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Standardmäßig sozial

Sozialstandards geben klare Richtlinien für faire und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen vor.

Isabel Oostvogel

VerantwortungProduktionStandards

Was sie sind und warum sie wichtig sind

Sozialstandards sind alle gesetzlichen Regelungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die sich auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen konzentrieren. Angemessene sozial- und arbeitsrechtliche Umstände bilden die Grundlage menschenwürdiger Arbeitsverhältnisse – und das nicht nur am eigenen Standort: Ziel ist es, sozial verträgliche Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu garantieren, das heißt sowohl innerhalb als auch außerhalb des eigenen Unternehmens.

Arbeitsbedingungen und deren Gestaltung entscheiden über die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Darüber hinaus sind sie aber auch Maßstab sozialer Verantwortung. Sie stellen somit ein wichtiges Themenfeld unternehmerischen Handels dar, das durch die Globalisierung zusätzlich an Relevanz gewinnt. Denn da die Herstellung vieler Produkte in Ländern Osteuropas oder Asiens billiger ist, lagern immer mehr Unternehmen der Industrienationen ihre Lieferketten weltweit aus und profitieren von billigeren Produktions- und Arbeitsbedingungen. Globale Lieferketten und eine internationale Lieferantenstruktur gehen jedoch mit neuen Herausforderungen einher: Der Wahrung sozialer Sicherheit und dem Schutz der Umwelt.

International gelten unterschiedliche und uneinheitliche Sozial- und Arbeitsbedingungen, die immer stärker in Konflikt geraten. Dramatisch vor Augen geführt hat dies 2012 der Fabrikbrand in Bangladesch, der bis zu 1000 Todesopfer zur Folge hatte. Unzureichende Arbeitssicherheit sowie unerträgliche Arbeitsbedingungen waren die Ursache. Die vor Ort herrschenden Sozialstandards weichen stark von internationalen Gesetzgebern ab und werden kaum auf ihre Einhaltung überprüft: Kinderarbeit, ungenügende Arbeitssicherheit und Diskriminierung prägen dort häufig den betrieblichen Alltag.

Vorhandene Richtlinien

Ein Unternehmen hat verschiedene Möglichkeiten, diesen Missständen entgegenzuwirken und die soziale Sicherheit trotz verlagerter Produktionsstätten zu garantieren. Eine wichtige Grundlage bilden hierfür die weltweit gültigen Mindeststandards der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinigten Nationen (ILO). Ihre Kernarbeitsnormen haben den Charakter universeller Menschenrechte. Arbeitsbedingungen sollen dadurch international vergleichbarer und besser werden. Mit ihren global geltenden Normen soll verhindert werden, dass sich einzelne Teilnehmer des internationalen Handels Vorteile verschaffen.

Der von econsense entwickelte Leitfaden für die Integration von Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten gibt einen Einblick in die verschiedenen Themenfelder, unter anderem für soziale Themen und Menschenrechte. In dem Artikel Nachhaltiges Lieferkettenmanagement wird genauer auf die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien für das Lieferantennetzwerk eingegangen.

Econsense. Forum Nachhaltige Entwicklung der deutschen Wirtschaft: Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten.

 

Zur Implementierung von Sozialstandards existieren differenzierte Werkzeuge, mit deren Hilfe die Einführung der Sozialstandards eingeleitet, überprüft und begleitet werden kann und dadurch die Verwirklichung innerhalb der unterschiedlichen Wertschöpfungsphasen garantiert. 

Standards, Leitfäden und Co.

Von zentraler Bedeutung sind die bereits erwähnten Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der vereinten Nationen (ILO). Diese bilden die Grundlage für viele weitere Hilfsinstrumente. Grundsätzlich sollte das Beschäftigungsverhältnis vertraglich geregelt und ein Gesundheits- und Sicherheitsschutz am Arbeitsplatz festgeschrieben sein. Folgende vier Kernprinzipien bestimmen Selbstverständnis und Handeln der ILO:

  • Vereinigungsfreiheit
  • Abschaffung von Zwangsarbeit
  • Beseitigung der Kinderarbeit
  • Gleichheit

Entscheidend sind zudem die internationalen Rahmenabkommen der Organisation der OECD für multinationale Unternehmen. Dabei handelt es sich um gemeinsame Empfehlungen der Regierungen der OECD-Länder für verantwortungsbewusstes unternehmerisches Verhalten, die ausschließlich auf Auslandsinvestitionen bezogen sind.

Mit dem UN Global Compact soll die Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen, der Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen gestärkt und nachhaltiger Wachstum gefördert werden. Der vom Global Compact herausgegebene Leitfaden gibt Einblicke in die kontinuierliche Verbesserung von Nachhaltigkeit in der Lieferkette.

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine Wirtschaftsinitiative, die engagierte Unternehmen in ihrer Umsetzung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements unterstützt. Schlüsselelemente des BSCI Verhaltenskodex sind:

  • Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektive Verhandlung
  • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
  • Verbot jeglicher Art von Diskriminierung
  • Ausreichend Entlohnung
  • Arbeitszeiten
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Umweltrelevante Aspekte im Produktionsablauf
  • Einführung einer Politik für soziale Verantwortung
  • Bekenntnis zu einer Politik gegen Bestechlichkeit und Korruption

Sogenannte Codes of Conduct sind freiwillig verpflichtende Verhaltenskodizes auf Unternehmens- und Branchenebene. So hat zum Beispiel der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie 2010 einen Code of Conduct für die Textil- und Modebranche erarbeitet und beschlossen. Ein weiteres Beispiel gibt es vom Bundesverband Materialwirtschaft und Einkauf e.V. (BME): die BME- Verhaltensrichtlinie

Des Weiteren existiert der von der Social Accountability International (SAI) entwickelte internationale Prüf- und Zertifizierungsstandard Social Accountability 8000, der die Mindestanforderungen an Sozialstandards im gesamten Unternehmen umfasst.

Trainings, Audits und Co.

Unternehmensintern sind Trainings- und Schuleinheiten hilfreich, die u.a. von Institutionen wie der Business Social Compliance Initiative (BSCI), ihren teilnehmenden Unternehmen und deren Lieferanten angeboten werden. Die Programme unterstützen bei der Umsetzung und Integration der BSCI-Codes of Conducts.

Online Bewertungs- und Lerninstrumente beraten und unterstützen Unternehmen bei der Etablierung nachhaltiger Lieferketten. Wie zum Beispiel die Plattform von United Nations Global Compact

Ein Hilfsinstrument für die interne Umsetzung und Überprüfung von Nachhaltigkeitszielen ist die Sustainable Balanced Score Card. Neben den ökonomischen Zielsetzungen finden sich dort auch ökologische und soziale Aspekte.

Ein weiteres Werkzeug zur Überprüfung sozialer bzw. ökologischer Standards sind externe Kontrollmaßnahmen. Diese können in Form von Audits (Social Audit) wie z.B. SA800 stattfinden oder durch die Verfassung und Dokumentierung von Nachhaltigkeitsberichten unterstützt werden. 

Ein zentrales Beispiel aus dem Bereich der Bekleidungsindustrie ist Better. The Fashion rEvolution, ein im Jahr 2007 gegründete Markenhersteller für bio-faire Kleidung in Bamberg. Ein zentrales Anliegen für Fashion rEvolution ist der Schutz der Umwelt durch biologischen Baumwollanbau. Ebenso wichtig ist die Einhaltung von Sozialstandards. So achtet das Unternehmen darauf, dass die verschiedenen Baumwollprodukte nur unter fairen und nicht gesundheitsgefährdenden Bedingungen hergestellt werden. Fashion rEvolution arbeitet deshalb ausschließlich mit zertifizierten Zulieferern, die sich dem Handeln gemäß des Global Organic Textile Standards (GOTS) verpflichtet haben. Die Tätigkeiten des Unternehmens stehen unter ständiger Kontrolle (Monitoring).

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