Menü

Experience Design Kolumne

Folge 2: Prototypen

Nils Enders-Brenner Daria Stakhovska

DesignKommunikation

Nils Enders-Brenner ist Designer und hat einen Kommunikationshelfer entwickelt, der vor allem hörgeschädigte Menschen in der Kommunikation mit hörenden Personen unterstützen soll. Für relaio schreibt er über seine Erfahrungen, seine Projekte und die Herausforderungen, auf die er bei seiner Arbeit stößt.

In letzter Zeit habe ich mich sehr wenig mit dem Kommunikationshelfer beschäftigt. Das passiert, wenn man einen Vollzeitjob, freiberufliche Arbeiten und zusätzlich noch einige Projekte am Laufen hat. Trotzdem werde ich euch berichten, was ich bis jetzt mit dem Kommunikationshelfer gemacht habe. Außerdem habe ich mit dem Gerät schon einiges erreichen können. 

Der Kommunikationshelfer, oder auch „Kommunikationsstörer“ genannt, ist ein Gerät, das die Kommunikation zwischen den Menschen verbessern soll. Es sendet immer wieder ein Feedback, welches den Menschen an einfache Kommunikationsregeln erinnern soll. Das war ein Masterprojekt an der Technischen Universität München beim Lehrstuhl Industrial Design. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, dann könnt ihr bei der ersten Kolumne einiges darüber lesen.

Seit der ersten Kolumne habe ich den zweiten Prototyp stabiler gemacht, damit ich ihn einer Testgruppe zur Verfügung stellen kann. Die Testgruppe befindet sich an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut. Sie ist bereit, das Gerät für einen längeren Zeitraum zu testen. Sie werden das Gerät überwiegend in Besprechungen und Vorlesungen einsetzen und auf die Funktionalität überprüfen. Es wird ebenfalls beobachtet, welche Auswirkung das Gerät auf die Gesprächsteilnehmer hat. Sie werden den zweiten Prototyp so lange testen, bis ich den dritten genauer und besser ausgearbeitet habe.

Welche Pläne habe ich nun mit dem dritten Prototyp?

Der dritte Prototyp sollte auf jeden Fall dem Benutzer die Möglichkeit geben, die Einstellungen direkt am Gerät vorzunehmen. Damit kann der Benutzer das Gerät so genau wie möglich einstellen, bis es ziemlich perfektioniert ist. Das heißt, das Gerät muss bestimmte Kommunikationsfehlverhalten erkennen, bevor es ein Feedback abgeben darf. Ich versuchte das damals schon im zweiten Störer einzubauen, aber da fehlten mir die Zeit und Erfahrungen. Jetzt werde ich dafür sorgen, dass ich es schaffe.

Gleichzeitig mache ich auch weitere Recherchearbeit. Ich bin gerade dabei herauszufinden, welche Art von Filter für den Störer am bestens geeignet ist, um unerwünschte Geräusche, wie Echos, herauszufiltern. Zudem bin ich auf der Suche nach einem feineren Mikrofon und auch nach einem geeigneten Programmierer, der sich in Kleinelektronik auskennt und C-Dialekt beherrscht. Natürlich könnte ich auch selbst programmieren, aber das dauert bei mir zu lange. Der Code muss allgemein genauer, effektiver und effizienter sein, wenn das Gerät auf dem Markt kommen soll. Solltet ihr Leser jemanden kennen, der sich mit sowas auskennt, meldet euch bei mir! Ich würde mich sehr freuen!

Ich habe mir inzwischen gebrauchte gute Lötkolben gekauft, da ich keinen Zugang zu den Werkstätten mehr habe, die ich damals als Student der TU München immer und gerne besucht habe. Jetzt löte ich ab und zu mal abends, wenn ich von der Arbeit heimkomme, an dem Mikrokontroller und seinen Bauelementen in der Wohnung. Während meiner Arbeiten habe ich es sogar höchstwahrscheinlich geschafft, den Mikrokontroller kaputt zu machen. Ich bezeichne es nicht als ein herber Rückschlag, sondern als einen kleinen Fortschritt, weil ich aus Fehlern lerne.

Erinnert ihr euch noch, dass ich in der vorigen Kolumne geschrieben habe, dass ich immer noch keinen Namen für den Störer gefunden habe, welches aber noch Zeit bis zur endgültigen Marktreife hat? Ende Mai ist mir ein Geistesblitz gekommen, und habe den Namen gefunden. Doch das werde ich euch noch nicht verraten, da ich noch nicht 100-prozentig sicher bin, ob es überhaupt klappt! Den Namen werdet ihr erst in der nächsten oder übernächsten Kolumne erfahren.

Die Zertifikatübergabe.     Fotocredit: Daria Stakhovska für Universal Design Institut

Dafür werde ich euch jetzt eine gute Nachricht überbringen. In der vorigen Kolumne habe ich ebenfalls erwähnt, dass der Störer einen Auftritt bei der Munich Creative Business Week, MCBW 2018 im Oskar-von-Miller-Forum hatte. Dort war gleichzeitig auch ein Wettbewerb von Universal Design, wo ich auch das Gerät vor der Jury und den Besuchern präsentiert beziehungsweise vorgestellt habe. Anfang Mai bekam ich eine E-Mail von dem Universal Design Institut, dass ich mit meiner Einreichung erfolgreich war. Einige Wochen später hat T. Bade, der Geschäftsführer des Universal Design Instituts, mir ein Zertifikat im Lehrstuhl Industrial Design überreicht. Ich war sehr begeistert von dem Zertifikat, das zwei Siegel von Universal Design Winner Consumer 2018 und Expert 2018 trägt. Es ist das erste Mal, dass eins meiner Designprodukte eine Auszeichnung erhielt. Zwar bin ich nicht der Gold Winner, aber das ist nur der Anfang meiner Designkarriere. Mit der Auszeichnung habe ich bewiesen, dass ich es geschafft habe Design, für alle zu kreieren, da der Kommunikationshelfer bei jeder Diskussion der versteckte Mittelpunkt ist und den Menschen hilft.

Jetzt, liebe Leser, endet die schriftliche Kommunikation langsam. Hoffentlich hat euch die Kolumne gefallen! Zudem möchte ich mich herzlich bei allen Mitwirkenden für die Unterstützung meiner Masterarbeit und der Realisierung des Gerätes bedanken! Falls ihr irgendwelche Anregungen habt oder an einer Zusammenarbeit interessiert seid, könnt ihr mich sehr gerne anschreiben!

Dossier als PDF speichern

Dossier teilen