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Slow Fashion – Langlebig und zeitlos

Die Slow Fashion-Bewegung will, dass auch im Bereich Mode ein Umdenken stattfindet: Weg vom Konsumieren, hin zur nachhaltigen Wertschätzung.

ProduktionNachhaltigkeitLebenszyklus

Jährlich kaufen die Deutschen im Durchschnitt 60 neue Bekleidungsteile – 20 Prozent der Kleidung, die wir besitzen, tragen wir überhaupt nicht und den Rest nur etwa vier Mal, bevor wir sie entsorgen. In wenigen Bereichen des Lebens kann sich der Mensch so offensichtlich individuell darstellen, wie mit dem, was er am Leibe trägt. Hinzu kommt, dass sich der Trend immer wieder verändert, genauso wie der eigene Geschmack im Laufe der Zeit. Bis zu zwölf Kollektionen bringen Modelables jährlich raus. Damit wollen sie beim Kunden das Bedürfnis nach „mehr“ wecken: Oft mit Erfolg. Doch woher diese Kleidung eigentlich kommt, die wir so oft viel zu günstig und deshalb vor allem auf Kosten anderer konsumieren, das wurde sich lange nicht gefragt. Doch spätestens seit dem Fabrikunglück 2013 in Bangladesch in einer Textilfabrik, bei dem 1.135 Menschen starben und 2.438 verletzt wurden, interessieren sich mehr Menschen für die Herkunft und die Herstellungsbedingungen ihrer Kleidung. Ein Thema, das auch Andrew Morgan in seinem Dokumentarfilm „The True Cost“ behandelt“. 

 

Fast Fashion
Es gibt keine einheitliche Definition des Begriffs Fast Fashion. Auf der einen Seite ist es das schnelle Kopieren von Modetrend vom Laufsteg, auf der anderen Seite geht es um die Menge an Unterkollektionen, neben Hauptkollektion im Frühling, Sommer, Herbst und Winter, und den Lieferterminen. Sechs bis acht, manchmal zwölf Kollektionen im Jahr sind da die Regel. Es steht im Kontrast mit der Slow Fashion, die für Entschleunigung und Nachhaltigkeit steht.

Nach diesem Vorfall in Bangladesch, schlossen sich verschiedene internationale Gewerkschaftsdachverbände, wie UNI Global Union IndustriALL, und Nichtregierungsorganisationen, wie die Kampagne für sauber Kleidung, zusammen und verfassten ein Abkommen, das bessere Arbeitsbediengungen, unabhängige Kontrollen und bessere Bezahlung für die Arbeiter in Bangladesch veranschlagte. Diese Richtlinien mussten innerhalb 45 Tage nach der Unterschrift umgesetzte werden. Zu den Unterzeichnern gehören auch H&M, Benetton, Aldi Süd, Tchibo und Mango. Doch auch wenn das erste Schritte waren, so änderte dies jedoch nichts an der Verkaufsstrategie der Firmen, die weiterhin ihre „Fast Fashion“  vorantreiben, anstatt auf einen nachhaltigeren Konsum mit mehr Qualität zu setzen. Dies soll jetzt jedoch mit einer neuen Art der Mode, der Slow Fashion, auch in der breiten Masse ankommen.

Bewusstsein schaffen 

Geprägt hat den Begriff die Forscherin und Autorin des Buches Sustainable Fashion and Textiles: Design Journeys Kate Fletcher. 2010 gründete die Professorin am Centre for Sustainable Fashion des London College of Fashion das Unternehmen Slow Fashion Consultancy, welches durch unterschiedliche Kampagnen über nachhaltigen Konsum aufmerksam machen will. Grundgedanken ihres Slow-Fashion-Begriffs sind die Wiederverwendbarkeit, die Reduzierung und das Recycling von Textilien. Doch was unter Slow Fashion verstanden wird, ist sehr unterschiedlich. Für die einen ist es wichtig, dass vor allem im eigenen Land, also regional, hergestellt wird. Andere wiederum legen viel Wert auf die Langlebigkeit des Produkts und der Qualität, auch wenn es sich beispielsweise nicht immer um Bio-Baumwolle handelt. Das Ideal wäre wohl alle folgenden Kriterien unter einen Hut zu bringen:

  1.  Langlebigkeit: Slow Fashion hat eine kurze Produktionskette, ist keine Saisonware und ist hochwertig verarbeitet. Die Langlebigkeit führt automatisch dazu, dass Ressourcen geschont werden und die Umwelt somit weniger belastet wird.
  2. Gesamtbild: Slow Fashion, das ist nicht nur das T-Shirt oder der Rock, sondern auch das ganze Drumherum. Die Arbeitsbedingungen, das soziale Gefüge der Arbeiter, das Material, die Lieferwege und die Geschichte, die dahinter steckt und sozusagen durch die Mode erzählt wird.
  3. Diversität: Slow Fashion ist nicht nur das nachhaltige Modelabel mit dem Öko-Zertifikat, Slow Fashion ist auch der Flohmarkt, der Tausch von Klamotten mit der besten Freundin, das Leihen von einem Kleid für einen besonderen Anlass oder das Upcycling von Klamotten, die man dadurch wieder aufwerten kann.
  4. Bewusstsein: Slow Fashion ist vor allem das Bewusstsein, was hinter der Produktion von Mode steckt und sich wirklich zu fragen, was man braucht und was nicht. Also nicht nur zu kaufen, sondern sich bewusst Fragen zu stellen und Verantwortung für seinen eigenen Konsum und seine Auswirkungen zu übernehmen.
Showroom von Galatea Ziss.     Fotocredit: Kostyantyn Simkin

Noch verbinden viele Leute faire, ökologische Mode mit einem eher unmodernen Still und mit höheren Preisen. Mittlerweile gibt es jedoch viele stylische Klamotten und Accessoires, die gut aussehen und zudem noch länger halten, als die Saisonware der Modeketten. Preislich sind sie natürlich noch gehoben, doch geht es bei der Slow Fashion schließlich auch darum, dass man nur ein T-Shirt und nicht drei kauft. Labels und Geschäfte, die Slow Fashion verkaufen sind unter anderem:

  • Galatea Ziss: Es geht auch im ganz Kleinen – Galatea Ziss ist Schneidermeisterin und versucht durch ihre nachhaltige, schnörkellose Mode, die sie selber nach Maß anfertigt, nachhaltige Mode zu schaffen und zum bewussteren Konsumieren anzuregen.
  • Nata y Limón: Das Start-Up hat erfolgreich seine erste Crowdfunding-Kampagne beendet und will durch ihre Taschen, Kissen und Decken aus traditionell gewebten Stoffen aus Guatemala, den Weberinnen vor Ort ein nachhaltiges Einkommen sichern. 
  • Nuvi Nomad: Nuvi Nomad stellt Taschen und Accessoires aus veganem Leder, als Alternative zu der umweltbelastenden Produktion von klassischem Leder, her. Produziert wird das ganze in Thailand. 
  • ARMEDANGELS: Das Unternehmen zweier Kölner gehört zu den größten Fair Fashion Labels in Deutschland. Die Produkte werden mit nachhaltigen und biologischen Materialien produziert, das Design ist schlicht und zeitlos und zudem setzen sie sich für faire Arbeitsbedingungen ein.
  • DearGoods: Das Geschäft mit den fairen und ökologischen Produkten gibt es bereits drei Mal in München, in Augsburg und auch in Berlin. Hier gibt es nicht nur Klamotten, sondern auch Schmuck, Taschen und nützliches für Zuhause, wie die Trinkflasche Soulbottle – alles nicht nur fair, slow und bio, sondern auch vegan.
  • Hess Natur: Ein alter Hase im Bereich Slow Fashion ist Hess Natur. Mittlerweile gibt es hier nicht nur Leinenhosen und Schlabberpullis aus Hanf sondern wirklich schön Mode aus modernen Stoffen. Das Label wurde bereit 1976 gegründet und bietet neben Mode für Erwachsene, auch nachhaltige und von Rückständen freie Mode für Babys und Kleinkinder.
  • Avocadostore: Der Online-Shop bietet zehn Kriterien, von haltbar über Made in Germany bis hin zu CO2-sparend, nach dem die Produkte kategorisiert werden. Die Anbieter werden dazu angehalten ihre Produktionsketten transparent darzulegen – als Nutzer kann ich auch bewerten und kommentieren, sollte das doch nicht der Fall sein.
  • Nudie Jeans: Der Jeans-Produzent steht nicht nur für nachhaltige, transparente Produktion und soziale Verantwortung, sondern bietet auch einen kostenlosen Reparaturservice für seine Jeans an, das Recycling von abgetragenen Hosen und auch die Möglichkeit, Second-Hand-Ware zu erwerben. 

Viele Ideen in diesem Bereich sind auch erst im Entstehen und werden durch Crowdfunding-Kampagnen voran gebracht. Wie auch das Modelabel Khala.

Die erste Kollektion von Khala.   Fotocredit:Christoph Bathold

Khala hat gerade erfolgreiche seine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter abgeschlossen und ein Teil des Teams von Gründerin Melanie Rödel befindet sich in Malawi und setzt die erste Kollektion um. Entstanden ist die Idee relativ spontan als Melanie Rödel mit Viva con Agua  für einen Brunnenprojekt in Malawi war. Erst ist der Entstehungsphase stellte sie fest, wie kompliziert die Produktion von Mode ist, vor allem wenn sie nachhaltig und ökologisch sein soll. Das Start-Up verbindet europäische Schnitte mit malawischen Stoffen – zu bezahlbaren Preisen. Für sie ist der erste Schritt die soziale Nachhaltigkeit vor Ort in Malawi zu fördern. Das bedeutet am Ende faire Bezahlung, Urlaubstage und eine Krankenversicherung für die Schneider vor Ort. Zukünftige Schritte wären dann auch die Produktion von Bio-Baumwolle und eine nachhaltige Lieferkette. Doch da Malawi bisher keine Baumwolle produziert, gibt es für Khala noch sehr viel zu tun. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist aber bereits getan.

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