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Nata y Limòn — mehr als nur ein Kissen

Das Start-Up bringt Neues auf den Interior Markt: Taschen und Kissen aus guatemaltekischen Stoffen. Damit wollen sie Frauen der indigenen Völker stärken.

Caroline Deidenbach Jorge Estuardo De León

Startup DesignMaterialGesellschaft BerlinMünchen

Nata Y Limón Logo

Nata y Limòn designen handgefertigte Textilien und Lifestyle-Produkte gemeinsam mit MeisterweberInnen aus dem Hochland von Guatemala. Ihr Ziel ist es, die traditionelle Webkunst zu einer sicheren Einnahmequelle für 150 WeberInnen zu machen.

Nata Y Limón

Marlene Walter, Anne Schneider

Marlene, Anne; hallo@nataylimon.de

Einzelunternehmen

2016

c/o Impact Hub, Gotzingerstraße 8
81373 München
Deutschland

hallo@nataylimon.de

Etwa 50 Prozent macht die indigene Bevölkerung Guatemalas aus. Sie ist der Grund, warum Touristen kommen. Sie ist das kulturelle Aushängeschild des Landes. Für sie getan wird hingegen wenig. Es herrscht Armut, Alkoholismus, Analphabetismus. Viele Männer sind während des langen Bürgerkrieges in Guatemala gestorben. Viele von denen, die überlebt haben, versuchen heute ihr Glück in Amerika. Wer zurück bleibt, sind die Frauen, die teilweise in Kooperativen zusammengeschlossen sind und von den Webarbeiten der traditionellen Stoffe leben.

All das hat Marlene während ihrer Arbeit als Freiwillige in einer Women-Empowerment-Organisation in Guatemala hautnah mitbekommen. Aus ihren Beobachtungen entstand die Idee, diese einzigartigen Textilien auf den europäischen Markt zu bringen und so den Frauen vor Ort zu helfen. Kurz bevor Marlene nach Guatemala reiste, hatte sie ihren Job im Marketing im B2B-Bereich in München gekündigt. Sie hatte sich einfach nie wohl gefühlt bei den großen Unternehmen — obwohl sie dort eigentlich immer hinwollte. Doch sie musste erst einmal raus. Raus aus Deutschland, mal etwas anderes machen.

Die Gründerinnen von Nata y Limòn Marlene (links) und Anne (rechts).

Relativ zeitgleich, aber unabhängig voneinander, hatte auch Anne, ihre Freundin aus Berlin, aus den gleichen Gründen ihren Job gekündigt, um für ein Bildungsprojekt nach Costa Rica zu reisen. Als Marlene ihrer Freundin von der Idee erzählte, die guatemaltekischen Stoffe nach Europa zu bringen, war Anne sofort dabei. Zurück in Deutschland standen dann beide vor der Frage: Wollen wir das wirklich? Keine der beiden hatte Erfahrungen mit Unternehmensgründungen. Erste Unterstützung bekamen sie von der Arbeitsagentur. Sie machten einige Seminare zum Thema Existenzgründung und bekamen einen finanziellen Zuschuss. Doch vor allem durch das Impact Hub München und in Berlin konnten sie sich mit anderen Sozialunternehmen vernetzen und viel über die Gründung eines Start-Ups lernen. 2016 gründeten sie dann ihr Unternehmen und entwickelten ihre erste Kollektion.

Nun sind die klassischen Muster in Guatemala sehr bunt und die Zusammenstellung zwar auf dem ersten Blick anziehend, sie treffen aber doch nicht ganz den Geschmack der europäischen Bevölkerung. Deswegen haben sich Nata y Limòn mit der Textildesignerin Georgina Espasa aus Berlin zusammengetan, um die Farbtöne etwas anzupassen und auch vereinfachte Muster zu entwickeln. Denn nicht jede Weberin kann auch jedes komplexe Muster herstellen. Die Materialien kaufen die Frauen auf dem Markt vor Ort — natürlich gefärbt wird nur noch in sehr wenigen Fällen. Dieses Wissen ist mit der Zeit verloren gegangen. Auch etwas, an dem Marlene und Anne arbeiten wollen: verlorenes Wissen wiedererwerben.

Die Weberin Catarina bei der Arbeit für Nata y Limòn.

„Die Frauen sind einfach super stolz, wenn sie Bilder von ihren Sachen bei uns in Deutschland sehen“, sagt Marlene. Den Preis bestimmt am Ende jede Weberin selbst, denn wie viel der Stoff kostet, hängt von der Webdauer, dem Muster und dem Material ab. Vor allem die Webdauer ist sehr individuell, denn jede Weberin bringt unterschiedliche Erfahrungen mit und hat aufgrund ihrer persönlichen Familiensituation, unterschiedliche Kapazitäten. Dafür gibt es keinen Standard. Wenn die Stoffe fertig sind, werden sie vor Ort in einem Atelier zu Kissen und Taschen genäht. Marlene und Anne haben sich bewusst für diese Produkte entschieden, da es ihnen vor allem darum geht, dass die Weberinnen einen fairen Lohn für ihre Arbeit erhalten und somit eine Zukunft für ihre Kinder und ihre Kultur schaffen.

Um das zu bewältigen, haben Nata y Limòn eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter am Laufen. 20.000 Euro müssen sie bis zum 20.Oktober zusammenbekommen, um ihre erste Produktion in Guatemala starten zu können. Für die Zukunft können sie sich auch vorstellen, mit Hotels oder Geschäften für Inneneinrichtung zusammenzuarbeiten. Der Name Nata y Limòn ist übrigens eher zufällig entstanden und bedeutet „Sahne und Zitrone“ — womit sich die Wahl-Münchnerin Marlene und die Berlinerin Anne auch ganz gut identifizieren können.

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