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Kartoffelkombinat - Solidarische Landwirtschaft in der Kiste

Das Kartoffelkombinat baut eine genossenschaftliche Struktur für die regionale und ökologische Lebensmittelversorgung auf.

Benjamin Zilker David Freudenthal

Startup ErnährungRegional München

Kartoffelkombinat Logo

Das Kartoffelkombinat ist eine Genossenschaft für die regionale, saisonale und ökologische Lebensmittelversorgung. Das Kartoffelkombinat definiert mit der solidarischen Landwirtschaft das Produzenten-Konsumenten Verhältnis neu und fördert aktiv bewusstere Konsumenten.

Kartoffelkombinat

Daniel Überall, Simon Scholl

Daniel Überall

eG

2012

Kräuterweg 1
85244 Schönbrunn
Bayern, Deutschland

daniel@kartoffelkombinat.de

Lebensmittel kauft man im Supermarkt ist doch klar! Wo das Essen herkommt und wie es produziert wurde ist Nebensache!

Nicht so für Daniel Überall, Kommunikationswirt und  Gründungsmitglied von utopia.de, und Simon Scholl, Betriebswirt und Interkultureller Trainer, vom Kartoffelkombinat in München. Die beiden haben sich gedacht, dass es auch eine alternative, nachhaltigere und vor allem bewusstere Form der Versorgung mit Lebensmitteln geben kann und sind so kurzerhand selbst zu Lebensmittelproduzenten geworden. Das alles in einer Zeit, in der Diskounter, Supermärkte und Bioläden mit einer großen Auswahlmöglichkeit, schneller Verfügbarkeit und dem immer gleichbleibenden Warenangebot aufwarten. Und das ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für Mensch und Umwelt.

Simon und Daniel vor dem Gewächshaus
LOHAS
(engl. Lifestyles of Health and Sustainability) bezeichnet Personen, die einen Lebensstil pflegen, der von Gesundheitsbewusstsein und -vorsorge sowie der Ausrichtung nach Prinzipien der Nachhaltigkeit geprägt ist.

Die Ökokiste (bei der Biogemüse und Obst nach Hause geliefert werden) ist vielen bereits ein Begriff. Das Angebot der bio-zertifizierten Ökokiste, die größtenteils regional und saisonal ist, bedient eine Zielgruppe, denen eine gesunde und nachhaltige Lebensmittelversorgung wichtig ist (LOHAS).

Die zwei Jungs vom Kartoffelkombinat wollen mit ihrem Projekt jedoch noch einen Schritt weitergehen. Doch wie kann sich der einzelne noch mehr mit einbringen, als „nur“ biologisch und regional einzukaufen? Na indem man sich an der Produktion selber beteiligt oder zumindest die Umstände der Lebensmittelerzeugung aktiv und bewusst mitgestaltet!

Genossenschaft
Eine Genossenschaft existiert ausdrücklich für die Förderung ihrer Mitglieder und wirtschaftet auch nur für diese. Dabei verbinden sie die Vorteile einer Kapitalgesellschaft und eines Vereins. Eine eG besitzt ein hohes Maß an Transparenz und Demokratie und Arbeitet nach den Prinzipien der Selbsthilfe. 

Aus diesem Gedanken heraus haben Daniel und Simon die Genossenschaft rund um das Kartoffelkombinat gegründet. Mit inzwischen um die 700 Haushalten in und um München herum ist diese bereits zu einem beachtlichen Zusammenschluss von bewussteren Prosumenten angewachsen. Jedes Mitglied zahlt einmalig einen Genossenschaftsanteil von 150 Euro und 68 Euro monatlich für einen Ernteanteil. Der Ernteanteil wird in Form eine Kiste mit einer bunten Mischung an unbehandelten, saisonalen und ökologisch angebauten Gemüse und Obst (wahlweise auch Biobrot) zu sogenannten Verteilpunkten in der Stadt geliefert, bei denen die Mitglieder ihre Kiste abholen können. Da der Inhalt der Kiste aus regionalen und saisonalen Gemüse besteht, kann es beim ein oder anderen auch immer wieder zu Fragen nach der geeigneten Verarbeitung  kommen – beispielsweise wie er die Schwarzwurzel oder die Mairübchen geschmackvoll zubereitet. Hierfür gibt es einen kleinen Beipackzettel (auch online im Forum) mit leckeren Rezepten und Verarbeitungshinweisen zum jeweiligen Inhalt der Kiste. Soweit das Angebot des Kartoffelkombinats.

Nun zur Rolle eines Genossen. Zunächst einmal gilt es zu sagen, dass jeder selbst entscheiden kann, in welchem Maße und wie oft er sich einbringen möchte. Eine Entscheidung, die von Daniel und Simon auch so gewollt ist. Es gibt viele Möglichkeiten, sich als aktives Mitglied der Genossenschaft zu engagieren. Sei es bei Entscheidungen zur Anbauplanung in den Mitgliederversammlungen oder bei Seminaren zum Thema nachhaltiger und lokaler Ernährung. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, den Produktionsort in Schönbrunn bei München zu besuchen, und sowohl die Menschen als auch den tatsächlichen Anbau der Lebensmittel kennenzulernen. Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten, wie einem Hoffest oder den gemeinsamen Ernteaktionen, können auch passivere Mitglieder erreicht werden.

Jeder Genosse leistet mit der Mitgliedschaft und der damit verbundenen Abnahmegarantie, zu der sich die Mitglieder verpflichten – einen entscheidenden Schritt zu einer lokalen und gemeinwohlorientierten Lebensmittelproduktion. Denn das Vertrauensverhältnis zwischen Konsumenten und Produzenten, das dafür nötig ist, ist nur mit realen und direkteren Beziehungen herzustellen.

Simon Scholl

Inzwischen besteht das Team aus zehn Mitarbeitern, die sich um die Anbauplanung, Logistik, Mitgliederversammlungen, administrativen Aufgaben und die Community kümmern. Das Kombinat trägt sich inzwischen selbst, und dennoch bleibt es für die beiden Gründer eine herausfordernde Aufgabe, den Spagat zwischen nachhaltiger und fairer Produktion von Lebensmitteln sowie partizipativer Entscheidungsfindung und Aufklärungsarbeit zu meistern.

Lest auch das Interview mit Daniel und Simon!

Daniel Überall

 

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