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Nachhaltigkeitsziele verfolgen

Chancen in großen und kleinen bzw. mittleren Unternehmen (KMU)

Christoph Weber s.engeland

Wirtschaft

Der Bericht Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome aus dem Jahr 1972, der mit der These zunehmender Ressourcenknappheit als eines der zentralen Probleme globaler Gerechtigkeit aufwartete, prägte die Diskussion in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den darauffolgenden Jahren entscheidend. Derartige Diskussionen dürfen nicht den Fehler begehen, von einem statischen Bestand natürlicher Ressourcen auszugehen, der durch den Menschen unwiederbringlich aufgebraucht wird. Vielmehr müssen Ressourcen als eine dynamische Größe verstanden werden, die von der Kultur und Technik des Menschen abhängig sind. Mittels einer solchen Sichtweise wird klar, dass es möglich ist, als proaktiver Mensch mit einer entsprechenden Einstellung sowie mit ausreichend Beharrlichkeit und Einsatz eine Veränderung zu einem nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen bewirken zu können.

Doch eignet sich ein Großunternehmen oder ein kleines/mittleres Unternehmen (KMU) eher, um gesellschaftliche und unternehmerische Nachhaltigkeitsziele umzusetzen? Welche Vor- und Nachteile können sich für Nachhaltigkeitsmanager bei deren Arbeit in den entsprechenden Unternehmensformen ergeben? Ein Großunternehmen hat deutlich mehr Bereiche, Zuständigkeiten, Verantwortliche, Entscheidungsebenen, Ansprechpartner, Stakeholder sowie Shareholder als ein KMU, weswegen sich ein Nachhaltigkeitsmanager hier mit viel mehr Personen und Interessen auseinandersetzen muss. Diese Überzeugungsarbeit dürfte ihm in einem Großunternehmen daher alleine aufgrund der Anzahl an Diskurspartnern schwerer fallen als in einem KMU. Auch die Einstellung bei der Belegschaft in einem Großunternehmen mit derart vielen Stakeholdern auf Nachhaltigkeit hin zu verändern sowie aufgrund der hohen Zahl und Interessen überhaupt wahrgenommen zu werden, dürfte in einem Großunternehmen aufgrund der größeren Interessensspektren schwieriger sein.

Der Vorteil für einen Nachhaltigkeitsmanager in einem Großunternehmen ist, dass dort für Forschung und Entwicklung mehr Geld aufgebracht wird als in einem KMU. Häufig wird in einem Großunternehmen eine separate Stelle für das Nachhaltigkeitsmanagement oder eine ganze Abteilung für die unternehmerische Umsetzung der Nachhaltigkeit geschaffen. In einem KMU muss dieses Aufgabenfeld häufig als Zusatzaufgabe ausgeführt werden. Der Nachhaltigkeitsmanager in einem Großunternehmen kann seinen Fokus besser einsetzen und durch seine Spezialisation mehr Leistung bringen.

In einem Großunternehmen, das über viele Hierarchien verfügt, kann es für einen Nachhaltigkeitsmanager schwieriger sein, diese zu überwinden als in einem KMU, bei dem häufig die Geschäftsführerebene auf unkonventionellem Weg auf innovative Ideen im Bereich Nachhaltigkeit angesprochen werden kann. Ein weiterer Vorteil eines KMU ist, dass der Nachhaltigkeitsmanager dort häufig direktere Einflussmöglichkeiten auf Mitarbeiter oder direkten Einfluss auf Personen in Entscheidungspositionen hat. Im Großunternehmen muss man weitaus mehr Politik betreiben, um an die Entscheidungsträger zu gelangen und diese zu überzeugen. Ein zusätzlicher Vorteil für einen Nachhaltigkeitsmanager in einem KMU zu arbeiten ist, der Vorteil wie schnell neue Ideen implementiert werden können. Dafür kann ein Nachhaltigkeitsmanager bei einem Großunternehmen durch den häufig globalen Einflussbereich auf ein breiteres Netzwerk und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen zurückgreifen. Ein Großunternehmen kann mehr Anforderungen an die Zulieferer und Dienstleister stellen und mehr Druck auswirken, um Nachhaltigkeit schneller umsetzen, als dies ein KMU vermag.

Der Vergleich

Grundsätzlich sind sowohl Großunternehmen als auch KMU dafür geeignet, gesellschaftliche und unternehmerische Nachhaltigkeitsziele ambitioniert umzusetzen. Beide tragen die gleiche Verantwortung, nur kann das Großunternehmen in absoluten Zahlen einen größeren Impact gestalten als ein KMU. Die Verantwortung pro Kopf ist jedoch gleich groß.

KMU eignen sich sehr gut, um einen nachhaltigen Impact zu gestalten, weil sie agil und flexibel agieren können, über schmale Hierarchien und kürzere Mitarbeiterwege verfügen, kürzere Produktzyklen und Umsetzungszeiten haben als Großunternehmen, sich mit weniger Stakeholdern auseinandersetzen müssen und schnellere Entscheidungen treffen können als Großunternehmen.

Dennoch ist ein Großunternehmen wohl eher geeignet als ein KMU, die Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, da es sich spezialisierte Abteilungen, gut qualifizierte Nachhaltigkeitsmanager, Forschung und Entwicklung leisten kann. Zudem verfügt es über finanzielle Kapazitäten für Nachhaltigkeitsprojekte für die Belegschaft und auch außerhalb des Konzerns. Ein Großunternehmen hat zudem auch Einfluss auf Zulieferer und Lieferketten und kann diese von Anfang an nachhaltig gestalten. Kurzum: In absoluten Zahlen kann ein Großunternehmen den größeren Impact als KMU leisten.

Nichtsdestotrotz schmälert diese Einschätzung keinesfalls die Wichtigkeit eines nachhaltigen Einsatzes von KMU: Denn setzt sich ein KMU mit Leidenschaft, Geduld und Partnerschaften für die Ziele seines nachhaltigen Vorhabens ein, wird dieses, wie die folgenden Beispiele zeigen, von nachhaltigem Erfolg gekrönt sein. Leidenschaft für eine nachhaltige Veränderung bestehender Verhältnisse, Geduld für die Erreichung seiner Ziele und geeignete Partnerschaften mit strategischen und ideellen Partnern sind dabei nicht zu unterschätzende Faktoren für das Gelingen eines nachhaltigen Impacts.

Beispiel Henkel und Polarstern

Die Henkel AG & Co. KGaA ist ein Beispiel für ein Großunternehmen, das ein vorbildliches Nachhaltigkeitsmanagement betreibt. Mit der 2011 eingeführten und langfristig angelegten Nachhaltigkeitsstrategie Faktor 3 beabsichtigt das Unternehmen bis zum Jahr 2030 den Wert der Geschäftstätigkeit im Verhältnis zum ökologischen Fußabdruck der Produkte und Dienstleistungen im Vergleich zum Basisjahr 2010 um 200% zu steigern, indem Henkel die Effizienz durch die Senkung des Ressourcenverbrauchs bei gleichzeitiger Steigerung des erwirtschafteten Wertes zu bewirken sucht.

Konkret werden entlang der Wertschöpfungskette sechs Fokusfelder für die Umsetzung von Faktor 3 betrachtet. Diese betreffen zum Beispiel die Ausgestaltung der Produkte und Prozesse sowie das Unternehmen und die Mitarbeiter selbst. So soll einerseits die Leistung gesteigert werden, ohne der Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter, Nachbarn, Kunden und Verbraucher zu schaden oder Abstriche bei der Umweltverträglichkeit zu machen. Darüber hinaus soll der Wasserverbrauch der Produktion gemindert, Abwasser vermieden werden. An dieser Stelle sieht man, dass Henkel eine Effizienz- und Suffizienz-Strategie, verfolgt, diese auf ihre Kunden ausweitet, indem Produkte entwickelt werden sollen, die den Kunden die Möglichkeit geben, einen eigenen Beitrag leisten zu können, um nachhaltig tätig zu werden. Zudem sollen der Verbrauch an Rohstoffen sowie das Abfallvolumen reduziert werden, indem effiziente, ressourcenschonende und möglichst nachwachsende Rohstoffe in Produktionstechniken verwendet werden. Zudem trägt Henkel auch im Blick auf Energie und Klima mit einer Effizienz-, Suffizienz- und Konsistenzstrategie dafür Sorge, den Energieverbrauch seiner Geschäftstätigkeiten und Treibhausgasemissionen zu minimieren.

Die Kennzahlen des Nachhaltigkeitsberichts zeigen, dass alle Zwischenziele 2015 bereits erreicht wurden, an vielen Stellen sogar weit übertroffen wurden. Um diese Ergebnisse zu erzielen, befasst sich der Konzern intensiv mit der Lebenszyklusanalyse seiner Produkte, das heißt einer systematischen Bewertung nach Nachhaltigkeitskriterien (zum Beispiel wurden CO2-Fußabdrücke der Produkte ermittelt), um die Produkte effizienter zu entwickeln. Pro Jahr investiert Henkel jährlich über 400 Mio. € in Entwicklung und Forschung. Mit den Partnern des DAX-Konzerns wurden zudem mehr als 2.000 Audits und Assessments durchgeführt sowie Austauschräume über Technologien eröffnet, um Synergieeffekte für die Entwicklung nachhaltigerer Produkte zu erzielen.

Henkel veröffentlicht bereits seit 1992 Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte, was unterstreicht, dass das Unternehmen einen Ansatz vertritt, die Unternehmensprozesse kontinuierlich nachhaltig auszuformen und weiterzuentwickeln. Die erreichten Ziele werden publiziert und regelmäßig durch unternehmensexterne Bewertungsagenturen lokale, nationale und internationale Rankings und Ratings, renommierte Preise und Auszeichnungen positiv gestützt.

Startup Polarstern GmbH ist wiederum ein herausragendes Beispiel für ein KMU, das besonders intensiv und erfolgreich eine hohe Nachhaltigkeitsleistung anwendet. Das Unternehmen verfolgt einen konsequent ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, der Effizienz, Konsistenz sowie Suffizienz inkludiert.

Das 2011 in München gegründete Unternehmen ist mit Geduld auf einem äußerst hart umkämpften Markt angetreten, um mit nachhaltiger Energie die Welt zu verändern. Als unabhängiger Ökoenergieversorger möchte Polarstern dazu anregen, bewusst und verantwortungsvoll mit der Energie in Form von Strom und Gas umzugehen.

Der Energieversorger schafft es mit seinem leidenschaftlichen Einsatz, einen Umstieg in Deutschland auf nachhaltig erzeugte Energie zu fairen Preisen möglich werden zu lassen, indem deren Ökostrom aus 100 Prozent deutscher Wasserkraft und Ökogas aus 100 Prozent organischen Reststoffen stammt. Beide Energieformen wurden vom TÜV Nord zertifiziert. Das Ökostromangebot von Polarstern trägt zudem das Grüner Strom Label und wurde vom Magazin Ökotest mit der Auszeichnung „sehr gut“ eingestuft. Diese Partnerschaften zeichnen die Leistungen des KMU nicht nur aus, sondern sind wichtige Indikatoren für Kunden, sich für einen geeigneten Energieanbieter entscheiden zu können.

Jeder Kunde, der somit Ökostrom oder Ökogas von Polarstern bezieht, bewirkt damit eine Veränderung für die gesamte Gesellschaft, weil der Energiebezug den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien stützt. Damit wird nicht nur die Energiewende vorangetrieben, sondern Polarstern unterstützt mit jedem Kunden, den es gewinnen kann, eine Familie in einem Entwicklungsland. Hier wird eine eigene Mikro-Biogasanlage gebaut, was dort den Anfang der Energiewende „von unten“ bedeutet und die Lebensqualität der Menschen bessert.

Derartige positive Beispiele des positiven Einsatzes für ein ausgewogenes und ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement sollen auch andere Menschen und Unternehmen inspirieren, Nachhaltigkeit als Chance zu erkennen, unternehmerisch zu implementieren und mit beständigem Engagement eine Wende einzuleiten, sodass dauerhaft verantwortlich und gerecht mit den Ressourcen gewirtschaftet werden kann. Den nachhaltigen Impact gilt es durch geeignete Partnerschaften kontinuierlich zu vergrößern.

 

 

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