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LegionellEX – Bakterien bekämpfen ohne Chemie

Für das bloße Auge nicht sichtbar, aber trotzdem gefährlich: Legionellen. Das Start-Up LegionellEX hat einen Weg gefunden, diese nachhaltig zu bekämpfen.

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Das Start-Up LegionellEX hat eine Möglichkeit gefunden Legionellen und andere Bakterien, ohne Einsatz von Chemie oder hohen Kosten, zu eliminieren. Noch ist ihr Gerät in der Testphase, doch erhoffen sie sich vielen Menschen - auch in ärmeren Ländern - helfen zu können.

Maximilian Hechtl, Alexander Straßer, Stefan Hauers

Stefan Hauers, stefan@hauers.de

2018

Lichtenbergstraße 6
85748 Garching
Deutschland

stefan@hauers.de

Legionellen
Legionellen sind Bakterien, die in geringer Anzahl ganz natürlich im Wasser vorkommen. Bei Temperaturen zwischen 25 bis 45 Grad können sie sich in künstlichen Wassersystem sehr schnell vermehren – beispielsweise in Leitungen, die nicht regelmäßig gemeldet mit heißerem Wasser in Kontakt kommen. Der Erreger wird durch zerstäubtes Wasser (Klimaanlagen, Duschkopf, etc.) übertragen und grippeartige Beschwerden bis zu schweren Lungenentzündungen auslösen.

Jährlich werden 6.000 Infektionen mit Legionellen in Deutschland gemeldet – die Dunkelziffer liegt laut Experten jedoch wesentlich höher. Die Schätzungen reichen von 15.000 bis zu 30.000 pro Jahr. Gerade ältere und schwächere Menschen können an der dadurch ausgelösten Lungenentzündung – der sogenannten Legionärskrankheit – sterben. Bisherige Methoden sind aufwendig, kostenintensiv und nicht besonders nachhaltig. Die Masterstudierenden Maximilian Hechtl,  Alexander Straßer und Stefan Hauers haben einen Prototyp entwickelt, der das ändern soll.

Den Grundbaustein legte bereits viele Jahre zuvor Maximilians Vater – ein emeritierter Professor der Priceton University. Maximilian setzt nun, zusammen mit seinem Freund Alexander und Stefan, die theoretischen Überlegungen seines Vaters in die Tat um. Den Prototypen wirklich zu testen, war für die zwei Bauingenieur- und dem TUM-BWL Studenten jedoch schwieriger als erwartet, sagt Alex: „Es hat wahnsinnig lange gedauert, ein zertifiziertes Labor zu finden, das der Sicherheitsstufe für die Arbeit mit Legionellen entspricht. Als pathogene Keime, muss man mit der Handhabung sehr vorsichtig sein.“ Nach häufigem Rumtelefonieren, sind sie nach einem halben Jahr im Klinikum Rechts der Isar in München fündig geworden. Der Vorteil dabei war auch, dass dort bereits mit Legionellen gearbeitet wird. „Die darf man natürlich nicht einfach bestellen, sondern muss genau angeben, warum man sie braucht, bevor man die Erlaubnis bekommt, sie auch zu züchten“, erklärt Alex. Wenig bis gar keine Unterstützung gab es von den Professoren und Lehrstühlen anderer Universitäten, ebenso wenig von der eigenen. Und das, obwohl diese geeignete Labore zur Verfügung haben. „Am Anfang haben wir unseren Plan durchgesprochen und dachten, dass wir innerhalb eines dreiviertel Jahres gründen können. Das ist nun fast zwei Jahre her. Das lag vor allem an der Bürokratie und den langen Wartezeiten“, sagt Alex.

Der Prototyp von LegionellEX.  Fotocredit: LegionellEX

Gerade ist ihr Prototyp in der Phase der Patentierung – zu viel verraten können sie daher nicht. Außer, dass die Legionellen hydrodynamisch-mechanisch zerstört werden. Also ganz ohne Chemie oder Erhitzung des Wassers – Methoden, die normalerweise bei Legionellen angewendet werden, aber weder gut für die Umwelt, noch sehr kostengünstig sind. „Ich vergleiche unsere Methode gerne mit der Taucherkrankheit“, sagt Max. „Wenn ein Taucher tief unten im Wasser einatmet, dann löst sich der Sauerstoff im Blut. Die Bläschen, die sich dabei bilden, haben mehr Masse, als an der Oberfläche. Beim Auftauchen expandieren die Gase, weil der Gegendruck fehlt und das Blut dann anfängt zu schäumen.“ Dasselbe passiert schlussendliche den Legionellen mit dem Gerät von LegionellEX.

Die Gründer von LegionellEX: Maximilian (links) und Alexander (rechts).
UnternehmerTUM
Das Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München, begleitet Start-ups und etablierte Unternehmen bei der Unternehmensgründung.

Finanziert wird das Labor vor allem durch die Unterstützung der UnternehmerTUM. Weitere Fähigkeiten, die sie für die Herstellung des Prototyps brauchen, werden ihnen im MakerSpace der TU München vermittelt, was durch ein Stipendium der Hans Sauer Stiftung ermöglicht wird. Interessenten für ihr Gerät gibt es bereits viele – und es lässt sich auch mit großer Wahrscheinlichkeit auf andere Bakterien übertragen. „Für uns ist der Aspekt der Nachhaltigkeit essenziell. Wir machen eben nicht ein tolles neues Auto, sondern etwas, womit man effizient Wasser reinigen kann. Das ist auch für Entwicklungsländer interessant und wichtig“, sagt Alex.

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