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Teamwork: Besser gemeinsam arbeiten

Gruppenarbeit dominiert unseren Arbeitsalltag. So wird sie zum Erflogsfaktor und nicht zum Albtraum

Markus Hensel Jay Ruzesky

Co-workingPersonStrategieBildung

Sie dominiert unseren Arbeitsalltag, ist in fast jeder Firma nicht mehr wegzudenken und doch oft der Konfliktmotor Nummer eins: Teamarbeit ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Unternehmen. Funktioniert sie, ziehen alle Mitarbeiter an einem Strang und können gemeinsam Großes schaffen. Ist das Team in einem schlechten Zustand, häufen sich Konflikte und Missverständnisse, die im schlimmsten Fall ganze Projekte zum Scheitern bringen.

Ein Beispiel für großartiges Teamwork ist die Enthüllung der Panama Papers: 376 Journalisten aus 76 Ländern wühlten sich durch den 2,6 Terrabyte großen Datensatz eines panamaischen Offshore-Dienstleisters. In den kompromittierenden Dokumenten fanden sich die Namen der Reichen und Mächtigen der Welt, die ihr Vermögen in Steueroasen verstecken.  Mit den Ergebnissen ihrer mehr als einjährigen Recherche brachte das Journalistenteam Großbanken in Verlegenheit, Fußballfunktionäre in Bedrängnis und Regierungschefs zum Rücktritt. Alleine hätte das wohl niemand geschafft.

In diesem Artikel erfährst du, wie du dafür sorgen kannst, dass Gruppenarbeit zum Erfolgsfaktor und nicht zu Albtraum wird, wie sich Teams vom ersten Kennenlernen bis zur effizienten Zusammenarbeit entwickeln, welche Faktoren für eine gute Gruppendynamik wichtig sind und wie du mit Brainwriting-Tools zusammen mit deinem Team kreative und innovative Ideen entwickelst.

Teamentwicklung: Vom Forming zum Performing

Neue Teams durchlaufen alle einen ähnlichen Entstehungsprozess, in dem die Mitglieder allmählich von Einzelkämpfern zu Teamplayern werden. Um diese Entwicklung zu beschreiben, hat der US-amerikanische Psychologe Bruce Tuckman ein Vier-Phasen-Modell entwickelt:

Die Forming-Phase steht ganz am Anfang und hat eigentlich nur ein Ziel: sie möglichst schnell zu überwinden. In diesem Stadium kommen die Teammitglieder erstmals zusammen und kennen sich noch nicht. Vertrauen und Interaktion sind noch gering, die Leistung der gesamten Gruppe ist deshalb sehr niedrig.

In der Storming-Phase kämpfen die Mitglieder um ihre Rolle im Team. Ob Vorstand, kreativer Gestalter, belastbares Arbeitstier, extravertierter Netzwerker oder oberster Bedenkenträger – darüber, wer welche Aufgabe übernehmen darf, gibt es in diesem Entwicklungsstadium viele Konflikte und Diskussionen. Die Mitglieder stehen in besonders großer Konkurrenz zueinander, trotzdem ist es wichtig, dass sie schon in dieser Phase Vertrauen zueinander aufbauen, damit Streitigkeiten nicht eskalieren.

Sobald sich die Teamrollen gefestigt haben, kommt das Team in die Norming-Phase. Konflikte flauen ab, nun geht es darum, gemeinsam wirkungsvolle Regeln und Umgangsformen zu entwickeln, die eine wirkungsvolle Zusammenarbeit ermöglichen. Dabei gilt die Grundregel: Je besser die Zusammenarbeit, desto höher die Effektivität.

Hat ein Team schließlich seine volle Leistungsfähigkeit erreicht, kommt es in die Performing-Phase. Die Mitglieder vertrauen einander, sind sich ihrer Position und Rolle innerhalb des Teams bewusst und arbeiten effektiv zusammen.

Möglichst schnell performen: So entsteht eine positive Gruppendynamik

Zu Konflikten kommt es auch in den besten Teams. Es ist nur wichtig, dass man konstruktiv mit ihnen umgeht. Dafür braucht man eine gesunde Feedback-Kultur. Wenn ein Teammitglied sich von einem schlecht behandelt fühlt, sollte es den Frust nicht in sich hineinfressen, sondern ehrlich sein und Probleme immer offen ansprechen.

Außerdem ist es wichtig, Respekt für die anderen Teammitglieder zu zeigen. Das beginnt schon bei der Pünktlichkeit. Ist ein Meeting um 10:00 Uhr angesetzt, aber die Teammitglieder tröpfeln bis 10:30 Uhr nacheinander ein, ist das nicht nur ineffizient, sondern extrem ärgerlich für alle, die pünktlich waren.

Stattdessen sollten sich alle Mitarbeiter gegenseitige Wertschätzung zeigen, schon allein, indem sie einander zuhören. Wer aufmerksam verfolgt, was die anderen zu sagen haben, zeigt Respekt für die Ideen und Vorschläge seiner Teammitglieder. Aus diesen Vorschlägen muss das Team gemeinsame Zielideen entwickeln. Denn nur wenn sich die Grundinteressen der einzelnen Mitglieder mit denen der Arbeitsgruppen decken, können alle an einem Strang ziehen.

Eine besondere Rolle hat dabei der Teamleiter. Er ist ein Gleicher unter Gleichen und nimmt doch eine Sonderrolle ein. Er schafft den Rahmen für eine erfolgreiche Teamarbeit, ist Moderator und Koordinator, aber nie Dominator. Statt seine eigene Meinung ohne Rücksicht auf die anderen durchzudrücken, sorgt er dafür, dass niemand zu kurz kommt und dass sich jedes Teammitglied mit den festgelegten Zielen identifizieren kann.  Er verteilt Aufgaben, überlässt es den Mitarbeiter aber, sie eigenverantwortlich zu lösen.  Bei Konflikten und Problemen ist er der richtige Ansprechpartner.

Ein Team ist immer dann besonders stark, wenn es darum geht gemeinsame Ziele, innovative Ideen und neuartige Lösungsansätze für Probleme zu finden. Um die zu entwickeln, kann man sogenannte Brainwriting-Tools nutzen. Das sind Methoden, mit denen man in einer Gruppe in kurzer Zeit möglichst viel Input generieren, ordnen und bewerten kann. Zwei der bewährtesten sind die Pinnwandmoderation und die Methode 635.

Methode 635

Man braucht nur sechs Teilnehmer, ein paar Stifte und genügend Papier – und kann mit dieser Methode in einer halben Stunde mehr als 100 neue Ideen entwickeln. Brainwriting-Experte Mark McMurray erklärt, wie’s funktioniert:

 

Pinnwandmoderation

Klingt wie ein alter Hut, hilft aber gerade großen Teams beim Brainstorming: Mit der Pinnwandmoderation können Ideen gemeinsam produziert, gesammelt, visualisiert, geordnet, bewertet und entschieden werden. Im folgenden Video erfahrt ihr, wie die Methode funktioniert.

Für den Erfolg des magdas HOTEL ist gutes Teamwork eine Grundvoraussetzung.  In dem Social-Business der Caritas Österreich arbeiten Geflüchtete gemeinsam mit Profis aus der Hotelbranche. Für den Bau und die Planung des magdas waren Friedrich Passler und Christian Waldner von AllesWirdGut Architektur verantwortlich. Als Generalplaner des Hotels hatten sie die Aufgabe, das Projektteam zu leiten und zu koordinieren. Wegen des kleinen Budgets waren Friedrich und Christian auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen, die sie auf die Ziele und Werte des Social-Business einschwören mussten. Im Interview mit Relaio sagt Friedrich: „Wir mussten mit sehr geringen Mitteln ein Qualitätsniveau erreichen, mit dem sich das magdas HOTEL am Markt behaupten kann. Um das zu schaffen, waren wir sehr stark auf Hilfe angewiesen. Neben der klassischen Planungstätigkeit waren wir deshalb vor allem damit beschäftigt, diese Hilfe zu koordinieren.“ Gemeinsam mit Freiwilligen schrubbten sie alte Waschbecken, bauten in einer Upcycling-Werkstatt Möbel und tapezierten Hotelzimmer. Der Aufwand hat sich schließlich ausgezahlt: Im Februar 2015 wurde das magdas HOTEL feierlich eröffnet.

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