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Transparent berichten

Wie man mit einem Nachhaltigkeitsbericht Verantwortung zeigt und Farbe bekennt.

Isabel Oostvogel

MarketingTransparenzCSR

Eine nachhaltige Positionierung bestimmt den Unternehmenserfolg von morgen und diesbezüglich müssen Unternehmen (neue) Verantwortung übernehmen: Innerhalb der Lieferketten (Rohstoffe, Arbeitsbedingungen etc.), der Produktion (Emissionen, Sicherheit etc.) sowie hinsichtlich des Produktgebrauchs (Produktentsorgung etc.). Das bedeutendste Kriterium der Verantwortungsübernahme ist Transparenz bzw. die Kommunikation der Unternehmen nach außen. Mithilfe des Nachhaltigkeitsberichts werden Informationen über die ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen eines Unternehmens transparent angegeben und kommuniziert. Eine Berichterstattung, die sich an Mitarbeitern, Kunden, Geschäftspartnern, Behörden und die Öffentlichkeit richtet, ist sowohl ein gesellschaftliches Kontrollmittel, als auch ein internes Steuerungsinstrument bzw. eine Hilfestellung, um nachhaltige Ziele zu erreichen und deren Umsetzung zu ermöglichen. Durch kontinuierliche Informationsfreigabe und Evaluation wird das Unternehmen im notwendigen Veränderungsprozess unterstützt: Dieser bildet den Ausgangspunkt für die Entstehung und Umsetzung einer erfolgversprechenden Nachhaltigkeits- bzw. CSR-Strategien.

Nachhaltigkeitsberichte basieren auf der Analyse von Anliegen und Interessen unterschiedlicher Interessengruppen (Stakeholder) und kommunizieren die Nachhaltigkeitsperformance gegenüber internen und externen Stakeholdern. Dadurch kann Vertrauen nach außen sowie die Akzeptanz von Kunden, NGO´s, Partnern, Behörden etc. erreicht werden. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist somit ein Instrument, das konsequente Unternehmensstrategien hinsichtlich der gesellschaftlichen Verantwortung fördert und Veränderungsprozesse einleitet und begleitet.
Entscheidende Kriterien sind: Ökonomie, Umwelt, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Gesellschaft. Innerhalb des Berichts werden sowohl Ziele und Erfolge beschrieben, als auch Misserfolg und Schwierigkeiten. Er dient als objektive Beurteilung des bereits Erreichten und gleichzeitig als Offenlegung von Schwierigkeiten und Verbesserungspotenzialen.

Anforderungen an eine transparente Berichterstattung sind: 

  • Darstellung der grundlegenden Nachhaltigkeitsstrategie und Steuerungsmechanismen
  • Zentrale unternehmerische Herausforderungen und Themen des Kerngeschäfts
  • Zielkonflikte und der Umgang mit den Konflikten
  • Darstellen des Nachhaltigkeitsprogramms mit vorgenommenen Zielen
  • Stakeholderdialog verdeutlichen, sowie dessen Ergebnisse
  • Externe Prüfung zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit aktivieren
  • Orientierung an international anerkannten Leitlinien 
Quellen
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit(2009): Nachhaltigkeitsberichterstattung. Empfehlungen für eine gute Unternehmensführung [03.06.2015].
  • Fuchs-Gamböck, K. (2006). Corporate Social Responsibility im Mittelstand: Wie ihr Unternehmen durch gesellschaftliches Engagement gewinnt. Economica Verlag: Heidelberg/München.
  • Hentze, J. & Thies, B. (2012). Unternehmensethik und Nachhaltigkeitsmanagement. Haupt UTB: Stuttgart.
  • Lexikon der Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeitsberichte. Sustainability Reports [03.06.2015].
 

 

Es gibt keine verbindlichen Regelungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, da diese (immer noch) auf freiwilliger Basis basiert. Zu erwähnen sind jedoch die „Sustainability Reporting Guidelines“ der GRI (Global Reporting Initiative) als bekannteste Orientierungshilfe für eine angemessene Berichterstattung. Die GRI definiert Leistungskennzahlen der Berichterstattung zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen/gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsaspekten und stellt Betrieben Leitfäden zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes zur Verfügung. Insgesamt enthält der RG Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“  79 Kennzahlen und deckt für die verschiedenen Anspruchsgruppen verschiedene Themenbereiche ab.

Neben dem GRI gibt es auch die EFFAS-Richtlinien der europäischen Vereinigung von Finanzanalysten. Auch diese umfassen wichtige ökonomische, ökologische und soziale Kennzahlen für den Nachhaltigkeitsbericht. Informationen zu den Kennzahlen gibt der Guideline for the Integration of ESG into Financial Analysis and Corporate Valuation.

Ebenfalls hilfreich ist die internationale Wirtschaftsprüfvereinigung ACCA (Association of Chartered Certified Accountants), die Hilfestellung für die Verfassung von Nachhaltigkeitsberichten gibt und diese prüft.

Obwohl es keine verbindlichen Regelungen gibt und die einzelnen Systeme unterschiedliche Schwerpunkte verfolgen, sollte jeder Nachhaltigkeitsbericht folgende übergreifende Kerninhalte enthalten:

  1. Unternehmensprofil (Umsatzzahlen, Mitarbeiterstruktur, Standortverhältnisse, angebotene Produkte, Dienstleistungen, genaue Unternehmensstruktur etc.)
  2. Strategie und Management (unternehmerische Visionen und Strategien, Leitbilder, genaue Managementsysteme bzw. Instrumente, Aktivitäten mit externen Anspruchsgruppen etc.)
  3. Mitarbeiterbezogene Aspekte (mitarbeiterbezogene Verantwortung, Entlohnung, Aus-,bzw. Weiterbildung, Vielfalt, Chancengleichheit, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz etc.)
  4. Soziale Verantwortung im Umfeld (Verantwortung als Arbeitgeber, Spenden und Sponsoringaktivitäten, Antikorruptionsbemühungen, etc.)
  5. Ökologische sowie soziale Aspekte der Produkte und Dienstleistungen (ökologische/ soziale Fragen des Produktlebenszyklus, Umweltfragen in der Produktentwicklung, Umweltschutz und Arbeitsbedingungen im Supply Chain etc.)
  6. Ökologische Aspekte ( Energiemanagement, Klimaschutz, Schadstoffemissionen, Rohstoff- und Materialeinsatz, Abfallmanagement, Wassermanagement, Logistik u. Verkehr, etc.)
  7. Ziele und Programm (Zielerreichung im Berichtszeitraum, Beschreibung der Ziele und Maßnahmen)
  8. Angaben zu weiterführenden Informationen (Ansprechpartner, zusätzliche Informationen)

Aufbau eines Nachhaltigkeitsberichts nach dem GRI

Der GRI Berichtsrahmen bildet eine allgemein gültige Gliederung und sorgt somit für die Vergleichbarkeit von CSR-bzw. Nachhaltigkeitsberichten:

  1. Allgemeine Informationen: Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Kurzprofil mit Kennzahlen, Themenschwerpunkte und Ziele
  2. Management: Unternehmensleitbild mit Vision, Mission und Strategie, ökologische und soziale Managementsysteme, Personalführung, genaue Unternehmensstruktur
  3. Performance: ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Entwicklung des Unternehmens im Berichtszeitraum, Ausgangsstatus und Entwicklungsschritte, sowie Ergebnisse

Der Schwerpunkt liegt in der Beschreibung der unternehmerischen Leistung und den erreichten Zielen. Da die GRI- Leitlinien für kleine und mittelständische Unternehmen oftmals komplex scheinen, können die Kerninhalte als Ideensammlung dienen, die genaue Ausgestaltung jedoch je nach Unternehmen variieren. Entscheidend ist die Wahrheit, Wesentlichkeit, Klarheit, Stetigkeit und Vergleichbarkeit der Berichte. Eine ausreichende Auseinandersetzung mit den Thematiken der Nachhaltigkeit ist bedeutend, um so die entscheidenden Indikatoren wählen zu können.

Leitfaden des österreichischen Instituts für Nachhaltige Entwicklung

Mit Hilfe des praktischen Leitfadens «Reporting about sustainability» werden die sieben wichtigen Schritte der Berichterstattung genau dargestellt.

Schritt 1: Klären der Rahmenbedingungen

  • Team bilden (Entscheidungsträger, Vertreter verschiedener Bereiche, Stakeholder etc.)
  • Zeitplan und Ressourcen erarbeiten
  • Grundaussagen festlegen

Schritt 2: Identifikation der einzelnen Themen und Anspruchsgruppen

  • unternehmerische Verbindungen und Anspruchsgruppen identifizieren (Stakeholder analysieren)
  • Einbindungsmöglichkeiten erarbeiten
  • relevante Themen festlegen
  • Profile für Stakeholder erstellen

Schritt 3:  Ziele für das Management und den Bericht

  • Herausarbeiten vorhandener Nachhaltigkeitsstrategie
  • Checkliste für nachhaltige Unternehmensführung
  • Wirkung bisheriger Konzepte hinterfragen
  • Impulse für weitere Entwicklung setzten

Schritt 4: Daten- u Informationssammlung

  • Konzepte und Themen für einzelne Kapitel erstellen
  • Daten im Unternehmen sammeln (Fragebögen, Interviews  etc.)

Schritt 5: Verfassen des Berichts

  • Zusammenbringen aller Informationen und Schreiben des Berichts (Magazin oder Berichtstil)
  • Überprüfung und Bewertung des Verfassten (interne bzw. externe Überprüfung, Wirtschaftsprüfung, Prüfung durch Vertreter der Anspruchsgruppen etc.)

Schritt 6: Gestalten des Berichts

  • Detailliertes Layout bzw. Aufbereiten des Berichts
  • unternehmerisches Vorwort
  • Kapitelzusammenfassungen und Inhaltsverzeichnis gestalten

Schritt 7: Verbreitung

  • Art der Veröffentlichung (PDF, Druck) und Aussendung des Berichts
  • zusätzliche Diskussionsrunden bzw. Dialoge mit Stakeholdern

Weitere Hilfestellungen

Für die Berichterstattung kleiner und mittlerer Unternehmen sind die Indikatoren nachhaltigen Wirtschaftens des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) ein wichtiges Instrument. Der DNK knüpft inhaltlich an die Prinzipien des Global Compacts, die OECD Guidelines für multinationale Unternehmen, den Leitfaden ISO 26000, sowie an die Standards der GRI und EFFAS an. Die Broschüre «Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex: Maßstab für nachhaltiges Wirtschaften» informiert darüber, wie Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen transparent und vergleichbar gemacht werden können.

Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland: Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Indikatorenbericht 2012.

Eine weitere empfehlenswerte Hilfestellung zur Verfassung von Nachhaltigkeitsberichten ist der Leitfaden zur Praxis glaubwürdigen Kommunikation für zukunftsfähige Unternehmen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung.

Verschiedene Managementsysteme bilden die Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte. So zum einen Instrumente im Zusammenhang mit Umweltschutz, wie  EMAS oder ISO 14001 und zum anderen mit Arbeitssicherheit und Gesundheit (OHAS) sowie Beschaffung wie SA8000 etc. (Sozialstandards)

Entscheidend für die Qualität und angemessene Wirkung der Nachhaltigkeitsberichte ist die externe Überprüfung. Diese kann von GRI oder EMAS, der europäischen Verordnung zum Umweltmanagement,  durchgeführt werden (Verlinkung: EMAS Bsp. Ecopreneurship etc.)

Quellen
  • Hentze, J. & Thies, B. (2012). Unternehmensethik und Nachhaltigkeitsmanagement. Haupt UTB: Stuttgart
  • Schneider, A. & Schmidpeter, R. (2012). Corporate Social Responsibility: Verantwortliche Unternehmensführung in Theorie und Praxis. Springer Verlag: Berlin Heidelberg.
 

 

VAUDE, das seit 1947 existierende Familienunternehmen, ist Vorreiter im Bereich umweltfreundlicher Outdoor-Ausrüstung in den verschiedenen Gebieten  des Bergsports wie Mountain Sports, Bike Sports, Bekleidung, Outdoor- Zubehör etc. Dem Unternehmenskonzept der heute führenden Bergsportmarke mit Sitz in Tettnang liegt die Verantwortungsübernahme für Mensch und Natur zugrunde – das zeigen die umfassenden Bemühungen für Umweltschutz und soziale Sicherheit. Seit 2001 wird mit dem Umweltstandard bluesign gearbeitet. Nachhaltige Produktion der Textilien sowie schadstofffreie, umweltsichere und saubere Herstellung sind damit garantiert und  die textile Wertschöpfungskette nachhaltig kontrolliert. VAUDE hat als erstes Outdoor-Unternehmen eine Zertifizierung nach EMAS erreicht. Große Bedeutung neben der sozial und ökologisch verantwortlichen Herstellung der Produkte werden zudem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Umweltschutz und Umweltengagement etc. zugeschrieben. Das nach EMAS qualifizierte Unternehmen veröffentlicht jährlich seinen Nachhaltigkeitsbericht und kommuniziert so die verschiedenen Aktivitäten, Ziele und Verbesserungen hinsichtlich ihrer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Im Jahr 2011 schaffte es das Unternehmen unter die Top 3 beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis, der die nachhaltigsten Zukunftsstrategien auszeichnet. 

 

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