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Business Angels – Ein Schutzengel für Start-Ups

Investoren in frühen Phasen eines Unternehmens zu finden ist schwer. Business Angels können da Abhilfe schaffen.

Caroline Deidenbach Henry Wang

CoachingFinanzenNetzwerk

Jungunternehmer haben es nicht leicht. Sie haben eine gute Idee, aber wenig Ahnung von der Umsetzung. Manchmal stecken sie selbst noch mitten im Studium und hatten noch nie eine 40-Stunden-Arbeitswoche. Wie also das eigene Unternehmen finanzieren? Was für den Extremsportler der Schutzengel ist, ist da für den Gründer der Business Angel, übersetzt ein „Unternehmensengel“. In den USA hat die Idee eine lange Tradition. Bereits Henry Ford hat so sein Unternehmen aufgebaut.

Der Begriff  ist aber relativ neu. Er stammt eigentlich vom Broadway Theater.  Mit „Angels“ wurden wohlhabende Investoren bezeichnet, die ihr Geld in Theaterproduktionen investierten, um sie vor der Pleite zu retten. William Wetzel Jr., ein amerikanischer Professor an der New Hampshire Universität, benutze den Begriff bereits  1983 im Zusammenhang seiner Studien zu Risk Capital Investments. Dort beschreibt er mit „Business Angels“ Investoren, die sehr frühphasige Unternehmen finanziell unterstützen. 

Wer steckt hinter einem Business Angel?

Business Angels sind häufig erfahrene und wohlhabende Geschäftsleute, die oftmals selber ein oder mehrere Unternehmen gegründet haben. Es gibt sie in so gut wie jeder Altersstufe. Teilweise sind sie unter 30 und hatten früh Erfolg, aber genauso gibt es die über 70-Jährigen, die ihre Erfahrungen nach dem Ende ihrer eigenen beruflichen Laufbahn mit der Unterstützung junger Unternehmer nutzen, um so weitere Geschäftsideen zu realisieren. Sie tätigen Investitionen zwischen 50.000 und 500.000 Euro, in manchen Fällen sogar bis zu zwei Millionen Euro, und bilden eine Investorengruppe, die bereits in frühen Phasen der Unternehmensgründung unterstützen. Im Gegensatz zu Wagniskapitalgebern (Venture Capitalists), die sich vor allem für ertragreiches Wachstumspotenzial und hohe Gewinnmargen interessieren. Diese unterstützen Start-Ups meist auch erst, wenn es ein vorzeigbares Produkt gibt, bei dem ein eventueller Erfolg oder Misserfolg besser abzuschätzen ist.

Ein Business Angel investiert neben der Renditeerwartung, meist vielmehr aus Sympathie und Begeisterung für ein Produkt und das Team. Er stellt nicht nur das Startkapital, sondern berät, bringt Ideen und eigene Erfahrung mit ein. Der Mehrwert eines Business Angels ist sein Wissen, das er aktiv an die Start-Ups weitergibt. Braucht ein Unternehmen mehr Geld, kann es auch mehr als einen Business Angel poolen. Skype ist anfangs so vorgegangen und konnte seine Angels beim Verkauf an eBay mit dem 350-fachen Return on Investment belohnen. Ein weiterer Vorteil eines Business Angel im Vergleich zu einem Venture Capitalist ist, dass er deutlich weniger Zeit für die Prüfung der Beteiligung aufwendet – in der Regel zwei bis drei Tage. Wer sich einen Unternehmensengel suchen will, sollte aber auch einiges beachten

Abgrenzung zwischen Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels.
By Alexej Martens (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Wie findet man den richtigen Business Angel?

Der Markt an Business Angels in Deutschland ist nicht so groß wie in den USA, wächst in den letzten Jahren aber stetig. Um den Richtigen für sich zu finden, sollte man sich etwas Zeit nehmen und gut recherchieren. Gute Vorbereitung ist wie so oft die halbe Miete. Wer einen Business Angel sucht, sollte also erst einmal ein überzeugendes Konzept erarbeiten. Das bedeutet nicht, dass es perfekt sein muss. Ein erfahrener Geschäftsmann erwartet das von jungen Unternehmern auch nicht, aber es sollte trotzdem durchdacht sein. Vor allem soll die eigene Begeisterung für das Projekt rüberkommen, am besten mit einer interessanten Entstehungsgeschichte verknüpft. Denn Sympathie und Offenheit punkten besonders.

Üblich ist es mittlerweile auch, seine Idee in einem One-Pager auf den Punkt zu bringen und sich damit bei einem Unternehmen zu bewerben. Dabei soll sich das Team auf das wesentliche konzentrieren, wie den Businessplan, das Produkt, das Alleinstellungsmerkmal. Manchmal wird statt dem One-Pager auch ein Pitch-Deck, eine 10 bis 16-seitige Präsentation mit selbigen Informationen eines One-Pagers, erstellt. Grundsätzlich ist hier wichtig: dran bleiben. Sollte nach zwei bis drei Wochen keine Reaktion kommen, einfach nachfragen. Das ist nicht penetrant, sondern zeigt Eigeninitiative. Außerdem ist es nicht verkehrt, mehrgleisig zu fahren und mehrere Business Angels gleichzeitig zu kontaktieren. Hilfreich kann da eines der Netzwerke sein, die es mittlerweile in ganz Deutschland gibt. Besonders die BAND (Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.) kann bei der Suche unterstützen. Ihre Mitglieder sind außerdem geprüft und so läuft man nicht Gefahr auf einem sogenannten Business Devil reinzufallen, die zwar viel versprechen, aber wenig halten.

Wer beispielsweise etwas im Bereich Technik gründen will, sollte sich außerdem am besten an jemanden wenden, der Ahnung von seiner Branche hat. Viele Business Angels investieren nur in Bereichen, für die sie über eigenes Wissen verfügen und daher die präsentierte Geschäftsidee und das Geschäftsmodell ausreichend durchdringen können. Vor allem sollte aber die Chemie und die Sympathie zwischen den beiden Parteien stimmen, da es nicht nur um einen Geldaustausch, sondern auch einen persönlichen Erfahrungs- und Wissensaustausch geht.

Ein Bambus-Fahrrad von my Boo. Fotocredit: Melina Gentner

Bambus-Fahrräder mit maritimer Unterstützung

Das Start-Up my Boo aus Kiel stellt Fahrräder mit Bambusrahmen her. Diese lassen sie in Ghana von einem sozialen Projekt produzieren. Die Idee kam den Gründern Jonas und Maximilian während ihres Studiums. Als sie auf der Suche nach einem Investor waren, stellten sie ihre Idee Hans Helmut Schramm vor, dem Inhaber einer mittelständischen Firmengruppe im maritimen Bereich in Brunsbüttel. Der erklärte sich noch während der Präsentation bereit, die Jungunternehmer zu unterstützen – ohne dass er jemals eines der Räder ausprobiert hatte. Denn bis dato gab es nicht einmal einen Prototypen. Er unterstütze sie zudem nicht nur mit Geld, sondern auch mit seinem unternehmerischen Know-How und mit seinem Team aus Ingenieuren und Marketingleuten. Mittlerweile läuft das Start-Up und Hans Helmut Schramm ist nur noch stiller Teilhaber und natürlich selber im Besitz so einiger Bambusräder. 

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