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forStory im Interview

Das Münchner Start-Up macht nicht einfach nur Imagefilme, sondern Filme mit Impact

Startup GesellschaftKommunikation München

Wir haben das Münchner Start-Up forStory getroffen. Sie wollen sozialen Initiativen eine Stimme, oder besser gesagt, einen Film geben. Mit uns haben sie über schwierige Vorstellungen von Klienten, der Arbeit hinter so einem kleinen Film und ihren Filmwettbewerb IMPACTFILM.org gesprochen.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Imagefilm und einem Impact-Film? Was unterscheidet euch von den normalen Agenturen?

Philipp: Ein Imagefilm ist nicht das Richtige für eine soziale Initiative. Im Normalfall stellt er in zwei bis drei Minuten ein Unternehmen vor. Wir haben uns aber während unserer Gründungsförderung der Social Entrepreneurship Akademie mit Wirkungsmessung, also Impact, befasst. Sobald sich nicht nur etwas für die Zielgruppe verändert, sondern sich auch das gesamtgesellschaftliche Problem verändert oder sich das Problem mildert, im besten Fall komplett behoben wird, spricht man von Impact. Wir wollten uns auf diesen Bereich konzentrieren. Klar ist es wichtig, dass wir auch erzählen und die Organisation vorstellen, aber viel wichtiger ist eigentlich: Was passiert dadurch, dass sie das machen, was sie machen? Was verändert sich bei der Zielgruppe? Was verändert sich für die Gesellschaft? Klassische Unternehmensportraits, also Imagefilme, zeigen vielmehr auf, was die Organisation macht, wer Teil der Organisation ist und was sie anbieten.

Ist das professionelle Filmequipment nicht sehr teuer?

Alex: Zu Beginn war meine private Kamera ausreichend. Das Filmequipment, das wir jetzt haben, haben wir uns mit der Zeit selbst finanziert.

Würdet ihr für die, die es sich gar nicht leisten können, auch einen Film umsonst machen?

Philipp:  Anfangs haben wir auch mal einen Film mit 94 Prozent Rabatt oder kostenlos produziert. Doch das ist finanziell einfach nicht nachhaltig. Aus dem Grund haben wir gesagt, dass wir noch eine dritte Lösung brauchen, für die ganz kleine Unternehmen oder Initiativen, die es sich nicht leisten können, die wir aber auch nicht immer ablehnen wollen. Deswegen haben wir den Filmwettbewerb  IMPACTFILM.org ins Leben gerufen. Dort listen wir alle Projekte auf, die zu wenig Budget haben, und bauen ein Netzwerk zu Filmemachern auf, hauptsächlich aus den Hochschulen. Die Filmemacher suchen sich ein Projekt aus, treffen sich und haben ab Mai bis Ende Oktober 2017 Zeit, einen Film zu produzieren.

Was ist denn der Preis für den Gewinner?

Philipp: Wir sind gerade auf der Suche nach Sponsoren. Wir als forStory können keine Preisgelder bezahlen und wenn der Wettbewerb erfolgreich ist, wird es auch schwierig, das zusätzliche Pensum nebenher zu stemmen. Das Preisgeld steht bei vielen Filmemachern aber gar nicht im Vordergrund. In der Kommunikation ist es sehr wichtig, dass es gemeinnützige Projekte sind, die sich den Film so nicht leisten können. Es geht also wirklich um das Engagement der Filmemacher. Zudem ist es wichtig, dass die Beiträge von einer namenhafte Jury bewertet werden. Alex hat bereits einen bekannten Youtuber, Robert Hofmann, gewinnen können, der Filmkritiken macht.

Die beiden Gründer Alex (li) und Philipp (re) im Interview.

Welche Unterschiede zeigen sich bei der Zusammenarbeit mit großen Firmen und kleinen Vereinen?

Philipp: Die Leute, sowohl in den Verein, als auch in den Unternehmen, haben häufig keine Vorstellung davon, was eine Filmdienstleistung kostet. Gerade weil es auch sehr viele kleine Agenturen gibt, die meist schlechte Imagefilme für 500 Euro machen. Du kannst aber auch einen Film für 30.000 Euro oder mehr produzieren lassen. Da sind die Vorstellungen, was ein gutes Produkt kosten muss und wie viel Arbeit drin steckt, ganz unterschiedlich. Unternehmen sind professioneller aufgestellt, dort kannst du über Preise sprechen. Bei Vereinen ist die Herausforderung, dass sie zum einen oft ehrenamtlich dabei sind und deswegen davon ausgehen, dass wir das auch ehrenamtlich machen. Zum anderen haben sie häufig wenig Erfahrung im Marketing und generell mit Kreativleistungen. Da ist die Überraschung groß, wenn aus den vorgestellten paar hundert Euro, einige tausend bei einer Filmproduktion zusammen kommen.

Alex: Was man nicht sieht ist, dass der Drehtag das Geringste Problem ist. An einem Drehtag bekommen wir meist schon den Großteil für ein Kurzportrait für einen Impactfilm unter. Doch was davor und vor allem danach passiert, das sieht man eben als Kunde nicht. Das ist das, wo die meiste Arbeit einfließt.

Wie finanziert ihr euch?

Philipp: Das Ertragsmodell für forStory aufzustellen, war unsere größte Herausforderung. Wir arbeiten daher auch mit Full-Profit-Unternehmen, großen sozialen Initiativen und NGOs zum marktüblichen Preis. So haben wir eine Gewinnmarge, die jede klassische Marketingagentur auch hätte. Die können wir als Querfinanzierung in Rabatte für die Kleinen einfließen lassen. Trotzdem reicht das nicht.

Wie kalkuliert ihr eure Preise?

Philipp: Wir kalkulieren alle Angebote transparent: Aufwand, Konzept, Dreh, Produktion, Arbeitstage für die Postproduktion und Musiklizensen. Auch bei sozialen Initiativen zeigen wir, wie viel es marktüblich kosten würde und sagen dann, wieviel Prozent Rabatt sie bekommen. Uns ist es wichtig aufzuzeigen, was es normalerweise kosten würde. 

Was wäre denn der durchschnittliche, marktübliche Preis?

Philipp: Wenn wir einen Film machen und von ein bis zwei Drehtagen ausgehen, kostet er um die 5.000 Euro. Oft sind es doch zwei Tage, damit man auch einen Puffer hat. Manche Sachen funktionieren total schnell, manchmal muss man ein Interview aber auch zehn Mal machen. Dann braucht man etwa fünf bis sechs Tage in der Nachbearbeitung. 

Wie viele Full-Profit-Unternehmen hattet ihr schon? 

Philipp: Bisher zwei oder drei Große, daran mangelt es uns tatsächlich. Bei größeren Projekten kommt es auch eher vor, dass viel Zeit in Akquise und Sales-Pitch fließen, kurz vor Abschluss dann aber zum Beispiel das Budget gestrichen wird. Leider ist es uns das bei einem wichtigen Projekt auch schon nach Beginn der Dreharbeiten und der ersten Anzahlung passiert. Aber generell mangelt es uns an Großprojekten, die das Geld reinbringen, um die Kleinen zu finanzieren.

Wollt ihr noch einem Investor suchen?

Alex: Für den Wettbewerb ja, damit man eine Teilzeitstelle bezahlen kann. Das wäre ein Traum. Für forStory nicht, da wir unabhängig bleiben wollen.

Philipp: Vor allem sehe ich das bei forStory nicht, dass sich jemand als Investor bei uns einkauft, weil wir eigentlich eine klassische Agentur sind. Wir produzieren Filme und machen das hauptsächlich für soziale Initiativen. Schön wäre eine andere Art der Partnerschaft. Vielleicht mit Stiftungen, die Projekte fördern und ein Teil der Förderung ist eine Filmleistung. Das wäre für uns ein Traumszenario. 

Das Gründerteam von forStory.

Wie sind die Erfahrungen mit Profis aus Unternehmen und Laien?

Philipp: Im Prinzip ist es schon angenehm mit den Leuten aus Vereinen zusammen zu arbeiten, weil sie mit dem Herz dabei sind. Es kann aber auch schwierig sein, weil sie keine Profis sind und sie persönlich involviert sind. Ab und zu hatten sie Wünsche oder Vorstellungen, die in den Film hätten einfließen sollen, die ihnen persönlich wichtig waren. Unser Ansatz ist aber nicht einen Film für den Verein zu machen, sondern für die Öffentlichkeit. Dementsprechend müssen wir dann auch abwägen, was wichtig ist für den Zuschauer, um das Ganze zu verstehen und die Botschaft zu bekommen.

Was habt ihr aus eurer bisherigen Arbeit gelernt?

Philipp: Was man lernt ist, dass man nichts verschenken darf. Denn sobald wir angefangen haben, einen Film zu günstig zu produzieren, den Leute zu große Rabatte zu geben oder im schlimmsten Fall Projekte kostenlos umzusetzen, desto geringer wird gefühlt die Wertschätzung und somit auch die Nutzung des fertigen Films. Ich glaube da spielt auch eine gewisse Erwartungshaltung mit rein und vielleicht auch eine andere Wertschätzung, wenn man für etwas zahlt.

Habt ihr Rückmeldungen von den Vereinen bekommen, wie die Resonanz auf den Film war?

Alex: Letztes Jahr im April hatten wir ein Projekt mit den Schülerpaten in Berlin. Sie vermitteln Nachhilfelehrer für Migrationskinder und die Nachhilfe findet zu Hause bei der Familie des Kindes statt. Außerdem bieten sie eine Art Mischung aus Nachhilfe und Buddyprogramm an. Ein tolles Projekt und ein super Team. Wir waren dann ein Wochenende in Berlin und haben den Film produziert. Den hat jeder geteilt und so hatte er eine recht große Reichweite und es kamen Ehrenamtliche nur Aufgrund des Films zu den Schülerpaten. Ich würde sagen, dass das ein Impact ist, den wir damit geschafft haben.

Was war die Größe Hürde bisher?

Alex: Die größte Hürde für uns ist immer noch, uns nachhaltig zu finanzieren. Wir versuchen diesen Spagat hinbekommen, sozial und gleichzeitig unternehmerisch zu arbeiten. 

Vielen Dank für das Interview!

 

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