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Die Ideenphase

Eine gute Idee ist Ausgangslage für jede Unternehmung. In der Ideenphase wird die gesellschaftlich, ökologisch und wirtschaftlich tragfähigste Idee ausgewählt.

Einführung

Am Anfang steht die Idee.

Zumindest meistens. Oder ein Abend, an dem man mit guten Freunden darauf anstößt, endlich gemeinsam etwas zu starten. Manchmal steht am Anfang auch der Entschluss oder Traum sein eigener Chef zu sein. Oder Frust, wenn nicht sogar Wut über inakzeptable gesellschaftliche Zustände. So vielfältig die Motivationen zum Gründen sind, so bunt sind natürlich auch die Personen und ihre Geschichten. Es gibt nicht den einen Weg zum Erfolg: Als Start-Up betritt man inhaltlich wie wirtschaftlich Neuland, das man selbst gestalten kann und in dem neue Wege erschlossen werden müssen. Der Grundstein dafür wird in der Ideenphase gelegt, in der noch vieles offen ist. Dieser Artikel beschreibt diese erste Phase und gibt einen Überblick, was jeder für sich persönlich aus den der Ideenphase zugeordneten Artikeln mitnehmen kann. Die Artikel vermitteln Wissen, Know-How und Beispiele aus der Praxis. So bleibt eine Idee kein bloßer Traum, sondern wird eine erfolgsversprechende Ausgangslage für ein sinnvolles und nachhaltiges Unternehmen.

5 Zutaten der Ideenphase

Es gibt zwar kein vorgefertigtes Rezept, wie die Ideenphase idealerweise ablaufen soll, dafür aber fünf Zutaten, die in der Ideenphase auf jeden Fall benötigt werden. Dazu gehört: 

  1. eine Idee zu haben (oder neue Ideen zu generieren),
  2. ein Problem als Chance zu erkennen,
  3. ein Gründer beziehungsweise ein Gründerteam,
  4. das Umfeld und potentielle Auswirkungen zu analysieren,
  5. vorhandene Ressourcen (wie Geld, Fähigkeiten, Netzwerk, Infrastruktur ...) zu nutzen.

Ziel der Ideenphase

Ziel der Ideenphase ist es, durch Analyse des Umfelds und der grundlegenden Problemstellung entweder die bereits bestehende Idee auszuarbeiten und zu verbessern oder neue Ideen zu generieren. Die Ideenphase dient also dazu, Feedback aus dem Umfeld einzuholen, sowie verschiedene Ideen auszuprobieren, um dann aus den verschiedenen potentiellen Lösungswegen den gesellschaftlich, ökologisch und wirtschaftlich tragfähigsten auszuwählen. Im Anschluss wird dieser soweit konkretisiert, dass man die Produkt- oder Dienstleistungsidee mit nur geringem Aufwand beschreiben und die Geschäftsidee auf ihren Mehrwert sowie ihre Chancen und Umsetzbarkeit am Markt überprüfen kann.

Am Ende der Ideenphase solltest du klar und deutlich umreißen können, welches Problem oder welche Herausforderung du mit deiner Idee angehst und wie der konkrete Lösungsansatz und das grobe Geschäftsmodell aussehen. Du solltest genau wissen, was das Alleinstellungsmerkmal deiner Idee ist, welchen Mehrwert du lieferst und welche positiven und negativen Konsequenzen die Idee auf Gesellschaft und Umwelt haben könnte. Am Ende der Ideenphase sollte man außerdem klare Rollen und Arbeitsprozesse im Team und einen Überblick über vorhandene finanzielle, strukturelle oder inhaltliche Ressourcen haben.

Du willst ein Problem angehen, hast aber noch keine konkrete Idee?

Wenn du ein spezifisches Problem angehen willst und eine Chance erkannt hast, versuche die richtige Fragestellung zu formulieren und zu beantworten: Was ist das grundlegende Problem? Was ist die Wurzel der gesellschaftlichen, ökologischen oder wirtschaftlichen Schieflagen, die du zu lösen versuchst? Das klar auf den Punkt zu bringen, hilft nicht nur bei der Entwicklung der Idee, sondern auch bei der Vermarktung und Zielgruppenfindung sowie der Ansprache von Förderern und Investoren.

Wer noch auf der Suche nach der passenden Geschäftsidee ist, kann Inspiration aus gesellschaftlichen, ökologischen sowie technologischen Megatrends ziehen oder ungelöste Probleme in Gesellschaft und Umwelt oder auf Unternehmens- und Kundenseite angehen. Oft geben auch eigene Erfahrungen, Beobachtungen und Gespräche mit Freunden wichtige Impulse. Eine weitere Möglichkeit ist, brachliegenden Patente beim deutschen Patent- und Markenamt zu durchforsten oder  sich von anderen Gründungsstories inspirieren zu lassen, wie zum Beispiel auf relaio people.

Man sollte sich jedoch nichts vormachen: Ideen gibt es wie Sand am Meer. Damit eine Idee wirklich Sinn macht und sich durchsetzt, muss man Kontext sowie Industriestrukturen erkennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dabei hilft es das Umfeld, die Zusammenhänge und verschiedenen Ursachenfaktoren ganzheitlich zu analysieren und sowohl Ausmaß als auch Relevanz des Problems (qualitativ und quantitativ) zu benennen. Zudem ist es notwendig, alle relevanten Stakeholder zu analysieren, die Zielgruppe und Nutzer zu verstehen und vielfältiges Feedback von außen einzuholen. So kann man Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, die tatsächlich benötigt und somit auch gekauft und langfristig genutzt werden. Bei der Analyse sowie Ideengenerierung können Methoden des Design Thinking weiterhelfen.

Reverse Engineering
Der ursprünglich aus dem Maschinenbau und mittlerweile auch viel im Software Engineering verwendete Begriff bezeichnet das Zerlegen eines Produkts oder Systems in dessen Bestandteile, um die Komponenten und Beziehungen zu verstehen, zu kopieren oder zu verbessern.

Vorhandene Ressourcen sowie Inspirationsquellen zu nutzen und über den Tellerrand zu schauen sind weitere Ansatzpunkte in der Ideenphase: Gibt es bereits gute Lösungsansätze für dieses oder ein ähnliches Problem, eventuell auch in anderen Bereichen und Branchen (Cross-Innovationsansatz, Technologietransfer, Analogien)? Was kann man aus der Natur (Bionik) und Geschichte (Technikgeschichte & -soziologie) oder von bereits bestehenden Lösungen (Reverse Engineering) lernen oder gar übernehmen? Entgegen der verbreiteten Annahme ist eine Invention selten das Ergebnis eines plötzlichen genialen Geistesblitzes, sondern vielmehr iterativ, also inspiriert durch vorhergegangene Ideen und Resultat gründlicher Vorarbeit, Beharrlichkeit und Kooperation:

Invention
Sowohl in der Ideen- als auch Entwicklungsphase verwenden wir den Begriff der Invention für neue Ideen, Konzepte, Prototypen oder Geschäftsmodelle vor der Markteinführung. Erst wenn sich eine neue Idee oder Invention auf dem Markt durchgesetzt hat, kann man von einer Innovation sprechen.

 

 

Du musst also das Rad nicht neu erfinden. Es geht vielmehr darum, vorhandene Ressourcen intelligent und kreativ zu neuartigen Lösungen zu vernetzen und miteinander zu kombinieren. Das gilt nicht nur für die Ideengenerierung, sondern auch für alle anderen Bereiche wie Finanzierung, Infrastruktur oder Beratung: Schau dich um, welche Ressourcen bereits in deinem Netzwerk vorhanden sind, nutze diese und erweitere dein Netzwerk. Viele Akteure im Ökosystem Social Entrepreneurship beispielweise bieten sowohl finanzielle als auch inhaltliche Unterstützung für Sozialunternehmer an. Außerdem lohnt es sich persönliche Beratung durch Mentoren oder Experten in Betracht zu ziehen: Inkubatoren oder Hubs, universitäre Gründungszenten, örtliche Industrie- und Handelskammern oder die Bundesagentur für Arbeit sowie Steuer- oder Existenzgründungsberater bieten vielfältige Termine und Workshops für angehende Unternehmer an.

Du hast bereits eine Idee?

Wenn du bereits eine konkrete Idee hast, solltest du dich fragen: Lässt sich die Idee in ein marktfähiges Produkt oder einen nützlichen Service umsetzen? Prüfe die Marktchancen und den Wettbewerb deiner Idee und ob diese wirklich neu und einmalig sind (Markt und Wettbewerb analysieren). Nach der Ideenphase solltest du in der Lage sein, deine Idee und deren Alleinstellungsmerkmale (Unique Selling Proposition, USP) konkret und für jeden verständlich zu erklären. Das lässt sich am besten mit Freunden oder Vertrauten üben, die noch nichts von deinem Vorhaben wissen: Erkläre deine Geschäftsidee und deren Alleinstellungsmerkmal in wenigen Sätzen und frage anschließend, ob dein Konzept voll verstanden wurde.

Pitching
Als Pitch wird die Vorstellung einer Geschäftsidee oder eines Start-Ups in sehr kurzer Zeit bezeichnet. Das Ziel ist dabei Investoren oder anderer Unterstützer, die das Unternehmen weiterbringen können, sowie neue Kunden zu gewinnen. Bis wir diesem Thema einen eigenen Artikel widmen, holt euch ein paar Tipps bei social-startups.de oder entrepreneurship.de 

Konntest du klar machen, welchen Nutzen die Idee erfüllt und welche sozialen, ökologischen, oder technischen Probleme sie löst? Rede so oft und mit so vielen verschiedenen Personen wie möglich über deine Idee! Was du durch das Feedback lernst, wird dir nicht nur bei der Weiterentwicklung deiner Idee, sondern auch beim in der Start-Up-Szene verbreiteten Pitching vor Investoren oder interessiertem Publikum helfen.

(Mit)gründer: Alleine oder im Team?

Eine gute Idee ist nicht alles: Ohne die richtige Person oder das passende Team mit der entsprechenden Motivation ist auch die beste Idee nicht viel Wert. Die unterschiedlichen Phasen und Aufgaben auf dem Weg zum eigenen Unternehmen erfordern unterschiedliche Kompetenzen und Durchhaltevermögen. Hierbei sollte man sich ehrlich die Fragen stellen, in welchem Bereich man fachliche oder unternehmerische Lücken aufweist und wie man diese füllen kann. Selten sind die unterschiedlichen Persönlichkeiten oder benötigten Rollen mit all ihren Stärken und Schwächen in einer einzelnen Person vereint.

Es macht also Sinn, als Team zu gründen. Klar kann man auch alleine gründen, aber wie so oft ist es einfacher und macht mehr Spaß mit ein oder zwei Mitgründern. Diese könnt ihr außerhalb des Freundes- oder Kollegenkreis beispielweise bei Start-Up-Veranstaltungen oder -Messen, in Co-Working-Spaces, unter relaio jobs oder auf speziellen Internetportalen finden.

Wenn ihr als Team schon zusammengefunden habt, sollte in der Ideenphase der Grundstein für eine gute, konstruktive und effektive Zusammenarbeit gelegt werden. Klare Rollenverteilung, den Kompetenzen entsprechende Verantwortlichkeiten sowie effektive Arbeitsprozesse und Kooperationstools erleichtern den Weg zum gemeinsamen Ziel.

Auch wenn in den Medien gerne das positive Bild der hippen, jungen und erfolgreichen Start-Ups gezeichnet wird, sollte man sich nicht täuschen lassen: Ein Unternehmen zu gründen ist kein Kinderspiel, sondern erfordert Risikobereitschaft, viel Arbeit, Beharrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen. Höchst wahrscheinlich wird man mit seinen Mitgründern mehr Zeit verbringen als mit Freunden und Familie, daher sollte man seine Mitgründer mit Bedacht auswählen. Und vor allem auch ein Thema wählen, für das man brennt und für das man sich - wie Andy Goldstein im folgenden Video beschreibt – mit seinem Wort „verpflichtet“:

Videoreihe von Andy Goldstein
Andy Goldstein ist Gründer mehrerer Unternehmen sowie Geschäftsführer des LMU Entrepreneurship Center in München (LMU EC) und der German Entrepreneurship GmbH. Als Leiter des LMU EC widmet er seine Aufmerksamkeit vor allem der Förderung der Gründerkultur in Deutschland und teilt seine Erfahrungen und Tipps in dieser Videoreihe.

Nachhaltig von Anfang an

Begeisterung für das Thema, intrinsische Motivation und Durchhaltevermögen sind vor allem auch im Bereich der Ecopreneurs und Social Entrepreneurs relevant. Alternative Geschäftsmodelle können dabei helfen, die eigenen an Nachhaltigkeit orientierten Werte nicht über Bord werfen zu müssen, sondern von Anfang an in den Mittelpunkt der eigenen Tätigkeit zu stellen:

 

Vergesst das konventionelle Businessgerede, das sagt, wenn ihr zu viel Herz und Seele in ein Unternehmen steckt, wird es kein Erfolg. Ich möchte dagegenstellen: Wenn ihr das machst, woran ihr glaubt und wenn ihr ein Unternehmen haben wollt, das anders und nachhaltig ist, könnt ihr damit genauso erfolgreich sein wie andere mit irgendeinem anderen Unternehmen.

Jerry Greenfield, Gründer und CEO der Firma Ben & Jerry’s
 

Auch wenn man als Start-Up anfangs vielleicht andere Sorgen hat – sei es Zeit, Geld, usw. – lohnt es sich so früh wie möglich ökologische und soziale Aspekte miteinzubeziehen: Die Hebelwirkung und letztendlich auch der Impact ist umso höher je früher im Prozess die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Ist Nachhaltigkeit bereits im Kern der Unternehmung verankert und nicht erst im Nachhinein als Extra hinzugefügt, besteht wenig Gefahr des Green Washings und gleichzeitig viel Potential für langfristigen Erfolg.

Wenn man eine Idee ganzheitlich angeht und mithilfe der Folgenabschätzung die positiven wie negativen Auswirkungen der Idee auf Gesellschaft und Umwelt berücksichtigt, versteht man, dass Nachhaltigkeit kein Zusatz mit Mehraufwand ist, sondern die logische Basis zur erfolgreichen Umsetzung einer Idee. Durch frühzeitige Auseinandersetzung mit der Idee und ihrem Umfeld treten wichtige Anforderungen, Schnittstellen und mögliche Schwächen der Idee ans Licht, die man früh im Prozess noch ohne weitere Konsequenzen beheben kann.

Genauso wie Nachhaltigkeit ist Innovation kein Zustand oder Endprodukt, sondern ein kontinuierlicher und iterativer Prozess. In der Ideenphase ist noch einiges offen und neben der Ideengenerierung dient die Phase auch dem Lernen und Ausprobieren. Bleib neugierig und flexibel genug, deine Dienstleistung, dein Produkt oder Geschäftsmodell kontinuierlich zu verbessern und an die externen Gegebenheiten und Anforderungen (Markt, Zielgruppe, Auswirkungen) anzupassen.

Nach der Ideenphase ...

... schließt sich die Entwicklungsphase an, in der eine Idee Schritt für Schritt auf ihre Realisierbarkeit getestet und eine marktfähige Lösung mit umsetzbarem Geschäftsmodell sowie einer nachhaltigen Strategie entwickelt wird. Das ausgearbeitete Produkt- oder Dienstleistungskonzept wird in der anschließenden Umsetzungsphase auf den Markt gebracht, das Unternehmen gegründet und Fragen der Unternehmensführung und Skalierung kommen auf.

Aber jetzt erst mal viel Spaß mit den Artikeln und legt einfach los: es gab noch keine bessere Zeit zum Gründen! Natürlich können Sachen schief gehen, aber dass sich der Weg zum eigenen Unternehmen lohnt, könnt ihr unter relaio people nachlesen.

Quellen
  • Johnson, S. (2013). Wo gute Ideen herkommen: Eine kurze Geschichte der Innovation. Gebundene Ausgabe.

  • enorm Magazin (2015). Engagierte Unternehmer können die Gesellschaft ändern. Ben & Jerry’s Gründer Jerry Greenfield im Interview über das Zusammenspiel von Konsum und Politik. Online verfügbar [07.07.2015]

 

 

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