 174 Zeitungsseiten voll an Informationen konfrontiert – täglich. Jetzt stell dir mal vor, wie unerträglich es wäre, wenn dich diese Infos auch noch reizen würden, also dir Dinge vermitteln würden, die du gar nicht erträgst beziehungsweise ertragen möchtest, also eventuell gar nicht wirklich likest? Oder würdest du dann vielleicht gar nicht mehr ins Internet gehen? Man weiß es nicht.

Also die „Filterbubble“: Es ist einem Briten letzten etwas aufgefallen, was schon anderen aufgefallen war, aber ihm ist es in einem Kontext aufgefallen, der Ihm die nötige Beachtung für seinen Aufschrei verlieh. Tom Steinberg (eben der Brite) hat während der gesamten Brexit-Kampagne seinen Facebook Newsfeed genauestens beobachtet. Welches Fazit zog der Anti-Brexiter am Tag nach dem Referendum? Mehr als 50 Prozent seiner Landsleute hatten sich gegen seine Zukunftsvorstellung für Großbritannien entschieden. Und im Newsfeed in den Tagen, Wochen, Monaten davor? Nichts davon, er sah keinen einzigen Post oder Kommentar in seinem Newsfeed der Ihn mit seiner Meinung konfrontiert hätte. Nur Anti-Brexit-Meinung. Dabei weiß Tom sogar selbst, dass er in seinem Freundeskreis Brexiter hat, mit denen er auch auf Facebook befreundet ist und die während der Kampagne auf Facebook Ihre Meinung zum Brexit verkündet hatten. Er sah nur nichts davon (hier sein Facebook-Post zum Nachlesen).

Wenn die Hälfte eines Landes nicht mit der anderen Hälfte des Landes hinsichtlich der Zukunft über eben dieses Land kommunizieren kann, dann hat die Demokratie ein Problem. Es ist verständlich, dass Facebook auf unsere Likes eingeht und unsere Informationsumwelt danach vorsortiert. Aber Facebook ist heute mehr als Kommerz. Und wenn unsere politischen Ansichten dann nach den gleichen Like-Filter-Prinzipien kategorisiert werden, bleiben wir in unserer politischen Komfortzone. Also mehr informationellen Austausch wagen, Facebook! Ich möchte bei politischen Themen von den Meinungen meiner Mitmenschen auch mal so richtig kräftig gepoked werden – egal ob ich schon informationsübergewichtig bin oder wie unverträglich die Infos auch zu sein scheinen! Denn sonst bist du, Facebook, im Endeffekt ja paradox:

1.6 Milliarde Menschen weltweit willst du verbinden, doch durch deine Bubble entstehen allein informationelle Kapseln.

 

 

 

 

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