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Die Entwicklungsphase

Am Anfang steht die Idee, am Ende die Umsetzung. Dazwischen wird sie in einem iterativen Prozess ausgearbeitet und ein funktionierender Prototyp entwickelt.

Clemens Binder Jared Tarbell, flickr.com/photos/generated/

Einführung

Die Entwicklungsphase beginnt, sobald die Idee gründlich durchleuchtet wurde und der grobe Rahmen für das Vorhaben steht. Natürlich darf man sich eine Idee in diesem Stadium noch nicht als etwas Endgültiges vorstellen und auch der gesteckte Rahmen muss nicht zu eng gesehen werden. Denn in allen Phasen kann es passieren, dass sich Grundlegendes ändert. So wirst du sicher mal unversehens einen Schritt zurückgeworfen – oder gleich mehrere. Lass dich davon aber nicht entmutigen: Diese iterativen Test-, Feedback und Lernschleifen sind charakteristisch für die Entwicklungsphase und wichtig für den Prozess.

Trotz der Unplanbarkeit bei Neuanfängen gibt es einen Punkt, ab dem man sich seiner Idee und dem zu lösenden Problem verpflichtet fühlt und sich bewusst für das „Weitermachen“ entscheidet. Ab da gilt es Nägel mit Köpfen zu machen und konkrete Lösungsansätze auszuprobieren - bis einer davon passt.

Von der Idee zum Produkt

Wie lange dauert die Entwicklungsphase? – fragen sich viele Entrepreneurs, die sich entschließen einen Schritt weiter zu gehen. Die Frage ist schwer zu beantworten, da es sich um keinen linearen Prozess handelt und dieser von Projekt zu Projekt variiert. Manche finden recht schnell eine Lösung, die funktioniert. Vorteil hierbei ist, dass sofort ein Prototyp am Nutzer getestet werden kann und man dadurch schnell Feedback und Erfahrungswerte sammelt. Dies kann die Weiterentwicklung des Produkts massiv beschleunigen. Oft wird dabei von einem minimum viable product, dem MVP, gesprochen: Also einem Produkt, das nur die Minimalanforderungen erfüllt, um lebensfähig zu sein. Grundlegendes wird zuerst bestimmt und umgesetzt, erst danach kommen die spezielleren Funktionen und Feinheiten. Das gilt gleichermaßen für Objekte, Software und Dienstleistungen.

Lean-Startup
Lean Startup umschreibt einen Ansatz der Unternehmensgründung, bei dem alle Prozesse so schlank wie möglich gehalten werden. Statt einer umfassenden Vorab-Planung liegt der Fokus vielmehr auf Learning-by-doing, indem ein Produkt oder eine Dienstleitung so früh wie möglich auf den Markt gebracht wird.

Was steckt dahinter?

In der Entwicklungsphase geht vieles drunter und drüber. Das heißt allerdings nicht, dass die Frage nach Nachhaltigkeit im Vorhaben unter den Tisch gekehrt werden muss. Die Konzepte Suffizienz, Konsistenz und Effizienz zum Beispiel helfen, frühzeitig ein tieferes Verständnis für die Folgen deines Handelns als Unternehmer zu entwickeln und verschiedene Aspekte der drei Prinzipien in deinen Lösungsansatz zu integrieren.

Für die Erstellung von Prototypen werden meist Materialien verwendet, die noch nicht dem Endprodukt entsprechen. Die Frage, welchen Ressourcenaufwand dein Produkt am Ende haben wird, steht aber bereits bei der Entwicklung im Raum. EcoDesign hilft dir, dieser Frage schon früh in der Entwicklung Beachtung zu schenken und relevante Entscheidungen zu treffen. Hast du schon mal über den Lebenszyklus deiner Idee nachgedacht? Oder von der Kreislaufwirtschaft gehört? Hierbei werden Ressourcen optimal genutzt, in dem ein zyklischer Kreislauf aus Recycling und Wiederverwendung entsteht.

In der Entwicklungsphase solltest du ebenfalls über dein Lieferantennetzwerk nachdenken. Das in dem Fachartikel vorgestellte Beispiel des Fairphones zeigt: Lieferketten sind sehr komplex und je früher man beachtet, nach welchen Standards ein Zulieferer handelt, desto eher erreicht man ein faires Produkt. Warum das überhaupt wichtig ist? Viele Hersteller beachten Umwelt- und Sozialstandards nur unzureichend. Für manche Menschen an anderen Orten hat das verheerende Folgen – meist ohne das Wissen der Nutzer und Konsumenten in den Abnehmerländern. Als verantwortungsvoller Unternehmer hast du dich mit Sozialstandards und den Arbeitsbedingungen deiner Zulieferer auseinanderzusetzen.

In kleinen Schritten zum Ziel

Bereits in der Ideenphase können erste Prototypen entstanden sein. Der Ansatz des Design Thinkings hilft dir dabei, Produkte so zu entwickeln, dass sie auf die Nutzerbedürfnisse angepasst sind und Nutzer ins Zentrum deiner Überlegungen gestellt werden. Das geschieht durch mehrere Iterationen, in denen Nutzer beobachtet oder Prototypen mit ihnen getestet und optimiert werden. Auch zu späterem Zeitpunkt lassen sich Nutzer gezielt einbinden, z.B. über Open Innovation Ansätze. So können ein Produkt oder eine Dienstleistung in kleinen Schritten weiterentwickelt werden.

Das iterative Vorgehen bringt viele Vorteile mit sich. Einerseits kannst du, wenn du früh Kontakt zu Nutzern bekommst, deren Feedback mit in die Produktentwicklung einfließen lassen. Das hilft nicht nur dem Produkt an sich: Über sogenannte Early Adopters bekommst du auch frühzeitig ein Gefühl dafür, wie deine Zielgruppe tickt. Auch wenn du dir schon in der Ideenphase alle Mühe gegeben hast deine Nutzergruppe zu definieren: Je besser du die Bedürfnisse verstehst, desto eher kannst du eine Lösung anbieten. Einer der Hauptgründe fürs Scheitern ist in der Tat der fehlende Bedarf am Markt. Wie man das vermeiden kann, fragst du? Mach dir früh die Hände schmutzig: Sei dir nicht zu schade, raus zu gehen und Lösungen auszuprobieren, die noch nicht hundertprozentig perfekt sind.

Der zweite große Vorteil von kleinen Schritten ist, dass mögliche Fehler nicht so schwer ins Gewicht fallen und du diese schneller beheben kannst. Stell dir vor du bist in einer fremden Stadt und willst zu einer bestimmten Adresse. Um den Weg zu finden, suchst du dir auf dem Stadtplan markante Punkte, die auf dem Weg liegen – so musst du jeweils nur an wenigen Weggabelungen vorbei gehen. Ähnlich kann man sich Meilensteine beim Gründen vorstellen: Wenn du sie mit zu großem Abstand wählst, läufst du Gefahr zwischendrin verloren zu gehen. Große Etappen, ohne zwischendurch den Kurs zu überprüfen, können leicht zu großen Umwegen führen. Natürlich vereinfacht dieses Beispiel: Wenn du gründest, hast du weder eine genaue Adresse, noch einen Stadtplan. Dennoch ist klar, dass man kleine Schritte in die falsche Richtung schneller zurückgehen kann als große Etappen, die nicht auf Kurs lagen.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Woran kann man sich überhaupt orientieren? Dafür gibt es verschiedene Methoden. Zum Beispiel hilft ein Business Model Canvas  Klarheit über deine Vision, Mission, Ziele und Strategie zu erlangen. Ein Businessplan unterstützt dich dabei, quasi deinen eigenen Stadtplan zu zeichnen und zu wissen wo es lang geht. Das ist vor allem wichtig um Förderern und Geldgebern dein Vorhaben vorzustellen. Der Nutzen liegt allerdings nicht nur im fertigen Plan, sondern vielmehr im Prozess dich strukturiert mit deinem Vorhaben auseinandergesetzt zu haben.

 

Plans are worthless, but planning is everything.

 Dwight D. Eisenhower
 

Ein weiterer Grund für das Scheitern von Start-Ups ist die fehlende (Weiter-)Finanzierung. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten an Geld zu kommen. Neben der klassischen Fremdkapital-Finanzierung und der Spendenabhängigkeit von NGOs gibt es beispielweise für Social Entrepreneurs eine Menge sogenannter Hybridfinanzierungen. Eine weitere Möglichkeit sind Fördergelder und Preisgelder von Wettbewerben. Wenn du dein Alleinstellungsmerkmal und deinen Nutzen für die Gesellschaft klar kommunizieren kannst, kommt auch Crowdfunding für dich in Frage. Eine Crowdfunding Kampagne kann hierbei nicht nur als reines Finanzierungstool genutzt werden, sondern auch als Möglichkeit, deine Idee bekannter zu machen (Marketing).

Spätestens mit der Frage nach der Finanzierung stellt sich auch die Frage nach der passenden Rechtsform. Eine gute Wahl für dein Unternehmen ist oft schwierig, denn sie hängt von vielem ab – auch Dinge die sich erst in der Zukunft ergeben werden. Ein wichtiges Thema können dabei Patente und Schutzrechte sein. Es ist durchaus eine Frage wert, welche Informationen man besser nicht weitergibt, oder sich gar schützen lässt.

Sometimes you win, sometimes you learn

Manchmal hilft das alles nichts und man muss sein Vorhaben aufgeben. Das Thema Scheitern wird manchmal wie ein Tabu gehandelt. Dabei ist Scheitern etwas ganz Normales, wenn nicht sogar Nützliches. Wenn du versuchst etwas Neues zu schaffen, kannst du davon ausgehen, dass du Dinge übersiehst und Fehler passieren. Das Entscheidende ist, wie du damit umgehst.

Man spricht auch von der Fehlerkultur. Verzeihst du deinen Mitmenschen, wenn sie Fehler machen? Verzeihst du dir selbst, Fehler gemacht zu haben? Und was kannst du aus Schritten in die falsche Richtung mitnehmen? Wichtig ist, aus Fehlern zu lernen. Wer einen Fehler zweimal begeht, der hat gleich drei Fehler begangen.

TED Talk von Bill Gross: The single biggest reason why startups succeed


Letztendlich gibt es kein klares Erfolgsrezept für ein erfolgreiches Start-Up. Neben persönlichem Geschick spielen viele Umgebungsfaktoren eine Rolle, die man kaum beeinflussen kann. Dennoch schaffen es Gründer immer wieder, Lösungen für Probleme am Markt und in der Gesellschaft zu finden, die Nährboden für eine gelungene Umsetzung und Skalierung bieten. Mit der wohl durchdachten Entwicklung deines Geschäftsmodells und eines lauffähigen Prototypen hast du die besten Voraussetzungen einer von ihnen zu werden!

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