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Schule macht sich!

Beim Hans Sauer Preis 2017 sind Konzepte zur partizipativen Schulentwicklung gefragt

Markus Hensel Marco Kellhammer

BildungInnovationSchwerpunktSchule

Schule macht sich..., aber wer macht eigentlich Schule?

Schule in Deutschland folgt einer starren Hierarchie: Ganz unten stehen die Schüler, die Lehrer irgendwo in der Mitte, darüber die Schulleiter und ganz oben das Kultusministerium. Dort, weit weg vom Schulalltag mit all seinen Herausforderungen und Problemen, entsteht der Lehrplan. Schwarz auf Weiß wird darin festgelegt, was diejenigen zu lernen haben, die ganz unten in der Hierarchie stehen.

Partizipative Schulentwicklung bedeutet, die Verhältnisse umzukehren: Anstatt Menschen über das Schulleben bestimmen zu lassen, denen ein wirklich tiefer Einblick fehlt, werden Schüler, Eltern, Lehrer, Studierende und Experten gemeinsam zu Gestaltern.

Schule gemeinsam gestalten: Der Hans Sauer Preis 2017

Schule gemeinsam gestalten – um diesen Anspruch in die Tat umzusetzen, fördert die Hans Sauer Stiftung Konzepte zur partizipativen Schulentwicklung. Deshalb steht der Hans Sauer Preis 2017 unter dem Motto „Schule macht sich…“.  Gesucht werden innovative Ideen, die ein gemeinschaftliches, interaktives Lernen und Zusammenleben an Schulen fördern.

Mitmachen kann jeder, der eine gute Idee hat und diese zu einem funktionierenden Konzept weiterentwickeln möchte. Das können Gruppen von Schülern und Lehrern, Teams von Studierenden verschiedener Fachrichtungen oder Initiativen im Kontext Schule sein. Konzeptentwürfe können bis zum 31.10.2016 hier eingereicht werden.

Education Innovation LAB – Innovationen leben

Wie partizipative Schulentwicklung aussehen kann, zeigen seit zwei Jahren die Gründer des Education Innovation LAB. Das Berliner Innovationslabor ist zusammen mit der Stiftung Deutsches Design Museum Projektpartner der Hans Sauer Stiftung. Dort entwickelt ein sechsköpfiges interdisziplinäres Team gemeinsam mit Lehrern, Schülern sowie Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft neuartige Lernkonzepte für den Unterrichtsalltag. Statt etwa im Physik- oder Matheunterricht  nur langweilige Formeln zu pauken, tüfteln Schüler gemeinsam an der Programmierung eines Roboters oder designen auf dem Computer Produkte, die sie dann mit dem 3D-Drucker herstellen.

Außerdem lernen sie, in globalen Zusammenhängen zu denken: Lehrer entwickeln dafür spezielle Lernmaterialen, die ihre Schüler testen. So sollen ihnen die Global Goals der Vereinten Nationen nähergebracht werden. In diesen 17 Nachhaltigkeitszielen haben sich die Mitglieder der UN geeinigt, gemeinsam Armut und Hunger zu bekämpfen, sich für Geschlechtergleichheit einzusetzen und die Welt zu einem friedlicheren und gerechteren Ort zu machen. Der Schlüssel zum Erreichen dieser Ziele ist Bildung – denn nur wenn alle Menschen auf der Welt sich gemeinsam dafür einsetzen, kann die Vision einer gerechteren Welt wahr werden. Deshalb ermutigt das Education Innovation LAB Schüler, „Zukunftsgestalter“ zu werden, anzupacken und ihren persönlichen Beitrag zur Umsetzung der Global Goals zu leisten.

Das LAB ist in drei Tätigkeitsfelder gegliedert: Studio, Think Tank und Academy. Im Studio werden ganz praktisch neue Lernformate entwickelt und gleich ausprobiert. Noch einen Schritt davor setzt der Think Tank an: Dort geht es darum, neue innovative Ansätze für die Schulentwicklung zu konzipieren. Dazu bringen die Gründer des LAB Pioniere und Experten aus ganz verschiedenen Fachbereichen zusammen, die dann im gemeinsamen Austausch neue Ideen entwickeln. In der Academy geht es darum, die Visionen und Konzepte, die im LAB entwickelt werden, in die Tat umzusetzen. Dazu gibt es langfristige und ganzheitlich angelegte Coachings für Lehrer. Das LAB verfolgt dabei einen systemischen Ansatz: Statt nur im Kleinen Fortbildungen durchzuführen, möchten die Gründer eine gesamtgesellschaftliche Veränderung anstoßen und dabei das gesamte Bildungswesen transformieren.

Sie verfolgen dabei die Vision einer Schule, die nicht nur starres Wissen weitergibt, sondern es den Schülern ermöglicht, ihre eigenen Potenziale zu entfalten. Denn Schule braucht Freiräume, in denen die Schüler sich selbst und ihr eigenes schöpferisches Potenzial kennenlernen können, indem sie sich echten Herausforderungen stellen. Denn um Empathie entwickeln zu können, müssen sie in andere Lebenswelten eintauchen und andere Perspektiven kennenlernen.

Partizipative Schulentwicklung – das funktioniert nur, wenn neue Ideen und Konzepte gleich ausprobiert werden können. Deshalb ist das Büro des Education Innovation LAB nicht in irgendeinem hippen Berliner Loft, sondern direkt in der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Dort herrscht das richtige Klima, um innovative Lernmethoden auszuprobieren, denn die Evangelische Schule, die von Margret Rasfeld geleitet wird, gilt als eine der innovativsten Schulen im deutschsprachigen Raum.

Gemeinsam starre Hierarchien aufbrechen

Partizipative Schulentwicklung – das funktioniert aber nicht nur an einer Berliner Modellschule. Innovationen können in jeder Schule, in jeder Stadt und in jedem Dorf entstehen.

Deshalb seid jetzt ihr gefragt: Wenn ihr findet, dass es in Sachen Schulbildung noch offene Potenziale gibt und ihr Ideen habt, wie man sie nutzen kann, dann bewerbt euch jetzt für Hans Sauer Preis 2017! Um mitzumachen, braucht ihr erstmal nicht mehr als einen Entwurf, den ihr in Form eines kurzen Konzeptpapiers oder Videos einreichen könnt. Von allen Einsendungen werden 20 Teams ausgewählt, die Coachings und Feedback von verschiedenen Experten bekommen. Die besten zehn werden Anfang März zu einem mehrtägigen Workshop eingeladen, dem Gewinnerteam winkt ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.  Außerdem bekommen alle finalen Projekte ein Unterstützungspaket zur weiteren Umsetzung.

Ziel des Wettbewerbs ist es, möglichst viele Konzepte tatsächlich umzusetzen, gemeinsam starre Hierarchien im Bildungssystem aufzubrechen und so Raum für innovative Schulentwicklung zu schaffen.

 

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