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Lernen anders gestalten

Sind wir für das Lernen im 21. Jahrhundert vorbereitet?

Ulla Adam

SchwerpunktSchuleBildung

Lernen gehört zu einer der bedeutsamsten Fähigkeiten, die wir Menschen von Geburt an in uns haben. Unser Gehirn kann nicht anders als ständig zu lernen. Und doch fällt es uns oft schwer, uns bewusst Inhalte einzuprägen  und konzentriert an einer Sache zu bleiben. In einer Welt, in der die Schnelligkeit den Informationsfluss bestimmt, ändert sich auch die Art des Lernens. Gerade deshalb ist es an der Zeit sich zu überlegen, wie die Zukunft aussehen soll.

Lernen funktioniert seit Jahrhunderten gleich…

Wissen kann nicht von Person zu Person übertragen werden. Der Lerner muss für sich einen passenden Zugang zu den gewünschten Inhalten finden. Ziel ist es, dass das Gehirn Wissen möglichst langfristig abspeichert. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist es Aufgabe der Lehrkräfte für ihre Schüler die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, um sie zum Lernen einzuladen. Das ist keine leichte Aufgabe und bedarf ausgeprägten didaktischen Kompetenzen. Generell wird die Merkfähigkeit von Informationen dann erhöht, wenn diese neu, wichtig und interessant sind und der Lerner sich in einem emotional erregten Zustand befindet. Lernen muss sich für das Gehirn immer lohnen, daher muss die Frage nach dem Sinn schnell klar sein, sonst rutscht unser Gehirn schnell in eine Nullbock-Haltung. Smartphones, soziale Netzwerke, das Internet: Lehrkräfte bekommen viel Konkurrenz im Kampf um die Aufmerksamkeit. Aber auch die Lerner selbst, sind stärker denn je von ihrer Selbstdisziplin abhängig.

Methoden können diesem Problem entgegenwirken und die Attraktivität und Wirksamkeit von Inhalten entscheidend beeinflussen. Die Methodenkompetenz ist eine zentrale Kompetenz, die Schüler und Schülerinnen im Laufe ihrer Schullaufbahn auch für sich selbst erwerben müssen, um lebenslanges Lernen zu ermöglichen – ein hohes Bildungsziel. Sie erlaubt es dem Schüler seinen eigenen Lernprozess zielgerichtet zu steuern, zu gestalten und handlungsorientiert vorgehen zu können.

Wo wollen wir denn eigentlich hin?

Wir müssen uns fragen, wohin soll sich unsere Gesellschaft in Zukunft entwickeln? Welche Kompetenzen werden gefragt sein? Einer Studie zufolge gehören kritisches und problemlösendes Denken sowie Kreativität zu den am meist geforderten Kompetenzen, die wir 2020 benötigen werden.

Offener Unterrichtsformen und Projektunterricht können eine Antwort auf die benötigten Kompetenzen sein, die wir von unseren nachfolgenden Generationen dringend brauchen. Offener Unterricht bietet Schülern die Möglichkeit selbständiges Handeln zu erfahren und zu erleben. Außerdem sind Experimentierfreude und Offenheit der Schüler in diesen Unterrichtsformen besonders hoch. Projektunterricht verlangt ein planvolles Vorgehen, bei dem verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen effektiv eingebracht werden müssen. Unser Gehirn sucht immer nach dem Sinn während eines Lernprozesses.  Wenn ich selbstbestimmt handle, kann ich diesen besser finden und unser Lernen wird leichter begreifbar. Nur so speichert sich Wissen langfristig in unserem Gehirn ab.

Wissenschaft und Praxis haben es erkannt

So zeigen bundesweit Schulen, wie Lehrer zu Lerncoaches werden, wie Klassenräume zu Lernateliers werden, Jahrgänge zu Lernhäusern zusammengefügt werden und wie neue Fächer wie Verantwortung entstehen. Der Lerncoach oder oft auch Lernbegleiter genannt sieht sich in seiner Rolle als Berater und zeigt dem Schüler, wie er sein Potenzial optimal nutzbar machen kann. Lernen funktioniert über Vertrauen, wodurch der Rollenwechsel dieser Atmosphäre näher kommt. Räume mit einer guten Atmosphäre bedingen den Wohlfühlcharakter. Und wenn ich mich wohlfühle, dann bin ich bereit zu lernen. Schule muss zum Lebensort werden, um erfolgreiches Lernen passieren zu lassen. Lernateliers und Lernhäuser schaffen eine positives Klima für ihre Schüler und kreieren durch eine Jahrgangsmischung eine kleine, vertraute Gemeinschaft im oft großen Schulkomplex.

Die ehemalige Schulleiterin der bekannten Evangelischen Schule Berlin Zentrum Magret Rasfeld führte die Fächer Verantwortung und Herausforderung in ihrer Schule ein. Im Fach Verantwortung tragen die Schüler und Schülerinnen zu einer besseren Gesellschaft bei und engagieren sich in selbst gewählten Einrichtungen oder Projekten. Im Fach Herausforderung setzen sie sich eine selbstgewählte und persönliche Herausforderung, die sie dann allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen bewältigen. Diese neuen Fächer zeigen ganz deutlich, wie erfolgreiches Lernen hier funktioniert: das Thema ist selbstgewählt, somit ist es für das Gehirn interessant; es ist neu und wichtig, weil sonst würde sich der Schüler nicht damit beschäftigen und ein anderes Projekt wählen; da es sich in beiden Fächern einen persönlichen Bezug handelt, ist das Thema auch immer emotionalisiert – optimale Voraussetzungen für eine langfristige Speicherung in unserem Gehirn. Zurückblickend auf die Studie, welche Kompetenzen 2020 besonders gefragt sind, ist eines ganz klar: problemlösendes Denken und Kreativität werden in diesen Fächern besonders trainiert.

Zukunftsgestalter von morgen müssen mit den Gegebenheiten und Herausforderungen unserer Welt kreativ und innovativ umgehen können. Voraussetzung für Kreativität und Innovation ist zu dürfen, zu können und zu wollen. Diese Fähigkeiten müssen trainiert werden. So muss ich lernen zu dürfen, zu können und zu wollen. Offene Unterrichtsmethoden fördern diese Trias stärker als die traditionellen Unterrichtsmethoden, wie beispielsweise der Frontalunterricht. Und daher ist es so wichtig, dass wir bei der Art des Lernens und der Wissensvermittlung immer auch die Zukunft im Blick behalten. Bildung muss Kreativität fördern, Innovation entstehen lassen und Visionen wachsen lassen. Nur mit Visionen kann Veränderung stattfinden. Wir müssen Schüler und Schülerinnen dazu befähigen kritisch zu denken und mit Blick in die Zukunft die Gesellschaft von morgen zu gestalten.   

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