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Open Source

Eine Chance für nachhaltiges und soziales Unternehmertum

Barbara Lersch Alex Holyoake

EinführungTransparenzStrategie

Den Begriff Open Source kennen die Meisten wohl in erster Linie aus dem Kontext der Open Source Software. Open Source ist aber viel mehr als das – und spielt nicht nur in der IT eine große Rolle. Insbesondere für nachhaltig und sozial agierende Unternehmen kann Open Source eine Lösung sein, um schnell und langfristig zu skalieren, Marktanteile zu gewinnen, Nutzer zu aktivieren oder Entwicklungskosten zu teilen.

Die Ursprünge von Open Source findet man nicht wie oft vermutet im Digitalen, sondern in der Do-It-Yourself (DIY) Bewegung, die ihre Anfänge in den 50er Jahren in England hatte. Heute verbindet man damit vor allem handwerkliche und kreative Tätigkeiten. Damals aber ging es um Selbstermächtigung, Selbstorganisation sowie um die Kritik an Industrieprodukten und passivem Konsum. Themen, die heute also durchaus aktuell sind. Erst in den 80er Jahren wurde der Begriff von der Freien-Software-Bewegung aufgriffen und neu geprägt. Anfangs handelte es sich nur um eine kleine Gruppe Programmierer, die sich gegen die Kommerzialisierung ihrer Arbeit sträubten – mittlerweile ist die Open Source Bewegung einer der größten sozialen Bewegungen weltweit.

Oft wird Open Source mit „kostenloser“ Software in Verbindung gebracht, aber es handelt sich ganz grundsätzlich um Gemeingüter, die jedem zur freien Nutzung zur Verfügung stehen. Diese Güter dürfen benutzt, geteilt und verändert werden – der exklusive Besitz wird ausgeschlossen. Ein gutes, digitales Beispiel dafür ist Wikipedia: jeder hat die Möglichkeit auf die Enzyklopädie zuzugreifen, sie für eigene Zwecke zu nutzen, sich an ihr zu beteiligen, aber niemand kann sie exklusiv für sich beanspruchen oder anderen die Teilhabe verwehren.

Aber trotz dieses gemeinwohlorientierten Ansatzes, kann man mit Open Source auch Geld verdienen. Wordpress, Google oder Linux setzen Geschäftsmodelle erfolgreich um, die auf dem Prinzip der Beteiligung aller basieren.

Um digitale Gemeingüter zu schützen, gibt es „Open Source Lizenzen“ wie die GNU Public License, die dafür sorgt, dass eine Software „frei bleibt“. Das bedeutet konkret: Jeder darf die Software und ihren Quellcode runterladen, benutzen, weitergeben und sogar verändern und wiederum diese veränderten Versionen weitergeben. Auch nach dem letzten Schritt schützt die Lizenz die veränderte Software, denn sie sagt auch, dass das Recht auf freie und gemeinsame Teilhabe niemand anderem verwehrt werden darf – auch nicht auf die Version einer Software, die die einzelne Nutzerin selbst verändert hat.

Auch kreative Inhalte lassen sich schützen. Die Creative Commons License kümmert sich als gemeinnützige Organisation darum, dass Künstler selbst entscheiden, ob und wie weit sie Gebrauch von ihren Urheberrechten machen. Flickr arbeitet zum Beispiel mit der Creative Commons License und ermöglicht es so dem Nutzer schnell einzusehen, ob und wie umfassend ihre Bilder benutzt werden können.

Durch die Schaffung von Standard-Lizenzverträgen, will Creative Commons den Schutz und die Verbreitung geistigen Eigentums erleichtern
Ein FabLab (engl. fabrication laboratory – Fabrikationslabor), ist eine frei zugängliche Werkstatt nach dem Prinzip der Gleichberechtigung. FabLabs verfolgen das Ziel, Privatpersonen den Zugang zu Produktionsmitteln und Produktionsverfahren verschiedener Gütern zu ermöglichen.

Open Source beschränkt sich aber längst nicht mehr nur auf das Digitale. Ein guter Beweis hierfür sind die sogenannten FabLabs, die Räumlichkeiten und Material zu gemeinnütziger Kollaboration bereitstellen. Sie sind ein Teil der Open Source Bewegung, weil sie jedermann einen Zugang zu Werkstätten und industriellen Produktionsverfahren ermöglichen. Als Open Source Hardware gelten auch Anleitungen für den Bau eines Autos, eines 100 Dollar-Computers oder günstiger Selbstbausolarsysteme. Hier lässt sich nun wieder eine direkte Verbindung schlagen zum ursprünglichen Entstehen des Open Source Gedankens der DYI-Bewegung.

Open Source und soziales Unternehmertum

Vorteile von Open Source gibt es viele. Für Sozialunternehmen sind dabei die folgenden besonders interessant:

  • Märkte erkennen und testen:
    Eine umfassende Marktanalyse ist oft methodisch aufwendig und teuer. Teile seines Produktes online anzubieten, hilft oft dabei, schnell herauszufinden, ob es einen Markt gibt und wie dieser auf das Angebot reagiert. Firmen wie HYVE haben sich übrigens genau auf diese Vorgänge spezialisiert.
     
  • Kreative Lösungsansätze durch die Ideen Vieler:
    Hat man ein Produkt erst mal auf den Markt gebracht, kann man die Nutzer-Crowd dazu aktivieren schnelles Feedback zu geben und bei der Verbesserung des Produktes zu unterstützen. Wordpress profitiert bei der Weiterentwicklung ihres Angebots sehr stark von der Crowd.
     
  • Ressourcen einsparen:
    Wer sein Angebot öffentlich zugänglich macht, hat viel mehr Möglichkeiten kosten- und ressourcenschonend zu agieren.
     
  • Soziale Legitimität:
    Ein Unternehmen, das sein Wissen oder Teile davon für jedermann zugänglich macht, kommuniziert eine transparente und soziale Haltung. Open Source kann von Anfang an Vertrauen schaffen. So genießen Wordpress und Wikipedia im Vergleich zu kommerziellen Anbietern einen guten Ruf, weil alle Nutzer die dahinterliegenden Prozesse nachvollziehen können. Der Einsatz von Open Source Methoden als Marketing-Tool, speziell in der Marktforschung ist durchaus legitim, denn auch hier werden Ressourcen eingespart und alle profitieren davon.
  • Sicherheitslücken entdecken: 
    Besonders im Bereich der Software lassen sich durch Open Source schnell Sicherheitslücken und Schwachstellen aufdecken und beheben – oft viel schneller als wenn die Software nur inhouse getestet wird. 

 

 

Wie aber kann man eigene Projekte ganz im Sinne des Open Source Gedanken umsetzen – vielmehr noch – wie kann man Open Source für sich, sein Unternehmen oder Projekt nutzen?

Grundsätzlich gilt: Open Source ist nicht nur eine Methode, sondern es ist vor allem eine Einstellung. Hier ist eine ganzheitliche Analyse notwendig. Die folgenden fünf Fragen können dabei helfen, grundsätzlich zu klären, ob Open Source für ein Unternehmen oder ein Projekt in Frage kommt.

  1. Motivation: Warum ist Open Source wichtig für dich und dein Projekt?
  • Willst du dein Wissen mit anderen teilen und wenn ja warum?
  • Möchtest du eine Community aufbauen und wenn ja zu welchem Zweck?
  • Kann dir Open Source zu einer schnelleren Entwicklung deines Produktes/Projektes verhelfen?
  1. Was kann ich öffnen bzw. weitergeben?
  • Was kann bzw. will ich weitergeben?
    Hier geht es nicht zwingend um ganz oder gar nicht. Es können auch nur Teile eines Unternehmens zugänglich gemacht werden.
  1. Wer wird diese Inhalte nutzen und wozu?
  • Wer ist die Zielgruppe deiner Inhalte? Und warum sollten sie sie nutzen?
  • Gibt es Partner, Kunden, Communities, Studenten, die Interesse an deinem Angebot haben könnten?
  1. Was sollen die User mit meinen Inhalten machen dürfen und was nicht?
  • Gibt es Einschränkung bei der Nutzung?
  • Welche Regeln sind mit der Nutzung verbunden?
  1. Wie kann ich die Community in eine nachhaltige Entwicklung einbinden?
  • Wie kann ich Nutzerfeedback bekommen und die Community einbinden?
  • Wie (schnell) kann ich Nutzerfeedback integrieren?
  • Wie kann ich Nachhaltigkeit meines Angebots gewährleisten?

Für die Beantwortung dieser Fragen hat die Organisation QuiShare, die sich die Verbreitung des Open Source Gedanken zur Unternehmensphilosophie gemacht hat, ein Canvas zusammengestellt, der die Beantwortung dieser Fragen vereinfacht und den man hier downloaden kann. Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, wird die Symbole der Creative Commons Lizenz am unteren Rand des Canvas wiedererkennen – der Canvas darf also auch von euch gedruckt, benutzt und weiter gegeben werden.

Der ausgefüllte Canvas dazu dienen, eine konkrete Strategie zu entwickeln und den Open Source Ansatz in die Mission und Vision eines Unternehmens mit einzubauen

Man muss natürlich nicht alle Bereiche seines Unternehmens öffnen. Es gilt nicht „ganz oder gar nicht“, sondern es ist vollkommen legitim im Einzelfall zu entscheiden, welche Inhalte Open Source werden können und welche nicht. Oft ist es Teil der Vertriebsstrategie, nur Teile des Inhalts bekannt zu geben und so potentielle Kunden erst recht zum Kauf des Produktes zu motivieren. So zum Beispiel kann man die Software des fairphones komplett Open Source runterladen, die Hardware um diese zu nutzen, ist aber nur käuflich zu erwerben. Viele Nutzer motiviert aber die Einstellung des Unternehmens und verleitet sie zum Kauf. Open Source lässt sich in diesem Fall auch als Marketinginstrument nutzen. 

Eines der besten Beispiele für die Nutzung der Open Source Methode, unabhängig einer Softwarelösung sondern als Grundsatz einer ganzen Organisation, ist OuiShare. OuiShare  ist ein globaler "Think- und Do-Tank" und widmet sich dem Entstehen einer kooperativen Gesellschaft, die auf Fairness, Offenheit und Vertrauen basiert. Zu den OuiShare-Aktivitäten zählen Community-Aufbau, Wissensproduktion und Projekte auf den Themenfeldern Gemeinschaft und kooperative Wirtschaft.

OuiShare versucht zum Beispiel in Ihrem Format „SkillzBazaar“ Menschen dazu zu ermutigen ihr Wissen und Know-How mit anderen zu teilen. Dabei bietet jeder, der will, Interessierten an, von seinen Fähigkeiten zu lernen wie etwa Fahrräder reparieren, Häkeln lernen, Storytelling oder Klavierspielen. 

 

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