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Gründerteams: Gemeinsam stark

Wer ein erfolgreiches Startup gründen möchte, sollte sich Unterstützer suchen. Doch wie findet man die richtigen Mitgründer?

PersonNetzwerkCo-working

  • Was ein gutes Gründerteam ausmacht
  • Wie groß das ideale Gründerteam ist
  • Wo du Mitgründer für dein Startup findest

Lieber zusammen oder alleine?

Wer sich dazu entscheidet, ein Startup zu gründen, steht unweigerlich vor der Frage: Bleibe ich allein oder suche ich Mitgründer? Beides hat Vor- und Nachteile: Wer alleine gründet, ist souveräner und flexibler. Entscheidungen muss man nicht lange diskutieren, sondern kann sie sofort umsetzen. Außerdem muss man dann keine Angst haben, dass ein Teammitglied die eigene Idee kopiert und dann alleine umsetzt.

Dafür trägt ein Einzelgründer auch die alleinige Verantwortung. Einzelentscheidungen sind mit einem höheren Risiko verbunden – das Team als Kontrollinstanz fehlt, läuft etwas schief, trägt man auch die Kosten alleine. Die eigenen Schwächen können nicht durch andere Mitgründer kompensiert werden. Fällt man als Einzelgründer über einen längeren Zeitraum hinweg aus, etwa durch eine Krankheit, ist das ganze Startup in Gefahr.

Hat man hingegen vertrauenswürdige Mitgründer, können die das Startup im Notfall über einen längeren Zeitraum alleine führen. Und auch im Alltag profitieren die Co-Gründer voneinander. Ist das Team interdisziplinär zusammengesetzt, profitiert man vom Wissen und Know-How der anderen. Jeder Mitgründer bringt seine eigenen Erfahrungen und Kompetenzen ins Startup ein. Verschiedene Stärken können so kombiniert, Schwächen und Risiken kompensiert werden. Außerdem haben Gründerteams ein höheres Startkapital und können auf ein größeres Netzwerk zurückgreifen als Einzelgründer. So ist es einfacher, potenzielle Kunden und Investoren anzusprechen.

Seine Heterogenität ist also die entscheidende Stärke eines guten Teams. Ist eine Gründergruppe aber schlecht zusammengesetzt, kann das zu einem großen Problem werden: Teams sind nicht so flexibel wie Einzelgründer, der Entscheidungsprozess läuft deshalb oft langsamer, auf neue Entwicklungen kann ein Team nicht so spontan reagieren. Alle Co-Gründer müssen sich also sehr gut verstehen, um zu verhindern, dass sich eine negative Gruppendynamik entwickelt. Konflikte können etwa entstehen, wenn es (unsichtbare) Hierarchien im Team gibt, einer viel mehr arbeitet als die anderen, die Mitglieder unterschiedlich viel Kapital eingesetzt haben oder sie sich nicht einig sind, was sie mit dem Startup erreichen wollen.

Kurz gefasst

Das spricht für die Teamgründung:

  • Mehr Gründungskapital, Verteilung des finanziellen Risikos
  • Eine umfassendere Wissensbasis & Ausgleich von Schwächen
  • Größeres Netzwerk mit potenziellen Kunden und Investoren
  • bessere gegenseitige sozio-emotionale Unterstützung
  • Erfolg oder Scheitern des gesamten Startups ist nicht nur von einer Person abhängig

Das spricht gegen die Teamgründung:

  • Größerer Abstimmungsaufwand, langsamere Entscheidungsprozesse
  • Höheres Konfliktpotenzial (Risikofaktoren: Gründer passen nicht zueinander, unterschiedlicher Kapitaleinsatz, unausgeglichener Arbeitseinsatz, unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Unternehmens, persönliche Konflikte, Hierarchien)

 

Wer zusammen mit anderen ein Startup aufbauen will, braucht also ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Mitstreiter. Also doch lieber auf unnötiges Risiko verzichten und gleich alleine gründen?  Glaubt man wissenschaftlichen Studien, scheinen Teams doch eher ein Segen als ein Fluch zu sein. Der Anteil der erfolgreichen Teamgründungen ist laut verschiedener Untersuchungen etwa doppelt so hoch wie der Anteil der erfolgreichen Einzelgründungen. Besonders in relativ kleinen Gründerteams  scheinen die Vorteile klar zu überwiegen.

Wie groß sollte ein Gründerteam sein?

Relativ klein heißt in Deutschland im Schnitt zwei Gründerpersonen pro Team, in den USA sind die Teams mit durchschnittlich drei Mitgliedern allerdings deutlich größer. Wie groß das Team sein sollte, lässt sich nicht generell sagen, denn jedes Startup hat spezielle Anforderungen. Studien haben gezeigt, dass größere Teams tendenziell erfolgreicher sind, werden sie jedoch zu groß, kann das negative Auswirkungen haben, weil etwa die Entscheidungsfindung verlangsamt wird. Ein ungefährer Richtwert liegt bei drei bis vier Personen.  Auch potenzielle Investoren achten darauf, ob ein Gründerteam gut zusammengesetzt ist – die Chance ist höher, dass sie in solche Startups investieren.

Wer muss ins Team?

Noch wichtiger als die Größe des Teams ist jedoch, welche Eigenschaften die Co-Gründer haben.

Der Kreativdirektor der Innovationsfirma AKQA, Rei Inamoto, hat die Idealbesetzung eines Gründerteams auf eine kurze Formel gebracht:

 

“To run an efficient team, you only need three people: a Hipster, a Hacker, and a Hustler.”

Rei Inamoto
 

Der Hipster ist der kreative Kopf des Teams. Er findet: Eine innovative Idee ist nicht nur neu und einzigartig, sie muss dabei auch noch cool aussehen. Deshalb sorgt der Hipster dafür, dass das neue Produkt in einem möglichst guten Licht erscheint. So überzeugt er potenzielle Geldgeber, in das Startup zu investieren und zeigt Kunden, warum sie das neue Produkt unbedingt haben müssen.

Der Hacker ist der stillste der drei Co-Gründer. Er ist der Nerd im Team, kennt sich mit dem Produkt am besten aus und versucht es immer weiter zu verbessern. Wenn es um die technischen Details bei der Produktentwicklung geht, weiß er fast immer eine Antwort. Und falls nicht sucht er fieberhaft nach einer Lösung. Dabei schießt er manchmal über das Ziel hinaus und verstrickt sich in Kleinigkeiten.

In solchen Fällen greift der Hustler ein und holt ihn wieder auf den Boden der Tatsachen. Er ist der strukturierteste der drei Mitgründer und sorgt dafür, dass das Produkt nicht nur funktioniert und gut aussieht, sondern auch die richtige Zielgruppe anspricht. Sind die Ideen des Hipsters zu avantgardistisch oder ist der Hacker mit Nebensächlichkeiten beschäftigt, muss er die beiden einbremsen, auch wenn das zu Konflikten führt. Der Hustler bewahrt dabei einen kühlen Kopf und hat immer die Finanzen im Blick. Dabei ist er sich auch nicht zu schade, auch mal langweilige Jobs zu übernehmen.

Hipster, Hacker und Hustler – diese drei Charaktere gehören besonders in das ideale Gründerteam eines Hochtechnologie-Startups. Doch auch wenn es nicht darum geht, eine neue App zu programmieren, braucht ein gutes Team einen Verkäufer, einen Spezialisten und einen Strategen. Jeder Mitgründer sollte dabei möglichst viel Vorwissen in seinem Fachgebiet mitbringen, wer zuvor sogar in einem anderen Startup gearbeitet hat, kann meist auf den wertvollsten Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Kurz gefasst

Das ideale Gründerteam besteht aus Leuten:

  • mit Startup-Erfahrung im selben Industriezweig
  • die dieselbe Vision und Leidenschaft teilen
  • mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die im Startup gebraucht werden
  • die gut zusammenarbeiten können
Quellen
  • Fueglistaller, U. u.a (2013). Entrepreneurship. Modelle – Umsetzung – Perspektiven, Springer Gabler.
  • Lueg, Frederike (2014). Managementgenese junger Technologieunternehmen. Eul Verlag.
  • http://www.forbes.com/sites/andyellwood/2012/08/22/the-dream-team-hipster-hacker-and-hustler
 

 

Bei der Suche nach Mitgründern sollte man in seinem direkten Umfeld beginnen. Das können persönliche Bekannte sein, aber auch Kommilitonen oder Arbeitskollegen. Wichtig ist, dass alle ähnliche Werte und Visionen teilen und sich mit ihren individuellen Fähigkeiten ergänzen. Enge Freunde hingegen sollten sich ganz genau überlegen, ob sie gemeinsam gründen möchten. Wer ein Startup aufbaut, muss sich auf Konflikte mit seinen Co-Gründern einstellen und die können Freundschaften stark belasten.

Wer in seinem direkten Umfeld keine Mitgründer findet, kann externe Netzwerke nutzen. Viele Universitäten bieten Gründungsworkshops und -seminare an. Dort findet man schnell Gleichgesinnte, die als Teammitglieder in Frage kommen. Das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) an der Hochschule München zum Beispiel veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Startup Speed Datings. Auch in anderen Städten gibt es ähnliche Veranstaltungen.

Außerdem kann man sich einem seiner Dozenten anvertrauen. Der kann den Kontakt zu Kommilitonen herstellen, die auch Interesse an der Gründung eines Startups haben. Steht man schon im Arbeitsleben, kann man sein berufliches Netzwerk nutzen.

Auch Gründermessen bieten eine Gelegenheit, mit potenziellen Co-Gründern in Kontakt zu treten. Dort erhält man außerdem wichtige Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten und kann sich von erfolgreichen Startups inspirieren lassen. Auf der Website der Startothek und der Website fuer-gruender.de gibt es Terminkalender mit den wichtigsten Gründermessen in Deutschland.

Wer herausfinden möchte, ob sein Gründerteam gut zusammengesetzt ist und ein Startup im Technikbereich aufbauen möchte, kann sich für das EXIST-Gründerstipendium des Bundes bewerben. Teil des Stipendiums ist ein eintägiges Gründerteam-Seminar, dort werden die Funktionsfähigkeit des Teams und die Stärken und Schwächen jedes Mitglieds analysiert. 

Quellen
  • https://www.fuer-gruender.de/
  • http://www.startothek.de/
 

 

Talents4Good ist eine Personalberatung im Social-Entrepreneurship-Bereich. Das 2012 gegründete Startup vermittelt junge Talente, die nach einem Job mit gesellschaftlicher Verantwortung suchen, an passende Unternehmen. Das Zusammenstellen erfolgreicher Teams ist das Geschäftsmodell von Talents4Good und auch das Gründerteam der jungen Personalvermittlungsagentur ist komplementär zusammengesetzt: Die drei Gründer kommen aus verschiedenen Branchen, jeder von ihnen bringt seine individuellen Stärken in das Startup mit ein.

Marco Janezic ist der erfahrenste im Team. Nach einem Studium der Physik und der Philosophie sammelte mehr als 15 Jahre Management-Erfahrung und war bereits an mehreren Startup-Gründungen beteiligt. Mittlerweile hat er sich bei Talents4Good aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und sitzt im Beirat des Unternehmens.

Anna Roth-Bunting studierte nach ihrem Bachelorabschluss in Philosophie, Politik und Wirtschaft im Master Development Studies und sammelte danach Berufserfahrung in Unternehmensberatungen und im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Bei Talents4Good ist sie seit Januar 2013 Geschäftsführerin und ist dort außerdem schwerpunktmäßig im Bereich Recruiting aktiv.

Carola von Peinen ist die dritte Mitgründerin. Sie studierte BWL und arbeitete danach neun Jahre lang in der Personaldienstleitung. Bei Talents4Good führt sie zusammen mit Anna Roth-Bunting die Geschäfte und ist hauptsächlich für Strategie, Vertrieb und Kundenbetreuung zuständig. 

Quellen
  • http://www.talents4good.org/
 

 

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