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Bellevue di Monaco - ein Willkommenszentrum im Herzen von München

Die Sozialgenossenschaft setzt sich mit Prominenz und Einfallsreichtum für einen humaneren Umgang mit geflüchteten Menschen ein.

Startup IntegrationGesellschaft München

Bellevue di Monaco Logo

Hinter Bellevue di Monaco steht ein breites Bündnis aus Flüchtlingsunterstützern und Juristen, Profis aus der Sozialarbeit, Kulturschaffenden und Politaktivisten. Die Sozialgenossenschaft will in der Müllestraße 2-6 ein Haus der Begegnung für Flüchtlinge und Münchnerinnen und Münchner schaffen.

Bellevue di Monaco

Till Hofmann, Angela Bauer, Matthias Weinzierl

Till Hofmann (Vorstandsvorsitzender)

eG Gemeinnützige Sozialgenossenschaft

2015

Müllerstraße 2
80469 München
Deutschland

info@bellevuedimonaco.de

Idomeni - eigentlich nur ein kleines nordgriechisches Dorf an der Grenze zu Mazedonien. Durch die Ereignisse der letzten Wochen und Monate ist es allerdings zum Symbol einer polarisierenden Debatte um Flüchtlingspolitik, Abschottung und Willkommenskultur geworden. Bellevue di Monaco wollen bei dieser Debatte klar Stellung beziehen und sich für Menschlichkeit einsetzen - so schicken sie kurzerhand unter dem Motto “Packmos!” vier Lastwagen mit gespendeten Hilfsgütern in das Flüchtlingslager.

Einer der Initiatoren von Bellevue di Monaco: Matthias Weinzierl vom Bayrischen Flüchtlingsrat

Dieses Projekt ist nicht das einzige Ungewöhnliche bei Bellevue di Monaco. Ungewöhnlich ist auch ihre Entstehungsgeschichte: Alles begann im März
2013 mit der Gründung der Aktionsgruppe Goldgrund Immobilien. Die Satire-Gruppe um Till Hofmann, dem Journalisten Alex Rühle und dem Filmemacher und Galeristen Christian Ganzer wollte sich mit einem fiktiven Luxus-Bauprojekt an der Münchner Freiheit gegen Gentrifizierung und Immobilienwahn einsetzten - mit Erfolg. In München entstand eine breite Diskussion über die Gentrifizierung ganzer Stadtteile, die Entmietung preiswerten Wohnraums in der Innenstadt und die Unterbringung von Flüchtlingen in Notunterkünften am Stadtrand. Doch damit nicht genug, die nächste Aktion der Aktivisten richtete sich gegen die Stadt München selbst. In deren Besitz die angeblich baufällige Immobilie Müllerstraße 2-6 in bester Innenstadtlage - sie sollte abgerissen und das Grundstück zum Verkauf an gut zahlende Investoren bereit gestellt werden. Da tauchte im Internet ein Video auf, hochgeladen durch “Goldgrund”: Es zeigte als Gorillas verkleidete Aktivisten wie sie im Handumdrehen eine als baufällig bezeichnete Wohnung der Müllerstraße 6 wieder instand setzten. Am Ende des Videos nahmen sie die Masken ab - zum Vorschein kamen u.a. der ehemalige Fußballprofi Mehmet Scholl, Kabarettistin Luise Kinseher, die Sportfreunde Stiller, Blumentopf, Kabarettist Dieter Hildebrandt und weitere Künstler.

Sozialgenossenschaft
Sozialgenossenschaften sind wirtschaftlich tätige Körperschaften, deren Mitglieder oder Beschäftigte im sozialen Sektor arbeiten bzw. dort zuzuordnen sind und deren Solidarität über die Mitglieder hinaus am Gemeinwohl orientiert ist. Die Organisationsform der Genossenschaft kann, anders als etwa ein Verein, besser investieren und wirtschaften und wirbt das notwendige Eigenkapital in Form von Geschäftsanteilen ein.

Das Interesse der Öffentlichkeit war geweckt und die Stadt München in Erklärungsnot. Dennoch hielt die Stadt zunächst weiterhin an ihren Abrissplänen fest und ließ sich erst im Februar 2015 nach weiteren Protestaktionen und langem Hin und Her umstimmen. Till Hofmann und den anderen Initiatoren ging es aber um weit mehr als nur darum den Abriss zu verhindern: Sie wollten in dem von Gentrifizierung gepeinigten Glockenbachviertel ein Zentrum für Kulturarbeit, Austausch und Unterbringung schaffen. Einen Ort der Begegnung, mit dem das Thema Flucht und Migration von den Stadträndern ins Herz der Stadt zurückgebracht wird. Aus dieser Idee heraus entstand das Aktionsbündnis Bellevue di Monaco, das, nachdem der Stadtrat grünes Licht für den Umbau und die soziale Nutzung der Häuser in der Müllerstraße gegeben hat, in eine gemeinnützige Sozialgenossenschaft umgewandelt wurde. Damit stand allerdings die Umsetzung des Projekts noch lange nicht fest: Bellevue di Monaco musste zunächst eine Bewerbung auf eine offizielle Ausschreibung der Stadt München einreichen und einen Auswahlprozess durchlaufen, da eine Direktvergabe als nicht zulässig angesehen wurde. Im April 2016 konnte dann schlussendlich der Erbaurechtsvertrag unterschreiben werden.

Erbbaurecht
Beim Erbbaurecht, auch Erbpacht genannt, erwirbt jemand das Recht, auf einem Grundstück ein Haus zu bauen, oder er kauft eine bereits gebaute Immobilie, ohne dass ihm der Boden gehört. Dieser bleibt im Besitz des Grundeigentümers, der dafür eine monatliche Mietgebühr verlangt. Die Laufzeit des Erbbaurechts ist zeitlich begrenzt, bei Bellevue di Monaco sind es 40 Jahre.

Momentan sind die Renovierungen in vollem Gange: Unter der Mitarbeit zahlreicher fleißiger ehrenamtlicher Helfer konnte das Gebäude Müllerstraße 2 bereits komplett gestrichen und in einen vorzeigbaren Zustand gebracht werden. Das Ziel ist es, in den Gebäuden mehr als nur ein einseitiges Integrationsprojekt zu verwirklichen. Vielmehr soll durch vielseitige Kulturangebote ein Ort des beidseitigen Austauschs zwischen Münchnern und Flüchtlingen geschaffen werden, an dem ein selbstverständliches Zusammenkommen und -leben möglich ist. Wie und ob dieses Projekt dann in der Praxis funktioniert bleibt abzuwarten, durch ihre breite und prominente Aufstellung aus Profis aus der Sozialarbeit, Kulturschaffenden, Experten der Flüchtlingsarbeit und renommierte Personen der Kunst- und Theaterwelt bringt Bellevue di Monaco aber gute Voraussetzungen mit.

Der Vorstand von Bellevue di Monaco, v. l. n. r.: Matthias Weinzierl (Bayerischer Flüchtlingsrat), Angela Bauer (HPKJ) und Till Hofmann (Lustspielhaus, Lach & Schieß), © Lisa Hinder

 

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