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Via Ökobilanz zur Win-Win-Situation

Wie junge Unternehmen durch Schonung der Umwelt und Effizienzsteigerung ihre Gewinne maximieren können.

TransparenzLebenszyklus

Was ist eine Ökobilanz?

Angesichts der ökologischen Herausforderungen unserer Zeit ist es unabdingbar, sich bei der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb eines Produkts oder einer Dienstleistung mit dessen ökologischen Folgen auseinanderzusetzen. Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment) gibt Mittel und Wege vor, wie diese Folgen entlang des Lebenszyklus berücksichtigt und minimiert werden können. Sie ist die gängigste Methode zur ökologischen Produktbewertung und wird in den DIN ISO Normen 14040 bis 14044 geregelt. Durch die Festlegung in einer Norm macht die Ökobilanz die Umweltauswirkungen eines Produktes, die subjektiv als wenig oder stark schädlich eingestuft werden können, objektiv bewert- und vergleichbar.

 

Die Ökobilanz ist eine Methode zur Abschätzung der mit einem Produkt verbundenen Umweltaspekte und produktspezifischen potentiellen Umweltwirkungen…

Deutsches Institut für Normung (DIN)
 

Eine Ökobilanz besteht aus mehreren Bestandteilen, die in fünf verschiedenen Normen behandelt werden. Trotz dieser Aufteilung ist es jedoch keineswegs sinnvoll die jeweiligen Verfahrensschritte isoliert zu betrachten. Vielmehr sollte immer das große Ganze im Vordergrund stehen, vor allem da die Ökobilanzierung stets ein iterativer, dynamischer Prozess ist. 

Wie sieht eine Ökobilanz aus?

Rahmen einer Ökobilanz Quelle: TU-Darmstadt.de

Die Abbildung zeigt die vier verschiedenen Phasen einer Ökobilanz: Am Anfang steht die Festlegung des Ziels und des Untersuchungsrahmens. In der Sachbilanz werden Daten gewonnen, die in der Wirkungsabschätzung schließlich klassifiziert und charakterisiert werden. Das heißt, dass die Daten gemäß ihrer Umweltauswirkungen sortiert und ihr Einfluss auf das gesamt Ergebnis berechnet wird. Am Ende einer jeden Ökobilanz steht dann die Auswertung, dem ein abschließender Bericht beigefügt ist und in der Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Konkrete Handlungsentscheidungen sowie die strategische Umsetzung liegen jedoch nicht im Rahmen einer Ökobilanz, sie dient lediglich als Datensammlung und Entscheidungshilfe. Die Pfeile zwischen den einzelnen Phasen verdeutlichen, dass sich die Phasen gegenseitig beeinflussen. Beispielsweise würde ein verändertes Auswertungsschema sofort zu Änderungen in allen anderen Phasen führen. 

Worin liegt für Unternehmer der praktische Nutzen aus einer Ökobilanz?

Die Motivation eine Ökobilanz anzufertigen, kann viele verschiedene Gründe haben. Zum einen kann eine Ökobilanz helfen ökologische Schwachstellen aufzudecken und somit bei der umweltfreundlicheren Gestaltung des Fertigungsprozesses mitwirken. Eine Ökobilanz dient oft auch als Entscheidungshilfe zwischen verschiedenen Produktvarianten oder bei einem politischen Entscheidungsprozess. Die Methode der Ökobilanz kann allerdings auch als Tool eingesetzt werden um den Ruf eines Produktes oder einer ganzen Firma „grüner“ erscheinen zu lassen, so dass sie oft auch Marketingzielen dient

Die Erstellung einer Ökobilanz entsteht daher meist nicht aus purem Umweltidealismus, sondern hat oftmals sehr handfeste, betriebswirtschaftliche Gründe.  

Was muss in einer Ökobilanz alles betrachtet werden?

Der zentrale Gedanke bei der Erstellung einer Ökobilanz ist die Analyse von der Wiege bis zur Bahre (Cradle to Grave). Es werden also alle Umwelteinflüsse auf dem gesamten Lebensweg eines Produktes betrachtet. Diese reichen von der Gewinnung der Rohstoffe über Transporte, Energieverbrauch und Emissionsausstoß bis hin zur Abfallbeseitigung. Beispiele sind der Verbrauch von Treibstoffen beim Transport oder dadurch entstehende Schadstoffemissionen. Dabei werden nicht nur die Umweltwirkungen, die das eigentliche Produkt hervorruft betrachtet, sondern auch solche die sich aus der Herstellung oder der Benutzung von Vorprodukten, Hilfs- und Betriebsstoffen ergeben. Es zeigt sich also, dass bei der Ökobilanzierung ein ganzheitlicher Ansatz angewandt wird. Es bedarf höchster Genauigkeit und Sorgfalt um tatsächlich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.  

Ökobilanzierung versus Greenwashing

Dadurch dass die betrachteten Kategorien frei gewählt werden können, kann schnell ein verzerrtes Bild entstehen. Es ist durchaus denkbar, dass Kategorien, die sehr negativ ins Gewicht fallen würden, nicht in der endgültigen Ökobilanz betrachtet werden um diese zu schönen. Allerdings schmälert das Weglassen von Kategorien deutlich die Aussagekraft einer Ökobilanz und stellt dadurch ihre Erstellung wieder in Frage. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass oftmals versucht wird sich durch eine positive Ökobilanz "grün zu waschen".

Bei einer vollständigen Betrachtung aller Kategorien, die über den gesamten Lebensweg eines Produktes Einfluss auf dieses haben, ist jedoch gewährleistet, dass ein aussagekräftiges und validierbares Ergebnis herauskommt.  

Quellen
  • Schubert, J. (2006). Aussagefähigkeiten von Ökobilanzen. Shaker Verlag: Aachen.
  • Klöpffer, W. & Grahl, B. (2009). Ökobilanz (LCA): Ein Leitfaden für Ausbildung und Beruf. Wiley-VCH Verlag: Weinheim.
  • Eigner, M. & Stelzer, R. (2009). Product Lifecycle Management. Springer Verlag: Heidelberg.
  • Guinée, J. (2002). Handbook of life cycle assessment: Operational guide to the ISO standards. Kluwer Academic Publishers: Dordrecht.
 

 

Grundlegende Prinzipien

Eine Ökobilanz unterliegt zwei grundlegenden Prinzipien. Zum einen dem oben bereits erwähnten Denken in einem Lebenszyklus Modell von der Wiege bis zur Bahre. Zum anderen dem System der funktionellen Einheit. Dieses stellt eine Art Bezugsbasis dar, auf die alle Inputs und Outputs normiert werden. Somit wird der Einfluss der verschiedenen Umweltwirkungen quantifizierbar und vergleichbar. Es können dadurch Systeme, die den gleichen Nutzen erfüllen, verglichen werden und nicht mehr nur gleichartige Produkte. Auch Dienstleistungen oder ganze Produktionsabläufe können nebeneinander gestellt werden. Das Prinzip der funktionellen Einheit lässt sich am Transport von zehn Liter Flüssigkeit veranschaulichen: Egal ob man nun zehn 1L Glasmehrwegflaschen, zwei 5L Plastikkanister oder zwanzig 0,5L Pappkartons benutzt - der Nutzen, nämlich der sichere Transport des Inhaltes, wird erfüllt. Obwohl man hier vollkommen verschiedene Materialien in unterschiedlichen Mengen verwendet, ist es dank dem Prinzip der funktionellen Einheit kein Problem diese miteinander zu vergleichen. Es werden alle Güter oder Leistungen auf eine bestimmte Funktion normiert. Ein reiner Vergleich der Herstellung einer Glasflasche mit der eines Pappkartons würde keine aussagekräftige Ökobilanz ergeben, da es zwei Pappkartons bedarf um die gewünschte Funktion zu erfüllen. Ein simpler Vergleich der reinen Gegenstände würde somit die Einschätzung zum Nachteil der Glasflasche verzerren.    

Erstellung und Durchführung einer Ökobilanz

Eine Ökobilanz besteht wie bereits erwähnt aus vier Phasen, die eng miteinander verknüpft sind. Jede Phase wird nacheinander durchlaufen und in einem iterativen Prozess solange verbessert, bis ein befriedigendes Ergebnis vorliegt. 

Die erste Phase ist die der Festlegung des Ziels und des Untersuchungsrahmens. In dieser Phase werden das Ziel und die beabsichtigte Anwendung bestimmt. An dieser Stelle wird auch begründet, warum eine Ökobilanz erstellt wird und wie die Ergebnisse verwendet werden sollen. Außerdem müssen in dieser Phase die Systemgrenzen gesetzt werden, die sich aber im Laufe des weiteren Vorgehens meistens noch verschieben können. 

 

Ziel und Untersuchungsrahmen einer Ökobilanz müssen eindeutig festgelegt und auf die beabsichtigte Anwendung abgestimmt sein. Aufgrund der iterativen Eigenschaften der Ökobilanz ist der Untersuchungsrahmen während der Studie möglicherweise zu konkretisieren.

Deutsches Institut für Normung (DIN)
 

In Phase eins werden zusätzlich die sogenannten Abschneidekriterien festgelegt, die darüber entscheiden ob ein Input oder ein Output berücksichtigt wird oder nicht. Die häufigsten Kriterien sind dabei:

  • Masse
  • Energie
  • Umweltrelevanz

Die zweite Phase einer Ökobilanz ist die Sachbilanz. In diesem Abschnitt werden die relevanten Daten gesammelt und berechnet. Wichtig ist dabei eine hohe Datenqualität. Die Herkunft aller gewonnenen Daten muss eindeutig nachvollziehbar und gesichert sein.

 

Bestandteil der Ökobilanz, der die Zusammenstellung und Quantifizierung von Inputs und Outputs eines gegebenen Produktes im Verlauf seines Lebensweges umfasst

Deutsches Institut für Normung (DIN)
 

Am Ende der Sachbilanz steht eine Art Datensammlung, die als Grundlage für das weitere Vorgehen dient. Oft werden zusätzlich zu unternehmensinternen auch externe Daten hinzugezogen. Zum Beispiel bietet das Umweltbundesamt eine Vielzahl von Daten an, die für die eigene Ökobilanz genutzt werden können.

Energieverbrauch

In der Sachbilanz werden viele Daten zum Energieverbrauch gesammelt, die jedoch noch nicht geordnet und vergleichbar sind. In der Wirkungsabschätzung werden diese Daten „aufbereitet“. Alles, was Anteil am Energieverbrauch hat, wie zum Beispiel Heizkosten, Kraftstoffe oder Strom, wird zusammengestellt und quantifiziert. So entsteht letztlich eine Größe für den Energieverbrauch, mit deren Hilfe später der Einfluss auf die Umwelt eruieret werden kann.

In der dritten Phase, der Wirkungsabschätzung, werden die potentiellen Umweltwirkungen auf Grundlage der in der Sachbilanz gewonnenen Daten ermittelt. Zunächst werden hier geeignete Wirkungskategorien gewählt. Unter einer Wirkungskategorie versteht man die Zusammenfassung aller Einflüsse, die dieselbe Wirkung auf die Umwelt haben. Aufgabe der Wirkungsabschätzung ist es, die potenziellen Umweltauswirkungen des untersuchten Systems zu erkennen, zusammenzufassen und zu quantifizieren. Mögliche Wirkungskategorien sind beispielsweise: Versauerung, Ozonabbau, Treibhauspotenzial, Flächenverbrauch, Energieverbrauch

Diese Zusammenfassung nennt man Klassifizierung. Um eine Vergleichbarkeit aller Einflüsse herzustellen, wird jede Wirkungskategorie durch einen Wirkungsindikator quantitativ beschrieben und letztlich alles auf einen Äquivalenzstoff umgerechnet. 

Äquivalenzstoff
Äquivalenzstoff für die Wirkungskategorie Treibhauspotenzial ist das CO2. Alle anderen Stoffe, die Anteil am Treibhauspotenzial haben, werden durch einen bestimmten Faktor in sogenannte CO2-Äquivalente umgerechnet. Somit lässt sich letztlich das Gesamttreibhauspotenzial bestimmen und der Anteil eines jeden Stoffes an diesem herausstellen.

Die vierte Phase ist die Auswertung. Hier werden die gewonnenen Ergebnisse zusammengefasst und in einem Bericht aufbereitet. In der Auswertung stehen oftmals auch Handlungsempfehlungen oder Schlussfolgerungen. Am Ende der Auswertung steht die kritische Prüfung durch Dritte, wie beispielsweise eines unabhängigen Prüfers, der feststellen soll ob nach Vorgaben der Normen 14040ff gearbeitet wurde. Nur wenn die kritische Prüfung bestanden wird darf die Bezeichnung Ökobilanz verwendet werden. 

Wer kann eine Ökobilanz erstellen?

Grundsätzlich gibt es keine expliziten Vorschriften wer eine Ökobilanz erstellen darf. Allerdings ist Erfahrung und ein gewisses technisches Know How unabdinglich. Ein routinierter Experte kann sich beim dynamischen Entstehungsprozess einer Ökobilanz viel Zeit sparen, da er durch Vorwissen und Erfahrung weniger Iterationsschritte benötigt als ein Anfänger. Große Unternehmen haben häufig einen eigenen Umweltbeauftragten oder gar eine eigene Abteilung, die sich um solche Themen kümmern.

Für kleine oder mittelständische Unternehmen ist dies meist nicht wirtschaftlich. Es gibt eine ganze Menge an Institutionen, welche die Erstellung einer Ökobilanz professionell und unabhängig durchführen. Außerdem gibt es eine Menge hilfreicher Softwares und Tools.

Da die Erstellung einer Ökobilanz sehr zeitaufwendig ist, macht es meist mehr Sinn diese extern erstellen zu lassen anstatt die eigenen Personalressourcen längerfristig damit zu blockieren.

Eine Zwischenlösung stellt die Aufteilung in zwei Verfahrensschritte dar. Im ersten Schritt erstellt das Unternehmen selbst eine Übersichtsökobilanz mit groben Angaben. Im zweiten Schritt übernimmt dann ein professionelles Institut die genauere Betrachtung. Auf diesem Art kann eventuell ein kostengünstigerer Weg gefunden werden.

Um eine Ökobilanz für Marketingzwecke einsetzen zu können ist es aufgrund der erhöhten Glaubwürdigkeit dringend zu empfehlen, diese extern erstellen zu lassen. Eine von einem unabhängigen Institut erstellte Ökobilanz ist nicht nur garantiert fehlerfrei, sondern kommuniziert auch ein offenes, transparentes Bild der Produktionsprozesse.

Wo finde ich Hilfen bei der Erstellung einer Ökobilanz?

Wie bereits erwähnt, ist die Erstellung einer Ökobilanz am besten in den Händen von Profis aufgehoben. Um sich jedoch einen groben Überblick zu verschaffen oder erste Abschätzungen zu machen, gibt es dafür nützliche Hilfsmittel. In der Literatur stehen diverse Veröffentlichungen zu diesem Thema zur Verfügung und auch im Internet finden sich Leitfäden zur Erstellung von Ökobilanzen. So zum Beispiel:

Auch die DIN ISO Normen 14040-14044 sind sehr hilfreich, wenn gleich auch teuer in der Anschaffung. Sie sind erhältlich beim Beuth-Verlag.

 Generell gilt: Bevor man eine Ökobilanz erstellt oder erstellen lässt, sollte man sich folgende drei Fragen stellen:

  • Warum erstelle ich diese Ökobilanz?
  • Was ist die beabsichtigte Verwendung der Ergebnisse?
  • Ist die Qualität und Herkunft meiner Daten gesichert?

Diese Fragen können als grobe Checkliste betrachtet werden. Allerdings muss man sich im Klaren darüber sein, dass keine Ökobilanz wie die andere ist, sondern jede ihre eigenen Besonderheiten und Anforderungen hat.

Quellen
 
 

Brot ist eines unserer wichtigsten Lebensmittel. Doch ist es auch ökologisch? Und welches ist die ökologischste Methode Brot herzustellen?

Ifeu-Institut
Das Ifeu-Institut blickt auf über 20 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Ökobilanzierung zurück. Erstellt werden Ökobilanzen zu verschiedensten Themen von Landwirtschaft, Energieträgern, reinen Produktökobilanzen bis hin zu Verpackungsökobilanzen.

Diesen Fragen geht die Ökobilanz des Instituts für Energie und Umweltforschung (Ifeu) der Universität Heidelberg nach. Verglichen wurden hierbei drei Varianten: Brot aus dem Supermarkt, von einer Handwerksbäckerei und das Heimbacken. Betrachtet wurden vor allem die verwendeten Inhaltsstoffe, der Energieverbrauch bei der Herstellung und die Transportwege.

Zwar lässt sich keine allgemeine Aussage treffen, welche Herstellungsvariante für Brot am ökologischsten ist, da diese oft von kleinen Details abhängt, es wird jedoch deutlich, dass die Verwendung von ökologisch erzeugten Rohstoffen, ein geringer Energieverbrauch und kurze Transport- und Einkaufswege entscheidende Faktoren für ein „ökologisches Brot“ sind.

Als Schlussfolgerung der Studie lässt sich festhalten: Das Fabrikbrot hat den geringsten Energieverbrauch. Hier sollte allerdings dringend auf die verwendeten Rohstoffe geachtet werden. Beim Heimbacken hat man eine hohe Gewissheit über die Herkunft der Zutaten, allerdings auch einen deutlich höheren und ineffizienteren Energieaufwand. Der Handwerksbäcker bewegt sich irgendwo in der Mitte zwischen den beiden anderen Möglichkeiten.

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Ökobilanz ist das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Sowohl beim Besorgen der Rohstoffe zum Heimbacken als auch beim Einkauf des fertigen Produktes sollte darauf geachtet werden, dass keine unnötig weiten Strecken zurückgelegt werden. So sollte der Einkauf von Brot am besten auf dem Heimweg von der Arbeit erledigt werden oder mit anderen Erledigungen kombiniert werden. Optimal wäre ein Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Die aufbereiteten Ergebnisse sind in dem Paper Ökobilanz Brot: Fabrikbrot oder Heimbacken des Instituts für  Energie- und Umweltforschung Heidelberg zusammengefasst.

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