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Megatrend Green Startups

Entwicklung einer nachhaltigen Gründungskultur in Deutschland

Dr. Ralf Weiß

UmweltInnovationEnergie

Kein Tag, an dem kein grünes Unternehmen gegründet wird. Keine Branche, die nicht von grünen Startups herausgefordert würde. Kein Bundesland, das pro 10.000 Erwerbstätigen nicht mindestens eine grüne Gründung zählt. Im Durchschnitt der letzten Jahre wurden in Deutschland täglich etwa 27 Unternehmen mit einem grünen Geschäftsfokus gegründet. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass Umwelttechnologien zusammen mit E-Business und Software für Business Angels zu den drei wichtigsten Feldern gehören. Dabei würde nur ein Teil der grünen Gründungen ihr Produkt oder ihre Dienstleistung als Umwelttechnologie bezeichnen. Die Bandbreite grüner Startups ist groß und umfasst Kleinwindanlagen ebenso wie Upcycling-Produkte, Crowdfunding-Plattformen für Energieeffizienz-Projekte oder nachhaltige Mode. Um fast 29 Prozent stieg ihre Zahl im Jahr 2014 an.

Viertgrößter Gründungsbereich

Bei jedem siebten jungen Unternehmen in Deutschland lässt sich dessen Geschäftsbereich der Green Economy zuordnen. So bieten rund die Hälfte der grünen Gründungen Lösungen im Bereich der Erneuerbaren Energien an. Betrachtet man die Sektorverteilung aller Gründungen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung, zählt die Green Economy zu den vier größten Gründungsbereichen in Deutschland. Rund 10.500 junge Unternehmen hatten im Durchschnitt der vergangenen acht Jahre ihren geschäftlichen Schwerpunkt auf Ressourcenschonung, Energieeffizienz, Klimaschutz oder Kreislaufwirtschaft. Im Handel, im Baugewerbe und bei den wissenschaftlich-technischen Dienstleistungen liegen die Gründungszahlen noch darüber. Deutlich weniger Gründungen verzeichnen der IKT-Sektor oder der Energiesektor.

Quelle: Green Economy Gründungsmonitor 2014.

Grüne Startups im Energiesektor dominierend

Vergleichbar dem High-Tech-Bereich handelt es sich bei der Green Economy um einen Querschnittsbereich, der sich über alle Wirtschaftssektoren erstreckt und dessen Gründungen sich auf die unterschiedlichen Sektoren, etwa den Handel, die Industrie oder die Energieversorgung  verteilen. Das „Greening“, also die ökologische Modernisierung der Wirtschaft, erfasst dabei sämtliche Wirtschaftssektoren von der Land- und Forstwirtschaft über das Verarbeitende Gewerbe und die Energieversorgung bis hin zum Handel, dem IKT-Sektor und verschiedenen Dienstleistungsbereichen. Im Hinblick auf die Energiewende kommt den Gründungen im Energiesektor eine besondere Bedeutung. Ihre Zahl hat von 2006 bis 2010 deutlich zugenommen, ist seitdem jedoch wieder rückläufig. In keinem anderen Sektor ist die grüne Transformation so deutlich am Gründungsgeschehen ablesbar wie im Energiesektor, in dem 86 Prozent aller Sektorgründungen der letzten 8 Jahre mit grünen Produkten und Dienstleistungen an den Markt gegangen sind. Für den Energiesektor in Deutschland lässt sich das auf die Formel bringen, dass dort grüne Startups dominieren und nahezu alle Startups die Energiewende treiben.

Quelle: Green Economy Gründungsmonitor 2014.
 

Über alle Sektoren hinweg haben Gründungen in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz einen Anteil von 11,5 Prozent an allen Betriebsgründungen in Deutschland. Internationale Vergleiche zeigen, dass Deutschland bei Gründungen im Bereich der Energiewende insgesamt eine führende Rolle hat. So liegt der Anteil der Gründungen in den beiden Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz etwa in Schweden zusammen bei rund 9 Prozent und in Finnland bei rund 7 Prozent. Unter den großen Gründungssektoren zeigt insbesondere auch das Baugewerbe mit einem Anteil von 44 Prozent grüner Gründungen eine weit überdurchschnittliche grüne Gründungsdynamik. Wie in keinem anderen Sektor liegt hier bei mehr als jedem zweiten Startup ein besonderer Schwerpunkt auf Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz. Überdurchschnittliche grüne Gründungsanteile haben auch das Verarbeitende Gewerbe und wissenschaftlich-technische Gründungen.

Positive und volatile Gründungsdynamik

Jahr für Jahr werden in Deutschland rund 2,5 Prozent weniger Unternehmen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gegründet. Seit 2006 ist die Entwicklung der Gründungszahlen bei den Betriebsgründungen insgesamt rückläufig und liegt ihre Zahl im Jahr 2013 mit rund 129.000 um 21 Prozent unter dem Niveau von 2006. Die Gründungszahlen im Bereich der Green Economy haben dagegen insbesondere zwischen 2010 und 2012 zweistellig zugelegt. Grüne Gründungen zählen damit nicht nur zu den vier größten Gründungsbereichen, sondern sorgen auch für eine positive Gründungsdynamik. Insgesamt folgen die Gründungen im Bereich der Green Economy keinem einheitlichen Trend. Rückläufigen Gründungszahlen in vier Jahren stehen dort Zuwächse ebenfalls in vier Jahren gegenüber. Insgesamt lässt sich die grüne Gründungsdynamik seit 2006 als Wellenbewegung beschreiben, die nach dem bisherigen Höchststand im Jahr 2006 mit 25.800 Gründungen alle drei Jahre einen Höhepunkt erreicht und in den Zwischenjahren deutlich zurückgeht. Den bisherigen Tiefststand erreichten die grünen Gründungen im Jahr 2010 mit 16.500 Gründungen. Im Jahr 2014 nahmen die grünen Gründungen um fast 29 Prozent auf 21.500 zu.

Quelle: Green Economy Gründungsmonitor 2014.

* Grüne Gründungen mit Produkten und Dienstleistungen im Bereich der Green Economy im Haupt- und Nebengeschäft

Hohe grüne Gründungsintensität im Norden

In den Bundesländern zeigen sich Zusammenhänge zwischen den Gesamtgründungen der Bundesländer und der Gesamtzahl der grünen Gründungen. So zählen die beiden großen Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen mit über 30.000 Gründungen im Bereich der Green Economy zu den Spitzenreitern bei der Gesamtzahl grüner Startups. Bezogen auf die Bevölkerungszahl und die Zahl der Erwerbsfähigen liegen Hamburg und Schleswig-Holstein vorne. Pro 10.000 Erwerbsfähigen gehen in Hamburg rund 12 Unternehmen und in Schleswig-Holstein rund 7 Unternehmen mit grünen Produkten und Dienstleistungen an den Markt. Beide liegen auch vor Berlin, das mit der höchsten Gründungsintensität bei den gesamten Gründungen gerne als Gründerhauptstadt bezeichnet wird. Wichtige Einflussfaktoren für das grüne Gründungsgeschehen in den Bundesländern sind die bestehende Wirtschaftsstruktur, die Gründungs-, Wirtschafts- und Innovationsförderung, Hochschulen und spezifische Akteure und Netzwerke. Hier zeigen Beispiele wie die Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg oder die Umweltcluster in Bayern und Nordrhein-Westfalen, in welcher Weise die Bundesländer gezielte Schwerpunkte für die grüne Wirtschaft setzen können.

Quelle: Green Economy Gründungsmonitor 2014.

Globale Marktpotenziale für junge GreenTec-Unternehmen

Die grünen Gründungen zielen auf GreenTech-Märkte, für die bis 2025 ein globales Marktvolumen von 5.385 Mrd. Euro prognostiziert wird. Zu den beiden größten Märkten zählt zum einen der Bereich Energieeffizienz mit einem Marktvolumen von 1.365 Mrd. Euro und zum anderen die umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie mit einem Volumen von 990 Mrd. Euro, von dem 602 Mrd. Euro auf das Marktsegment Erneuerbare Energien entfallen. Für den Bereich Rohstoff- und Materialeffizienz liegt das vorhergesagte Marktvolumen bei 934 Mrd. Euro, darunter 149 Mrd. Euro für das Marktsegment Nachwachsende Rohstoffe.

Quelle: Green Economy Gründungsmonitor 2014.
 

Sowohl im Bereich Erneuerbare Energien als auch im Bereich Energieeffizienz gab es in den vergangenen acht Jahren in Deutschland eine hohe Gründungsdynamik und ist eine große Zahl neuer Unternehmen an den Markt gegangen. Weniger ausgeprägt waren Gründungsaktivitäten im Bereich der Ressourceneffizienz, obwohl das globale Marktpotenzial für 2025 sogar noch höher eingeschätzt wird als im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Gründungswettbewerbe als Bühne für grüne Startups

Die starke Gründungsdynamik bei den grünen Gründungen wird zunehmend auch von Gründungs- und Businessplanwettbewerben befördert. Sowohl regionale Wettbewerbe als auch auf nationaler und internationaler Ebene locken inzwischen Preisgelder und Auszeichnungen für Startups, deren Geschäftsmodell im Kern auf Umweltvorteile setzt. So verlieh einer der größten Businessplanwettbewerbe in Deutschland, der BPW Berlin-Brandenburg, bereits zum dritten Mal seinen Sonderpreis Nachhaltigkeit und zeichnete 2015 eine Gründerin im Bereich Nachhaltige Mode aus. Bereits zwei Wettbewerbsrunden gab es bei zwei jungen Gründungswettbewerben, die sich auf unterschiedliche Felder der Green Economy spezialisiert haben. So bietet der vom Nordrheinisch-Westfälischen Umweltministerium geförderte KUER-Gründungswettbewerb ein Gründungs- und Finanzierungscoaching für die Branchen Klima, Umwelt, Energieeinsparung und Ressourcenschonung. Beim europaweit ausgeschriebenen Green Alley Award konkurrieren innovative Lösungen im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft und wurde jüngst ein britisches Startup für Wandverkleidungen aus Getreideabfällen prämiert. Erstmals richteten sich 2015 auch zwei nationale Wettbewerbe ausschließlich an grüne Gründungen. Der unter der Schirmherrschaft der Bundesumweltministerin vergebene StartGreen Award und der Next Economy Award machten bei ihrer Premiere mit jeweils rund 180 Bewerbungen sichtbar, dass die Generation Nachhaltigkeit auch eine Gründergeneration ist. Sowohl in der Gründerszene als auch bei Gründungswettbewerben ist der Megatrend Green Startups inzwischen angekommen. Wenn auch Hochschulen und Business Angels, Gründerzentren und Berater, Wirtschaftsförderer und Banken noch stärker erkennen, dass grüne Gründungen die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Wirtschaft erhöhen und Risiken für Geschäft und Umwelt verringern können, werden noch mehr grüne Startups auch nachhaltig erfolgreich sein.

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