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Social-Bee – Zeitarbeit als Integrationstool

Das Münchner Start-Up Social-Bee hat sich ein großes Ziel gesetzt: Sie wollen Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren.

Vera Pelzer Christoph Eipert

Startup IntegrationGesellschaftSocial Innovation München

Social-Bee gGmbH Logo

Social-Bee ist eine soziale Zeitarbeitsfirma, die Menschen mit Fluchthintergrund einstellt. Diese werden professionell begleitet und weitergebildet, während sie in Partnerunternehmen beschäftigt werden. Nach spätestens eineinhalb Jahren erfolgt die Vermittlung in eine Festanstellung oder Ausbildung.

Social-Bee gGmbH

Zarah Bruhn, Maximilian Felsner

info@social-bee.de

gGmbH

2016

Ridlerstraße 31A
80339 München

info@social-bee.de

In seinem Heimatland war Hamid (Name von der Redaktion geändert)  ITler, doch die Umstände zwangen ihn zur Flucht. Drei Jahre lang suchte er in Deutschland eine Beschäftigung – ohne Erfolg. Bis er auf die soziale Zeitarbeitsfirma Social Bee stieß. Dort bekam er eine Anstellung und wurde zunächst für drei Monate als Hilfsarbeiter in einem Münchner Unternehmen beschäftigt. Diese Zeit nutzte das Social-Bee Team, um Hamid zu fördern und konnte ihn so wenige Monate später in eine Festanstellung in einem IT-Unternehmen bringen. Integration durch Zeitarbeit – diese Idee ist in Deutschland bisher einzigartig und scheint aufzugehen. Social-Bee stellt Geflüchtete ein und begleitet sie mit Hilfe eines Integrationskonzeptes. Während ihres Einsatzes in verschiedenen Partnerunternehmen werden die Geflüchteten sozialpädagogisch begleitet, machen Sprachkurse und nehmen an Personalentwicklungsmaßnahmen teil. Das Ziel ist die Vermittlung in eine qualifizierte Festanstellung oder Ausbildung nach spätestens eineinhalb Jahren.

Zarah und Max, das Gründerteam von Social-Bee, kennen sich aus Studienzeiten. Max hat VWL studiert und sich nebenbei an der Social Entrepreneurship Akademie in München engagiert. Die BWLerin Zarah begeisterte sich schon immer für Nachhaltigkeitsfragen, doch erst über eine Freundin mit Fluchthintergrund entstand ein persönlicher Bezug zu den Themen Flucht und Integration. Nachdem sie sich mehrere Monate ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierte, ging sie mit der Idee, eine eigene Initiative zu gründen, auf Max zu. Gemeinsam entwickelten sie das Konzept von Social-Bee. Daraufhin kündigten Zarah und Max ihre Jobs, nahmen ein Darlehen auf und kamen zunächst beim Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München unter. Die sehr arbeitsintensiven ersten Monate zahlten sich aus: Social-Bee wurde für mehrere Preise nominiert, darunter der Deutsche Integrationspreis der Hertie Stiftung. Spenden und Darlehen von drei Stiftungen stellten die Anschubfinanzierung sicher. In der Zwischenzeit konnten Zarah und Max ihr Team um mehrere Festangestellte, darunter zwei Vertriebler, zwei Sozialpädagogen, zwei Key-Account-Manager sowie Praktikanten verschiedener Fachrichtungen, erweitern.

Die Einsatzgebiete der mittlerweile 24 angestellten Flüchtlinge sind insbesondere die Lagerlogistik- und Produktionsbranche. Bei diesen eher niedrigqualifizierten Tätigkeiten sind die Einstiegshürden, gerade für Flüchtlinge ohne jegliche Ausbildung, niedriger. Gleichzeitig stehen Weiterbildungsmaßnahmen, wie zum Beispiel an Deutschkursen oder EDV-Schulungen, zur Verfügung. Social-Bee versteht sich dabei nicht als klassische Zeitarbeitsfirma, sondern als „Integrationsdienstleister“. Anders als bei vielen Zeitarbeitsfirmen steht nicht die Flexibilität der Unternehmen im Mittelpunkt, sondern die Begleitung der Geflüchteten während des Integrationsprozesses. Unternehmen verpflichten sich  zum Beispiel von Vornherein, Social-Bee Mitarbeiter für mindestens drei Monate zu beschäftigen. Trotzdem arbeiten Unternehmen gerne mit Social-Bee zusammen. Einer der Vorteile ist die Vermittlung von sehr motivierten und gut betreuten Mitarbeitern, die sie nach einigen Monaten fest übernehmen können. Außerdem ist diese Version der Zeitarbeit eine Möglichkeit für Unternehmen, sich sozial zu engagieren und zwar über eine Dienstleistung, die sie ohnehin in Anspruch nehmen. Die Energie, die das gesamte Social-Bee Team in das Start-Up steckt, zahlt sich für die Gründerin Zarah schon jetzt aus, denn ein sozialer Mehrwert ist bereits zu erkennen: „Alle Mitarbeiter, die bei uns waren, haben sich sehr entwickelt und ich freue mich drauf, wenn wir sie in 20 Jahren sehen und sie mir sagen, dass Social-Bee ihnen wirklich etwas gebracht hat. Jetzt haben wir da Verantwortung, die Mitarbeiter vertrauen uns genauso wie wir ihnen, dem muss man auch gerecht werden.“

Wie die Zukunft von Social-Bee aussieht und was sie sonst noch geplant haben, erfahrt ihr bald im Interview.

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