Menü

MORE THAN SHELTERS

Das Hamburger Sozialunternehmen konzipiert und baut innovative Rückzugsräume für geflüchtete Menschen.

Markus Hensel Malte Metag

Startup GesellschaftInnovationEntwicklungszusammenarbeitVerantwortung Hamburg

MORE THAN SHELTERS Logo

Das Hamburger Sozialunternehmen MORE THAN SHELTERS konzipiert und baut innovative Rückzugsräume für geflüchtete Menschen. Gründer Daniel Kerber ist studierter Künstler und hat zusammen mit seinem Team bereits Projekte auf der ganzen Welt umgesetzt.

MORE THAN SHELTERS

Daniel Kerber

Daniel Kerber und Anna Bönisch E-Mail: info@morethanshelters.com

GmbH und e.V.

Gaussstraße 19b
22765 Hamburg
Hamburg, Deutschland

info@morethanshelters.com

Geflüchtete Menschen, die in Deutschland ankommen, haben meist alles verloren. Sie besitzen nur noch das, was sie am Körper tragen, ihnen fehlen Kleidung, Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Die meisten werden in Notunterkünften untergebracht und müssen für lange Zeit in Wohncontainern, Turnhallen, Elektromärkten oder Möbelhäusern hausen. Was sie am meisten brauchen, ist eine menschenwürdige Unterkunft mit Rückzugsräumen und zumindest einem Minimum an Privatsphäre.

Das Hamburger Sozialunternehmen MORE THAN SHELTERS hat in Deutschland bereits mehrere solcher Rückzugsräume eingerichtet. In seiner Heimatstadt ist das Team um den Designer und Firmengründer Daniel Kerber bereits seit mehreren Monaten aktiv. In einer Flüchtlingsunterkunft hat MORE THAN SHELTERS eine Teestube für alleinreisende Männer eröffnet. Dort können die Geflüchteten zusammen Schach spielen, Deutsch lernen und am Abend sogar gemeinsam tanzen. Außerdem hat das Sozialunternehmen Frauenräume eingerichtet: „Dort haben Frauen mehr Privatsphäre und können sich auch mal unverschleiert zeigen. Das ist sehr wichtig für sie, aber sonst fast nie möglich“, sagt Anna Bönisch, Relationship Managerin bei MORE THAN SHELTERS.

Daniel Kerber, Gründer von MORE THAN SHELTERS

Um diese Rückzugsräume schnell aufzubauen, nutzt MORE THAN SHELTERS sogenannte DOMOs, die von Firmengründer Daniel entwickelt wurden. DOMOs sind sechseckige Wohnmodule, die man mit Hilfe eines Baukastenprinzips flexibel den eigenen Bedürfnissen anpassen kann. Auf ein Tragwerk kann man je nach Witterung unterschiedliche Hüllen setzen, durch variable Wandteile mehrere Module miteinander verbinden.

Dass seine DOMOs als Zelte bezeichnet werden, hört Daniel Kerber nicht gerne: Als Notlösung zur Flüchtlingsunterbringungen haben die längst einen schlechten Ruf und gelten als nicht wetterfest, unbequem und unflexibel. Das DOMO soll für das Gegenteil stehen – eine Unterkunft, die die Bewohner nach ihren individuellen Bedürfnissen anpassen können und in der sie sich wohlfühlen. Kurz: ein Zuhause. „Das Besondere daran ist, dass die Bewohner selbst zu Gestaltern werden. Dass man also nicht für sie baut, sondern mit ihnen“, sagt Daniel.

DOMOs in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft

Dass die DOMOs auch in Deutschland genutzt werden, war am Anfang nicht geplant. Erst als die Situation immer schlimmer wurde, entschied sich das Team, sie auch hierzulande für Sozialprojekte einzusetzen. Entwickelt hat Daniel die Wohnmodule aber eigentlich für den Einsatz im Ausland. Der studierte Künstler reiste für seine Projekte viele Jahre um die Welt und beschäftigte sich damit, wie Menschen in Extremräumen leben. 2014 besuchte er das Flüchtlingslager Za’atari in Jordanien. Dort wurde er mit katastrophalen Zuständen konfrontiert: Auf engstem Raum leben mehr als 80.000 Menschen, viele von ihnen haben nicht einmal Zugang zu sauberem Wasser.  Deshalb beschloss Daniel, sein Wissen zu nutzen, um den Menschen in Not zu helfen. Mit Hilfe von Social-Design-Methoden versuchte er, ihre Lebenssituation zu verbessern. Zusammen mit den Bewohnern und seinem Team entwickelte er innovative Stadtplanungskonzepte wie effektive Recyclingsysteme und ein funktionierendes Wassernetzwerk.

Links: Das Flüchtlingscamp Za’atari (Foto: Daniel Kerber)
Rechts: Relationship Managerin Anna Bönisch (Foto: Markus Hensel)

Schon bevor Daniel nach Za’atari kam, hatte er erkannt: Was den Bewohner solcher Camps am meisten fehlt, ist Privatsphäre. Die meisten Bewohner schlafen in genormten Zelten des UNHCR, die sich nur schwer ihren eigenen Bedürfnissen anpassen lassen. Deshalb hatte er bereits 2012 das Sozialunternehmen MORE THAN SHELTERS gegründet und das DOMO entwickelt. Nach einer längeren Testphase finanzierte das Unternehmen per Crowdfunding die ersten Wohnmodule und setzte bereits mehrere Projekte um: Nach dem schweren Erdbeben in Nepal im Frühjahr 2015 richtete MORE THAN SHELTERS dort ein temporäres Kinderheim und eine Schule ein, auf der griechischen Insel Lesbos werden die DOMOs als Notunterkünfte für Familien genutzt. In Za’atari kamen aber fast keine DOMOs zum Einsatz. Um das Wohnmodul an den UNHCR und NGOs verkaufen zu können, muss es erstmal aufwendig geprüft werden – ein Prozess, der mehrere Jahre dauern kann.

Bis das Prüfverfahren abgeschlossen ist, verkauft MORE THAN SHELTERS die DOMOs an private Interessenten und finanziert die sozialen Projekte über Spenden. Dafür hat Daniel Kerber eine GmbH und einen Verein gegründet, mittlerweile hat er sechs Mitarbeiter angestellt. Mit seinem Unternehmen darf er Profit machen, es ist jedoch genau festgelegt, was mit dem Gewinn passieren muss. Ein Großteil wird zur Weiterentwicklung der Produkte benutzt oder fließt direkt in den Verein – mit diesem Geld werden dann die sozialen Projekte finanziert.

Ein geflüchtetes Mädchen auf der griechischen Insel Lesbos

Gerade hat MORE THAN SHELTERS das Planungsmandat für eine neue Großunterkunft in Berlin-Tempelhof bekommen. Zusammen mit dem Senat entwickelt das Sozialunternehmen dort ein Konzept, um Flüchtlinge langfristig menschenwürdig unterzubringen. Schutz- und Rückzugsräume sollen von Beginn an mitgedacht werden – damit die Bewohner genügend Privatsphäre haben, um sich von dem erholen zu können, was sie erlebt haben. Dabei gehe es um eine ganzheitliche Lösung, sagt Anna Bönisch: „Wir möchten die Bewohner von Anfang an so in die Nachbarschaft integrieren, dass Konflikte oder Vorurteile gar nicht erst entstehen können.“

Profil als PDF speichern

Profil teilen