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Crowdfunding

Was Start-Ups über Crowdfunding als alternative Finanzierungsform wissen sollten.

FinanzenMarketingNetzwerk

Was ist das?

Ob Crowdfunding, Crowdsourcing, Crowdcreation oder Crowdinvesting, all diese Formen haben eines gemeinsam: Aufgaben werden einem Kollektiv von Menschen, der sogenannte Crowd, anvertraut. Diese Innovation hat sich maßgeblich durch das Internet ausgebreitet und wird von Usern auf verschiedenen Plattformen genutzt.

Bei Crowdfunding geht es darum, über das Internet und unter Einbezug einer größeren Anzahl von Personen finanzielle Mittel für ein Projekt, eine Veranstaltung oder eine Unternehmensgründung einzutreiben. Gerade Entrepreneurs stehen oft vor dem Problem der Finanzierung, so dass viele spannende und Erfolg versprechende Ideen an ihrer finanziellen Umsetzung scheitern. Neben typischen Finanzierungsformen wie Eigen- oder Fremdfinanzierung stellt Crowdfunding eine attraktive Alternative dar. Crowdfunding bezieht sich also auf finanzielle Aspekte einer Crowd-Aktivität und kann definiert werden als

Übersetzung
Crowdfunding kann definiert werden als ein offener Aufruf, grundsätzlich über das Internet, einer Initiative zu einem bestimmten Zweck finanzielle Ressourcen bereitzustellen, entweder in Form einer Spende oder im Tausch gegen irgendeine Form der Belohnung und/oder Mitbestimmungsrechte.
 

an open call, essentially through the Internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for some form of reward and/or voting rights in order to support initiatives for specific purposes”

Schwienbacher & Larralde, 2010, p. 4
 
Ausschnitt aus LTB 460 (Ehapa Verlag): Schwarmfinanzierung in Entenhausen

 

 

Was für Crowdfunding Arten gibt es?

Crowdfunding beruht auf zwei unterschiedlichen Unterstützungsformen: Spenden (donation-based) oder Belohnungen (reward-based). Spenden stellen eine ideelle Unterstützung dar, die von der um Geld werbenden Initiative keine Gegenleistung erfordern. Eine Person zu unterstützen oder einer guten Idee bei seiner Umsetzung zu verhelfen sind für viele User ausschlaggebende Gründe Geld zu spenden.

Häufig kommt Crowdfunding in Form von Produkt- oder Projektbeteiligungen vor, die auf Belohnungen basieren und eine zumeist materielle Gegenleistung beinhalten. Dabei können sowohl die Entwicklung und Produktion eines physischen Produkts unterstützt werden als auch Projekte wie z.B. der Dreh eines Musikvideos oder ein Forschungsvorhaben. Der Art der Gegenleistung sind keine Grenzen gesetzt: ob ein T-Shirt mit dem Aufdruck des Projekts, die öffentliche Nennung der Unterstützer auf der Homepage, ein Wertgutschein für das geplante Produkt oder eine persönliche Einladung zu den Gründern – alles ist möglich. Unter diese Form von Crowdfunding fallen auch sogenannte Pre-Sales. Hierbei bestellen und bezahlen Kunden ein Produkt, wie zum Beispiel eine CD oder ein Smartphone im Voraus. Sobald eine Mindestanzahl an Bestellungen erreicht ist geht das Produkt in die Produktion und die Geldgeber erhalten die ersten Produkte. Falls zu wenige Bestellungen eingehen wird nicht produziert und die Funder erhalten ihr Geld zurück.

Eigenkapital
Unter Eigenkapital versteht man den Kapitalanteil, der nicht durch Kredite oder sonstige Geldgeschäfte finanziert wurde, sondern von den Eigentümern selber aufgebracht oder als erwirtschafteter Gewinn eingebracht wurde.

Als Abgrenzung oder spezielle Form des Crowdfunding gibt es das sogenannte Crowdinvesting. Dem Geldgeber wird eine finanzielle Erfolgsbeteiligung eingeräumt und er wird zum Mitunternehmer, meist zum stillen Beteiligten. Typisches Merkmal von Crowdinvesting ist, dass es sich immer um die Finanzierung eines Unternehmens handelt und die Finanzierung auf Eigenkapital basiert. Wer sich für diese spezielle Art interessiert findet eine gute Einführung zu dem Thema in folgendem Buch von Beck: Crowdinvesting – Die Investition der Vielen.

Fremdkapital
Das Fremdkapital umfasst alle auf der Passivseite in der Bilanz ausgewiesenen Schulden der Unternehmung (Verbindlichkeiten und Rückstellungen), die rechtlich entstanden oder wirtschaftlich verursacht sind.

Fremdkapital-basiertes Crowdfunding wird auch Crowdlending genannt. Dabei handelt es sich bei der Geldhingabe um ein Kreditverhältnis, bei dem der Geldgeber zwar keine Beteiligung erhält, aber zum Gläubiger wird. Dadurch hat er Anspruch auf Verzinsung und Rückzahlung seiner Zahlungen, auch wenn das Unternehmen Verluste macht.

Für wen und wann ist Crowdfunding sinnvoll?

Eine oft gestellte Frage ist für welche Art von Start-Up, Projekt oder Unternehmung Crowdfunding sinnvoll ist. Eine pauschale Antwort gibt es hierfür nicht. Grundsätzlich eignet sich Crowdfunding für jegliche Unternehmung: ob gemeinnütziges Projekt, Produkteinführung oder ein neues Konzept – man muss nur eine Crowd finden, die bereit ist die Idee finanziell zu unterstützen. Allein im ersten Halbjahr 2014 konnten in Deutschland so mehr als 450 Projekte finanziert werden, die zusammen 4,1 Mio Euro durch Crowdfunding sammelten. Unter diesen erfolgreich finanzierten Projekten finden sich Projekte aus dem künstlerischen oder Entertainmentbereich, bis hin zu Technologie- und Innovationserfindungen. Ausschlaggebend ist immer: eine gute Idee gepaart mit einer überzeugenden und professionellen Präsentation.

Ob für die Weiterentwicklung einer Idee, eine Prototypenerstellung oder die konkrete Umsetzung eines Konzepts - für die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt von Crowdfunding im Gründungsprozess gibt es ebenfalls keine Pauschalregel. Mindestanforderung ist, dass bereits ein Geschäftskonzept vorliegt bzw. ein konkreter Plan für das Projekt und die Finanzierung aufgestellt wurde. Je nachdem in welcher Phase sich der Unternehmer befindet und wie hoch die benötigte Summe ist, kann er sich das Projekt komplett oder teilfinanzieren lassen.

Eine umfangreiche Studie der HTW Chur hat herausgefunden, dass am Anfang der Woche die grundsätzliche Bereitschaft von Geldgebern am höchsten ist. Die durchschnittlich höchsten Beträge werden jedoch am Freitag und Samstag gegeben. Da Projekte, die frühzeitig relativ hohe Beträge erreichen, signalisieren, dass sie von besonderem Wert sind, folgern die Autoren, dass die besten Wochentage für einen Kampagnenstart Montag und Dienstag sind. Hohe Beträge und somit positive soziale Bewertungen zu Beginn sind nämlich entscheidend für den weiteren Verlauf der Kampagne.

Warum Crowdfunding? Das Für und Wider abwägen

Hauptmotiv für Crowdfunding ist natürlich die Finanzierung. Darüber hinaus bietet Crowdfunding aber noch weitere Vorteile. Im Vergleich zu anderen Finanzierungsmethoden hat Crowdfunding eine starke externe Wirkung und kann als Marketing oder als Marktanalyse-Tool gesehen werden. Die „Veröffentlichung“ des Projekts ermöglicht es herauszufinden ob die Idee bei der Zielgruppe ankommt und ob eine Nachfrage dafür besteht. Zudem können Anregungen zu dem Projekt gesammelt und auf mögliche Verbesserungen aufmerksam gemacht werden. Nicht zu vergessen ist die Wirkung auf die Entrepreneurs selbst: positives Feedback motiviert und spornt zum Weitermachen an. So sagt zum Beispiel Christoph Waldner, der sein soziales Projekt „Tierheimhelden“ über die Plattform startnext finanzierte:

 

Übers Crowdfunding haben wir viel Bestätigung erfahren, zudem können wir Marketing und Finanzierung gut verbinden

Christoph Waldner, Tierheimhelden
 

Den Vorteilen stehen aber auch einige Nachteile gegenüber, die sorgsam abgewägt werden müssen. Wenn eine Crowdfunding-Kampagne nicht erfolgreich verläuft und der gewünschte Betrag nicht erreicht wird, sind angefallene Aufwände und Kosten vergebens. Darüber hinaus kann eine erfolglose Kampagne demotivieren und zu negativem Marketing führen. Andererseits kann daraus auch gelernt werden denn:

 

Wer nie einen Fehler gemacht hat, hat nie etwas neues probiert.

Albert Einstein
 

Auch eine „übererfolgreiche“ Finanzierung kann zu Schwierigkeiten führen: hoher Handlungs- und Erfüllungsdruck können einen Gründer zusätzlich belasten. Projekte, die vom Erfolg quasi überrannt werden, kommen leicht ins Straucheln, wenn die Anforderungen nicht erfüllt werden können und das Produkt/Projekt nicht rechtzeitig fertig wird. Um als Entrepreneur gegen solche Ereignisse gewappnet zu sein, lohnt es sich bei der Planung verschiedene mögliche Szenarien durchzugehen und sich für jede eine Handlungsalternative zu überlegen. Eine sorgfältige Planung und Vorbereitung ist außerdem notwendig, um Unklarheiten zu vermeiden und Verantwortungen festzulegen. Vor allem wenn Geldgebern Beteiligungsrechte zugesprochen werden, müssen im Vorfeld Entscheidungs- und Rollenbefugnisse geklärt werden.

Prominente Fälle in den USA wie die Smartwatch Kreyos Meteor haben ein weiteres Problem von Crowdfunding aufgedeckt: immer mehr Projekte machen falsche Versprechen und nutzen die Gutgläubigkeit ihrer Unterstützer aus. Dies hat zur Folge, dass auch ehrliche und gute Projekte mehr Aufwand betreiben müssen, um von ihrer Aufrichtigkeit zu überzeugen. Je nachdem ob man eine misstrauische oder sehr offene Zielgruppe erreichen möchte gelingt dies besser oder schlechter.

Wie sieht der regulative und rechtliche Rahmen aus?

Für die jeweiligen Plattformen gelten bestimmte Teilnahme- und Rahmenbedingungen. Generell funktioniert Crowdfunding nach dem "Alles-oder-nichts-Prinzip". Das bedeutet das Geld wird nur ausgezahlt, wenn das Fundingziel erreicht wird – andernfalls geht das Geld an die Unterstützer zurück. Die zeitliche Laufzeit einer Kampagne liegt meist zwischen 30 und 90 Tage. Bei erfolgreicher Finanzierung eines Projekts erhalten die Plattformbetreiber einen bestimmten Prozentsatz der Fundingsumme.

Auch auf rechtlicher Seite sind vorab einige Fragen zu klären. Zum Beispiel gibt es steuerrechtliche Unterschiede je nachdem welche Crowdfunding Form vorliegt. Die Broschüre „Crowdfunding und Steuern“, herausgegeben von dem German Crowdfunding Network und dem Ikosom UG, behandelt die verschiedenen Formen von Crowdfunding aus steuerlicher Sicht. Einen ersten Überblick über Fragen zu Schenkungen, Umsatzsteuer, Einkommenssteuer und stillen Beteiligungen werden auch von dem Wirtschaftsjurist und Unternehmensberater Nico Reisener beantwortet

Partiarisches Nachrangdarlehnen
Das partiarische Darlehen ist im Sinne von § 488 BGB eine Sonderform von einem Darlehen, das im Wesentlichen eine Gewinnbeteiligung (oder auch Umsatzbeteiligung) als Vergütung vorsieht. Bei nachrangigen Darlehen werden zudem im Falle einer Insolvenz erst all anderen nicht-nachrangigen Gläubiger (z.B. Lieferanten, Banken) ausbezahlt bevor die eigenen Verbindlichkeiten bedient werden.

Über die eigene Recherche hinaus empfiehlt es sich sein Crowdfunding Projekt mit einem Rechtsanwalt abzusprechen oder sich mit anderen Personen aus der Crowdfunding-Community auszutauschen. Ratsam ist dies vor allem bei Crowdinvesting, das einem Partiarisches Nachrangdarlehnen entspricht, in dem einem Investor eine Erfolgsbeteiligung am Gewinn, Umsatz oder Deckungsbeitrag zugesprochen wird. Zudem plant die Bundesregierung ein neues Gesetz zum Kleinanliegerschutz, um die Transparenz von Vermögensanlagen zu erhöhen. Der Entwurf sieht zwar eine Reihe von Ausnahmen für crowdfinanzierte Projekte vor, führt aber zu einigen Änderungen im Crowdfunding Prozess. Aktuelle Infos zu dem Gesetzesentwurf gibt es auf der Homepage des Finanzministeriums. Ein Artikel im Spiegel gibt zudem einen Überblick über die voraussichtlichen Änderungen für Crowdfunding.

Wie kann ich mein Crowdfunding Projekt veröffentlichen?

Die gängigste Art seine Kampagne zu veröffentlichen ist über eine der zahlreichen Crowdfunding-Plattformen. Vorteil ist hier, dass ein bestimmtes Publikum die Seiten regelmäßig besucht und sich das Projekt schnell herumsprechen kann. Alternativ zu Plattformen ist die Veröffentlichung der Kampagne über die eigene Homepage möglich. So wurden seit 2010 alleine über die Plattform startnext mehr als 12 Mio € gecrowdfunded und der Trend ist steigend. Der Crowdfunding Monitor gibt detaillierte Informationen über Zahlen und Fakten:

Hier sind die bekanntesten Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgelistet:

Crowdfunding:

Crowdinvesting:

Crowdlending:

Die größten internationalen Plattformen:

Quellen
  • Beck, R. (2014). Crowdinvesting: Die Investition der Vielen. 2. Erweiterte Auflage, Düsseldorf.
  • Beier, M. & Wagner, K. (2014). Das richtige Timing beim Crowdfunding: Eine explorative Studie zu Projekten auf 100-days.net. Discussion Papers on Economics and Entrepreneurial Management: Chur. 
  • De Buysère, K. et al.  (2012). A Framework for European Crowdfunding.
  • European Crowdfunding NetworkEuropäischer Dachverband für Crowdfunding Plattformen [27.05.2015]
  • Harzer, A. (2013). Erfolgsfaktoren im Crowdfunding. In Will, A. & Brüntje, D.. Menschen – Märkte – Medien – Management: Schriftenreihe Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft. Band 7, Technische Universität Ilmenau.
  • IHK München: Crowdfunding für Startups: Vorbereitung ist alles: Wann ist Crowdfunding erfolgreich? [27.05.2015]
  • Schwienbacher, A. & Larralde (2010). Crowdfunding of small entrepreneurial ventures: Handbook of entrepreneurial finance. Oxford University Press:Oxford.
  • Social Impact Finance (2014). Crowdfunding für Social Entrepreneurs (Crowdfunding-Guide
  • Zeit Online, Artikel von Kühl, E. (22.10.2014): Die Crowd, die nicht misstraut
 
 

 

Primäres Ziel einer Crowdfunding Kampagne ist, den Besucher mit dem Projekt bekannt zu machen und ihn über seine Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren. Der User muss verstehen worum es geht und was das Ziel der Kampagne ist. Verschiedene Tools und Checklisten helfen dabei eine Kampagne richtig anzugehen. Der Guide „Crowdfunding für social entrepreneurs“ von Social Impact Finance führt chronologisch durch die Kampagnenerstellung und gibt Tipps und Templates zur Umsetzungen.

Schritt 1: Zielgruppe definieren und Plattform auswählen

Bevor man sich um die Gestaltung der Kampagne Gedanken macht, sollte man zuerst seine Zielgruppe definieren. Es ist wichtig, den Nutzer und Unterstützer zu verstehen und die Kampagne auf diese Zielgruppe zuzuschneiden. Wer seine Zielgruppe kennt findet auch leichter eine für das Projekt geeignete Plattform. Ständig entstehen neue Plattformen, andere schließen wieder – den Überblick zu behalten ist da nicht immer einfach. Die Plattformen unterscheiden sich zudem in der Reichweite, der Zielgruppe und der möglichen Funding-Summe. Je nachdem ob man eher die breite Masse als Kunden hat oder eine klare Zielgruppe entscheidet man sich für eine große oder eine themenspezifische Plattform. Am besten schaut man sich die verschiedenen Seiten der Plattformen an und sucht nach ähnlichen Projekten. Eine Übersicht mit Kurzbeschreibungen zu einigen Crowdfunding Plattformen gibt es auf dem Crowdfunding Informationsportal oder t3N Digital Pioneers.

Schritt 2: Fundingsumme festlegen

Im nächsten Schritt wird das Budget kalkuliert und das Funding-Ziel und die Funding-Schwelle bestimmt. Das Funding-Ziel ist die Summe, die angestrebt wird. Die Funding-Schwelle ist die Mindestsumme, die erreicht werden muss damit eine Finanzierung erfolgreich abgeschlossen wird. Überlegungen, wie viel Geld benötigt wird und durch Crowdfunding gesammelt werden kann sind notwendig um ein realistisches Funding-Ziel zu setzen. Plattformauswertungen haben gezeigt dass vor allem Projekte mit kleinen (bis 5000€) und mittleren (bis 10.000€) Zielbeträgen gute Aussichten haben. Bei sehr großen Summen empfiehlt es sich zunächst Teilsummen via Crowdfunding zu finanzieren.

In dem Handbuch der Crowdfunding-Plattform startnext findet man Informationen zu der Festsetzung dieser Zahlen und  weitere wichtigen Hinweise zur Kampagnenerstellung.

Im Gründerlexikon findet man erste Anhaltspunkte, um seine monatlichen Kosten als Gründer abzuschätzen und einen Kapitalbedarfsplan aufzustellen. Diese können als Basis für die Bestimmung der Fundingsumme dienen.

Schritt 3: Rewards definieren

Bei der belohnungsbasierten Version von Crowdfunding ist die Erstellung einer Liste mit den „Dankeschöns“, den sogenannten Rewards oder Belohnungen ein weiterer wichtiger Schritt. Folgende Punkte sollten bei der Wahl der Dankeschöns erfüllt bzw. beachtet werden:

  • Bezug zum Projekt/Produkt
  • Überschaubare Anzahl, einfache und griffige Titel und ein Bild des Dankeschöns
  • Festlegung der Beteiligungshöhe (Preise) für die jeweiligen Dankeschöns unter Berücksichtigung der Kosten z.B. für Herstellung, Aufwand und Versand
  • Strategische Staffelung der Preise (z.B. 5€, 10€ 25€, 50€, 100€, 200€…): Unterstützer ordnen sich selber eine Gruppe mit dem für sie favorisierten Dankeschön zu

Schritt 4: Marketing Plan erarbeiten

Wer in kurzer Zeit viel Geld sammelt, kann damit eine Gruppendynamik entfachen. Wenn die Funder sehen, dass auch andere Leute an den Erfolg eines Projektes glauben, geben sie bereitwilliger Geld dazu.

Wolfgang Gumpelmaier, Crowdfunding-Berater beim Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom)

 

Noch bevor die Kampagne startet ist es deshalb wichtig über verschiedene Kanäle auf das Projekt aufmerksam zu machen. Ob per Mail, Twitter, Facebook, auf diversen Blogs oder via Telefon - je mehr Menschen sich für ein Projekt interessieren und darüber berichten, desto eher wird das gewünschte Funding-Ziel erreicht. So sollte vor Kampagnenstart ein möglichst großer Kreis an potentiellen Geldgebern mobilisiert werden, so dass diese direkt in den ersten Tagen als Geldgeber aktiv werden können.

Darüber hinaus sollte ein genauer Plan vorliegen, wie, was und über welche Kanäle Informationen während der Kampagne kommuniziert werden. So macht es zum Beispiel keinen Sinn bereits am Anfang alle seine Möglichkeiten zu „verpulvern“.

Schritt 5: Projekt beschreiben und Video erstellen

Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne ist die Präsentation des Projekts. Diese umfasst sowohl die Projektbeschreibung mit verschiedenen Bildern als auch das bekannte Pitchvideo. Aus der Darstellung sollte klar hervorgehen, worin die die Einzigartigkeit der Idee liegt, wie der Business Plan aussieht und wofür das Geld benötigt wird.

Projektbeschreibung:  Bei einigen Plattformen müssen vorgegebene Strukturen nur noch mit den entsprechenden Informationen befüllt werden. Grundsätzlich sollten mit der Projektbeschreibung folgende Fragen abgedeckt werden:

  • Worum geht es in dem Projekt? Welches Problem wird gelöst?
  • Was ist das Besondere an dem Projekt bzw. was sind die Ziele?
  • Wofür wird das Geld verwendet?
  • Wer steht hinter dem Projekt?

Videoerstellung:

 

Ein Team wird menschlich, wenn man es sprechen, laufen, agieren sieht und hört

gründerszene.de
 

Deshalb sollte in einem kleinen Film das Projekt und die dazugehörigen Macher vorgestellt werden. Wer es versteht dieses Medium richtig einzusetzen, kann Emotionen transportieren und die Crowd von sich und seinem Projekt überzeugen. Qualität und Kreativität des Videos sollten stimmen, am wichtigsten ist neben einer guten und überzeugenden Idee aber auch ein authentisches Auftreten und Natürlichkeit.

Tipps und Tricks

Die Beantwortung folgender Checkliste kann dabei helfen zu entscheiden, ob Crowdfunding eine Finanzierungsmöglichkeit für einen Unternehmer darstellt: Checkliste Start-ups für Crowdinvesting (Beck (2014). Crowdinvesting, S. 187):

  1. Ist es wahrscheinlich dass ich mit meiner Projektidee außenstehende Kapitalgeber begeistern kann?

  2. Bin ich bzw. ist das Gründerteam in der Lage, die Projektidee erfolgreich umzusetzen oder benötigen wir weitere Unterstützung?

  3. Wie hoch ist der über Crowdfunding zu deckende Bedarf und wo setzte ich die Funding-Schwelle und das Funding-Limit an?

  4. Welche Belohnungen kann und will ich den Investoren als Gegenleistung für die Finanzierung zusagen?

  5. Welche Recht kann bzw. will ich den Investoren einräumen?

  6. Auf welche Weise kann ich die Investoren sinnvoll in mein Marketing einbinden?

  7. Organisiere ich das Crowdinvesting selbst oder nutze ich eine Plattform? Welche Plattform passt am besten zu meinem Projekt?

  8. Kann ich alle für die Bewerbung erforderlichen Informationen, Unterlagen und ein Video zu meinem Gründungsvorhaben beibringen?

  9. In welchen Schritten soll die Umsetzung des Projekts erfolgen wenn das Geld der Investoren eingetroffen ist?

  10. Wie sieht Plan B aus wenn die Funding Schwelle nicht erreicht wird und keine Finanzierung über die Crowd erhalten wird?

Quellen
  • Harzer, A. (2013). Erfolgsfaktoren im Crowdfunding. In Will, A. & Brüntje, D. Menschen – Märkte – Medien – Management, Schriftenreihe Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft. Band 7, Technische Universität Ilmenau. 
  • Impulse - das Unternehmer-Magazin, Artikel von Heckendorf, K. (16.04.2014): Tipps für Crowdfunding: So sammeln Unternehmer im Netz.
 
 

 

Das Crowdfunding Märchen schlechthin: Mit ihrer Idee Original Unverpackt, einem Supermarkt-Konzept, das auf Einwegverpackungen verzichtet, haben die Gründerinnen Sara Wolf und Milena Glimbovski innerhalb von 24 Stunden ihre Fundingschwelle von 20.000€ geknackt. Mehr als 4000 Unterstützer trugen dazu bei, dass über die Platform startnext insgesamt eine Summe von mehr als 100.000€ gecrowdfundet wurde.

Das Konzept basiert auf dem Verkauf unverpackter Lebensmittel, die in großen Abfüllbehältern aufbewahrt werden. Kunden können sich die Menge, die sie benötigen, in selbst mitgebrachte Behältnisse oder in Behälter aus dem Pfandleihsystem abfüllen lassen. Motto ist: Müll und Plastiktüten adé.

Die erfolgreiche Crowdfunding Kampagne ermöglichte es den beiden Unternehmerinnen ihre Idee am 13.9.2014 mit ihrem ersten eigenen Original Unverpackt Supermarkt in Berlin Realität werden zu lassen. Ihre Kampagne stützte sich auf Belohnungen, wie zum Beispiel einer Original Unverpackt Tasche bei einer 20€ Spende oder einer Unverpackt-Kiste bei 200€. Eine geniale, zeitgemäße Geschäftsidee kombiniert mit einer gut geführten Kampagne führte zur erfolgreichen Finanzierung dank Crowdfunding.

Hier gibt es das Crowdfunding-Video zum Anschauen:

 

Positive Resonanz kam auch aus den Medien. Ein Artikel aus dem enorm Magazin über Original Unverpackt zeigt dies deutlich.

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