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Wer die Wahl hat, hat die Qual – die Rechtsform

Beim Weg in die Selbständigkeit ist die Wahl der Rechtsform eine wichtige unternehmerische Entscheidung. Wir geben euch einen Überblick!

Cosima Reiff Khegan Crossland

Recht

Entlang des Gründungsprozesses eines Unternehmens oder Projekts stehen Gründer einer Vielzahl unbekannter Herausforderungen, Fragen und Entscheidungen gegenüber. Eine davon betrifft die Wahl der Rechtsform, die einem Unternehmen die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen verleiht. Bei dem bloßen Gedanken an rechtliche und behördliche Angelegenheiten bekommen viele Unternehmensgründer jedoch schon feuchte Hände. Sobald die Idee konkrete Züge der Umsetzung annimmt oder wenn mehrere Personen an der Unternehmung beteiligt sind, wird es aber Zeit, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Und eigentlich ist alles halb so wild: mit einer guten Übersicht kann häufig über das Ausschlussverfahren vorgegangen werden.

Grob lassen sich Rechtsformen zwei Bereichen zuordnen, den Personengesellschaften und den Kapitalgesellschaften. Bei Personengesellschaften handelt es sich um eine zweckgerichtete Personenvereinigung bestehend aus zwei oder mehreren natürlichen Personen. Im juristischen Kontext bedeutet „natürliche Person“ der Mensch in seiner Rolle als Rechtssubjekt, das heißt als Träger von Rechten und Pflichten. Im Gegensatz dazu schließen sich bei einer Kapitalgesellschaft juristische Personen zusammen, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Unter einer juristischen Person versteht man eine Personenvereinigung oder Organisation, der vom Gesetz Rechtsfähigkeit zugesprochen wird. Über ihre Organe kann sie somit auch Träger von Rechten und Pflichten sein, ist aber keine natürliche Person per se. Dadurch ergeben sich wesentliche Unterschiede vor allem in Bezug auf Haftbarkeit und Steuern.

Wie kann ich alleine gründen?

In den meisten Fällen schließen sich mehrere Personen bei einer Gründung zusammen. Natürlich kann man aber auch als Einzelperson tätig werden und als Einzelunternehmer gründen. Folgende Varianten gibt es hierfür:

Definition Handelsgewerbe
§1HGB: „Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.“
  • Kaufmann: Ein Kaufmann ist jeder, der ein Handelsgewerbe betreibt. Deshalb ist eine Eintragung ins Handelsregister erforderlich. Mindestkapital muss man nicht vorweisen, Gründer haften aber mit Ihrem Privatvermögen. 
  • (Klein)Gewerbetreibende: Wenn die Unternehmung nach Art oder Umfang keinen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert kann man als gewerblich Selbständiger tätig werden (z.B. wenn die Höhe des Jahresumsatz unter 500.000€ und der Gewinn unter 50.000€ liegt, so dass keine doppelte Buchführung erforderlich ist). Statt einer Eintragung im Handelsregister erfolgt dann eine Anmeldung beim Gewerbeamt.
  • Freiberufler: Zu den Freiberuflern zählen die sogenannten Katalogberufe (z.B. Rechtsanwälte, Ärzte, Tierärzte, Ingenieure oder Architekten) sowie Tätigkeitsberufe (z.B. wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten). Freiberufler brauchen eine Steuernummer vom Finanzamt und müssen ihre Selbständigkeit dort anzeigen.

Grundsätzlich haften Einzelunternehmer mit ihrem Privatvermögen. Wer dies vermeiden möchte, kann sich auch als Einzelgründer den Vorteil der beschränkten Haftung aus einigen Kapitalgesellschaftsformen zu Nutze machen. Dazu zählen die unten aufgeführte Unternehmensgesellschaft (UG), die 1-Mann GmbH sowie die kleine AG.

Hilfreiche Informationen und eine Übersicht zur Gründung als Einzelunternehmer findet man auf der Seite der existenzgruender.de.

Und wie kann ich gemeinsam mit anderen gründen?

In den meisten Fällen stehen hinter einer Idee mehrere Personen, die gemeinsam ein Projekt starten. Um sich für die Unternehmenswelt zu wappnen, heißt es dann die Vor- und Nachteile verschiedener Rechtsformen auf die eigene Situation abzuwägen. Ein Überblick über die typischsten Rechtsformen soll dabei helfen, eine gute Entscheidung zu treffen.

  1. Personengesellschaften

Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR §705-740BGB)

Definition Handelsgewerbe
Unter einem Handelsgewerbe versteht man gewerbliche Unternehmen, die auf Dauer angelegt sind, eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen und einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb (Buchführung, Bilanzierung...) erfordern.

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts – kurz GbR, auch BGB-Gesellschaft genannt, entsteht sobald mindestens zwei Personen einen gemeinsamen Zweck bilden. Dieser kann jede erlaubte Tätigkeit sein, die nicht auf den Betrieb eines Handelsgewerbes (Infobox) gerichtet ist. Die Gründung wird bereits durch das geschäftsmäßige gemeinsame Handeln rechtsgültig, so dass weder ein schriftlicher Vertrag noch eine ausdrückliche Vereinbarung über die Gründung erforderlich ist (z.B. Fahrgemeinschaften). Neben der formlosen Gründung ist kein Mindestkapital vorgeschrieben und es bedarf keiner Anmeldung im Handelsregister. Wenn die GbR gewerbliche Tätigkeiten aufnimmt, müssen die Gesellschafter gemeinsam eine Gewerbeanmeldung vornehmen. Handelt es sich hingegen um eine freiberufliche Tätigkeit, so müssen die Gesellschafter direkt eine Steuernummer vom Finanzamt beantragen. Sobald der Geschäftsbetrieb einen Umfang annimmt, der in kaufmännischer Weise eingerichtet sein muss (§ 1 Abs. 2 HGB) entsteht aus der GbR eine OHG (Offene Handelsgesellschaft).

Die GbR ist in ihrem eigenen Namen teilrechtsfähig – das heißt, sie kann am Rechtsverkehr teilnehmen, kann verklagt werden, darf Rechnungen stellen und Verbraucher sein. Trotzdem ist sie keine juristische Person im eigentlichen Sinn sondern bleibt ein Zusammenschluss von mehreren gleichberechtigten Personen.

In einer GbR sind alle Gesellschafter zu gleichen Teilen unbeschränkt persönlich haftbar. Das bedeutet, Verbindlichkeiten werden zwar zunächst aus dem Gesellschaftsvermögen bedient, alle Gesellschafter haften jedoch auch mit ihrem Privatvermögen. Eine Haftungsbeschränkung kann nur mit jedem Vertragspartner einzeln ausgehandelt werden und muss schriftlich fixiert sein.

Auch wenn der Gesellschaftsvertrag nicht notwendigerweise schriftlich abgeschlossen werden muss, so empfiehlt es sich dennoch Vereinbarungen zu den folgenden Punkten festzuhalten:

  • Gesellschaftszweck
  • Geschäftsführung und Vertretungsmacht
  • Entnahmerecht von Unternehmenskonten
  • Gewinn- und Verlustverteilung
  • Tätigkeitsvergütung
  • Wettbewerbsverbot
  • Abtretung von Geschäftsanteilen
  • Ausscheiden eines Gesellschafters

Vorteile: Gründung ohne großen organisatorischen und finanziellen Aufwand, für kurzfristige und langfristige Zusammenschlüsse, wenig Formalitäten, Flexibilität

Nachteile: unbeschränkte persönliche Haftung der Gesellschafter mit ihrem jeweiligen Privatvermögen, hohes Maß an Vertrauen zwischen den Gesellschaftern erforderlich

Eignung: zu Beginn/in den Frühphasen eines Start-Ups um die Zusammenarbeit zu erleichtern, bei kleineren Vorhaben mit wenig Gründern und Angestellten und ohne finanzielles Risiko   

Weitere Infos:

Detaillierte Informationen zur Gründung und Anmeldung einer GbR liefert das Netzwerk fuer-gründer

Antworten auf die häufigsten Fragen zur GbR gibt die IHK in ihrer Merkbroschüre.

Offene Handelsgesellschaft (OHG §105-160HGB)

Doppelte Buchführung
Bei einem Geschäftsvorfall werden zwei Einträge in der Bilanz gemacht, einen auf der Soll-Seite (Aktiva) und einen auf der Haben-Seite (Passiva)

Die OHG ist im weitesten Sinne eine GbR für Fortgeschrittene. Wesentliche Ergänzung zur GbR ist der gemeinsame Zweck, ein Handelsgewerbe unter einer gemeinsamen Firma (§§ 17 ff. HGB) zu betreiben. Somit ist ein Eintrag ins Handelsregister und eine doppelte Buchführung Pflicht. Mit Eintragung ins Handelsregister sind die Gesellschafter bei Rechtsgeschäften dem HGB (Handelsgesetzbuch) und nicht mehr dem BGB (Bürgerlichen Gesetzbuch) unterstellt. Genauso wie die GbR kommt sie in mancher Hinsicht einer juristischen Person gleich, besitzt aber nur Teilrechtsfähigkeit. Ebenso ist kein Mindestkapital vorgeschrieben. Die Gesellschafter können innerhalb des Gesellschaftsvertrages aber festlegen, ob Einlagen erbracht werden.

Der Gesellschaftsvertrag ist ebenfalls formfrei, sollte aber zweckmäßigerweise schriftlich verfasst werden und Vereinbarungen zu den in der GbR genannten Punkten enthalten. Auch in Bezug auf Haftbarkeit gelten die gleichen Regeln wie bei einer GbR: ein Gläubiger kann seine Forderungen sowohl aus dem Gesellschaftsvermögen als auch dem Privatvermögen der Gesellschafter einfordern. Im Falle des Ausscheidens eines Gesellschafters aus dem Unternehmen haftet dieser noch für fünf Jahre für Verbindlichkeiten, die bis zu diesem Zeitpunkt entstanden sind.

Vorteile: hohe Kreditwürdigkeit, schnelle Gründung, kein Mindestkapital erforderlich, freie Gestaltung des Gesellschaftsvertrags, flexible Unternehmensführung

Nachteile: unbeschränkte persönliche Haftung der Gesellschafter mit ihrem jeweiligen Privatvermögen, hohes Maß an Vertrauen zwischen den Gesellschaftern erforderlich

Eignung: für einen auf Dauer angelegtes, überschaubares kaufmännisches Unternehmen geeignet, bei dem alle Gesellschafter aktiv und gleichberechtigt tätig sind

Weitere Infos:

IHK Berlin: Informationsbroschüre für Offene Handelsgesellschaften

Kommanditgesellschaft KG (§161-177a HGB)

Eine Kommanditgesellschaft besteht aus mehreren Gesellschaftern, die verschiedenen Haftungsausschlüssen unterliegen. Eine Gruppe, die sogenannten Kommanditisten, sind bis zu einem im Handelsregister festgelegten Betrag beschränkt haftbar. Die andere Gruppe sind vollhaftende Gesellschafter und werden als Komplementäre bezeichnet. Somit haftet ein Teil der Gesellschafter mit dem Privatvermögen, der andere nur mit seiner Einlage in das Gesellschaftsvermögen. In der Folge ergeben sich unterschiedliche Risiken für die Gesellschafter, die sich auch in der Unternehmensstruktur und Stellung der Gesellschafter wiederspiegeln. So sind Kommanditisten meist von der Unternehmensführung ausgeschlossen und haben weniger bis kein Mitspracherecht.

Für die Gründung einer KG ist keine Mindesteinlage vorgegeben. Neben der Anmeldung beim Gewerbeamt ist auch der Eintrag ins Handelsregister vorgeschrieben. Der Firmenname kann aus Namen, Buchstaben oder Phantasiebegriffen gebildet werden, setzt aber den Zusatz KG voraus.

Vorteile: nur mindestens ein Gesellschafter persönlich und gesamtschuldnerisch für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftbar, höheres Eigenkapital durch Komplementäre, kein Mindestbetrag für Kapitaleinlage, kann mit anderen Gesellschaftsformen zusammengeschlossen werden

Nachteile: unterschiedliches Risiko und Mitspracherecht

Eignung: vor allem für eine Kombination von aktiv mitarbeitenden und rein kapitalbeteiligten Gesellschaftern

Partnergesellschaft PartG (§1-11 PartGG)

Freie Berufe
Zu den freien Berufen zählen zum Beispiel Ärzte, Anwälte, Architekten, Designer oder Journalisten, genauer festgelegt im PartGG

Eine Partnergesellschaft besteht aus dem Zusammenschluss von Freiberuflern. Von der Struktur her ähnelt die Partnerschaft einer OHG, sie übt jedoch kein Handelsgewerbe aus und darf nur natürliche Personen umfassen. Für die Bildung einer Partnergesellschaft ist kein Mindeststartkapital erforderlich. Grundsätzlich haften die Partner für Verbindlichkeiten der Partnerschaft gesamtschuldnerisch und persönlich, allerdings besteht die Möglichkeit, die Haftung auf denjenigen zu beschränken, der die Leistung erbracht oder die Verantwortung dafür getragen hat.

Die Anmeldung einer PartG erfolgt beim elektronischen Partnerschaftsregister mit Hilfe eines Notars. Zudem muss ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen werden, der den Namen, Sitz, den ausgeübten Beruf, die Wohnorte sowie den Gegenstand der Partnerschaft enthält. Weitere Angaben zu Zuständigkeiten der Geschäftsführung und Verlustbeteiligungen sind empfehlenswert.

Vorteile: einfache Buchführung (wie ein Einzelunternehmer mit einer Überschussrechnung), kein Mindestkapital

Nachteile: nur für Freiberufler

Eignung: für den Zusammenschluss von Personen mit freien Berufen wie Ärzten, Anwälten, Architekten oder Designern

  1. Kapitalgesellschaften

Die GmbH - Gesellschaft mit beschränkter Haftung (§1-85 GmbHG)

Eine der bundesweit beliebtesten Rechtsformen ist die GmbH – eine Kapitalgesellschaft, in der die Gesellschafter nur mit dem Firmenvermögen haften. Durch die Gründung einer GmbH entsteht eine juristische Person mit eigenen Rechten und Pflichten, die losgelöst von denen der Gesellschafter sind. Im Gegensatz zur GbR oder OHG ist die Gründung etwas aufwändiger und mit mehr Formalitäten und Voraussetzungen verbunden. So ist ein schriftlicher und notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag nötig, eine Eintragung in das Handelsregister erforderlich und ein Mindeststammkapital von 25.000€ zur Gründung einzubringen. Der Gesellschaftsvertrag muss dabei folgende Inhalte aufweisen:

  • Firma und Sitz der Gesellschaft
  • Gegenstand des Unternehmens (§1GmbHG, jeder beliebige Zweck)
  • Betrag des Stammkapitals (mindestens 25.000€), das sich aus den Stammeinlagen der jeweiliger Gesellschafter zusammensetzt (Bar- und Sacheinlagen)
  • etwaige Zeitdauer der Gesellschaft
  • anderweitige Verpflichtungen der Gesellschafter

Vorteile: Haftungsbeschränkung, einfache Verwaltung, einfache Veräußerung und Übertragung von GmbH Anteilen, eingeschränkte Publizitätspflicht

Nachteile: höhere Gründungskosten, aufwändiger Jahresabschluss, steuerliche Nachteile, geringes Vertrauen der Gläubiger bei jungen Gesellschaften

Eignung: für Gründer, die ein geringes Haftungsrisiko eingehen wollen, über ein hohes Startkapital verfügen und keine bürokratischen Aufwände scheuen

Haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft UG – auch Mini-GmbH genannt

Seit 2008 ist die Gründung einer weiteren Rechtsform möglich: die UG, im Volksmund auch als 1-Euro-GmbH oder Mini-GmbH bezeichnet. Wie der Name suggeriert, ist diese Form besonders geeignet für Unternehmensgründungen mit wenig Kapital. Sie bietet die Möglichkeit, ohne die Einbringung von hohen Mindesteinlagen, die persönliche Haftung auszuschließen. Im Gegenzug muss sie die Bezeichnung „UG (haftungsbeschränkt)“ führen und eine Rücklage in Höhe von 25% des Jahresüberschusses bilden. Sofern das Stammkapital auf 25.000€ anwächst, wird die Unternehmergesellschaft zu einer „normalen“ GmbH. So wie die Anmeldung dem Prozedere einer „normalen“ GmbH gleicht (Notar, Gesellschaftsvertrag, Eintrag Handelsregister), gilt auch das für die GmbH anzuwendende Recht.

Vorteile: niedriges Stammkapital erforderlich, schnelle Gründung, beschränkte Haftung

Nachteile: Bildung von Rückstellung, Verpflichtung der Bezeichnung „UG haftungsbeschränkt“ (negative Außenwirkung)

Eignung: für Start-Ups, die sich in einem Kontext bewegen, in dem noch nicht alle Fragen der rechtlichen Haftung geklärt sind (z.B. Urheber- und Datenschutzrecht in neuen Medien); für Unternehmer mit wenig Stammkapital, die trotzdem beschränkt haftbar sein möchten

  1. Alternative Rechtsformen für Social Entrepreneurs

Eingetragener Verein e.V. (§§ 21 bis 79 BGB)

Deutschland ist von einer regen Vereinskultur geprägt. In den meisten Fällen sind Vereine nicht-wirtschaftlich und werden deshalb auch Idealvereine genannt. Der Idealverein verfolgt primär ideelle, gemeinnützige und soziale Zwecke. Besondere Attraktivität verleiht der Gründung eines Vereins steuerrechtliche Begünstigungen oder Befreiung sowie die Möglichkeit, Spendenbescheinigungen auszustellen. Um in deren Genuss zu kommen, ist es jedoch notwendig, die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt nach den Vorgaben des §§ 51 ff. der Abgabenordnung (AO) prüfen zu lassen. Hierfür ist vor allem der Satzungszweck des Vereins ausschlaggebend.

Generell zeichnet sich ein Verein dadurch aus, dass mindestens sieben Personen für eine gewisse Dauer einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Besonderheit hierbei ist, dass das Fortbestehen des Vereines unabhängig vom Wechsel seiner Mitglieder und seines Vorstandes ist. Die Vereinsstruktur ist also nicht so angelegt ist, dass ein Sozialunternehmer dauerhaft an dessen Spitz steht und uneingeschränkte unternehmerische Entscheidungsfreiheiten hat. Stattdessen steht der Zweck des Vereins im Vordergrund.

Durch die Eintragung ins Vereinsregister wir der Verein als juristische Person anerkannt und bekommt den Zusatz e.V.. Neben einer Mitgliederversammlung ist auch die Wahl eines Vorstandes vorgesehen, der den Verein nach außen hin vertritt. Die Vereinssatzung muss Angaben zu den folgenden Punkten enthalten:

  • Vereinsname,
  • Vereinssitz,
  • Regelung zur Eintragung des Vereins,
  • Vereinszweck,
  • Regeln für Aus- und Eintritt von Mitgliedern,
  • vereinbarte Mitgliedsbeiträge,
  • Regeln zur Beurkundung von Beschlüssen (Protokollierung),
  • Regelungen zur Bestimmung des Vorstandes und zur Einberufung der Mitgliederversammlung.

Vorteile: Steuerbegünstigungen, demokratische Leitung, geringer bürokratischer und finanzieller Aufwand, öffentliche Hilfen und Förderungen, guter Ruf, keine persönliche Haftung, kein Mindestkapital

Nachteile: verfolgt keinen wirtschaftlichen Zweck, häufiger Wechsel des Vereinsvorstands kann zu inhaltlichen Unstimmigkeiten und Veränderungen führen

Eignung: für eine größere Anzahl von Personen, die einen nicht-wirtschaftlichen, auf Dauer angelegten Zweck verfolgen

Das Finanzamt Bayern stellt eine Mustersatzung für gemeinnützigen Verein vom Finanzamt Bayern zur Verfügung.

Die gemeinnützige GmbH – gGmbH

Die gemeinnützige GmbH als Mischform aus gemeinnütziger Organisation und GmbH hat in den vergangen Jahren immer stärker an Beliebtheit gewonnen. Es gelten die gleichen Vorschriften des HGB bzgl. Buchführung und Bilanzpflicht wie in einer normalen GmbH. Zudem sind aber auch die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit erfüllt, so dass steuerrechtliche Erleichterungen wahrgenommen und ehrenamtliche Mitarbeiter leichter integriert werden können. Die wesentlichen Nachteile von Vereinen, nämlich deren begrenzte Planbarkeit aufgrund von Vorstandswechseln und Mitbestimmungsrechten, liegen bei gGmbHs nicht vor. Es gibt eine feste Geschäftsführung, die für ihre Tätigkeit ein Gehalt bezieht, und die Kapitalbasis ist aufgrund des vorgeschriebenen Stammkapitals von 25.000€ höher.

Zur Anerkennung des gemeinnützigen Zwecks (§§ 51 f. der Abgabenordnung) einer gGmbH müssen in der Satzung folgende Punkte beachtet werden:

  • Unmittelbarkeit: Alle Gewinne müssen unmittelbar dem gemeinnützigen Zweck zufließen.
  • Selbstlosigkeit: Die erwirtschafteten Gewinne dürfen nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet werden, sondern müssen dem gemeinnützigen Zweck zufließen.
  • Begünstigter: In der Satzung muss eine gemeinnützige Organisation festgelegt werden, die im Fall der Auflösung der gGmbH die erwirtschafteten Gewinne erhält. An die Gesellschafter wird nur das einbezahlte Stammkapital ausbezahlt.

Eine Mustersatzung für Vereine, Stiftungen, Betriebe gewerblicher Art und Kapitalgesellschaften ist direkt in Anlage 1 zu § 60 der Abgabenordnung enthalten.

Vorteile: flexible und schlanke Alternative gegenüber dem Verein, hohe Kapitalbasis, leichte Planbarkeit, gutes Ansehen

Nachteile: zu starke wirtschaftliche Fokussierung, hohes Stammkapital erforderlich, Buchführungs- und Bilanzpflicht, bürokratischer Gründungsaufwand

Eignung: für Gründer, die einen gemeinnützigen Zweck verfolgen, steuerliche Vorteile nutzen möchten und über ein hohes Startkapital verfügen

Wenn die 25.000 EUR nicht aufgebracht werden können, besteht auch die Möglichkeit eine gUG zu gründen. Diese erfolgt analog zur Gründung einer „normalen“ UG mit dem Zusatz der Gemeinnützigkeit.

Quellen
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Gründungswissen – Rechtsformen [31.10.2015]
  • Von Collrepp, F. (2007). Handbuch Existenzgründung: Für die ersten Schritte in die dauerhafte erfolgreiche Selbstständigkeit. 5. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart.
  • Dowling, M. & Drumm, H.J. (2003). Gründungsmanagement: Vom erfolgreichen Unternehmensstart zu dauerhaftem Wachstum. Springer, Berlin Heidelberg.
  • fuergruender.de: Übersicht der Rechtsformen für Unternehmen und Start-Ups [31.10.2015]
  • IHK München und Oberbayern: Merkblatt Rechtsformen im Überblick [31.10.2015]
  • Malek, M. & Ilbach, P.K. (2004). Entrepreneurship: Prinzipien, Ideen und Geschäftsmodelle zur Unternehmensgründung im Informationszeitalter. dpunkt verlag, Heidelberg.
  • Rechtsform-info: Übersicht[31.10.2015]
 

 

Der entscheidende Ausgangspunkt ist die individuelle Situation. Auf Grundlage der gegebenen Voraussetzungen und Bedingungen der jeweiligen Rechtsform, lassen sich meistens bereits einige Formen aussortieren. Grundsätzliche, erste Fragen sind hierfür:

  • Wird alleine oder mit Partnern gegründet? (Einzelunternehmer oder mit anderen?)
  • Wie ist meine finanzielle Situation? (Mindesteinlage)
  • Zielt meine Unternehmung auf ein Handelsgewerbe ab? (Kleingewerbe oder Handelsgewerbe)
  • Welche finanziellen Risiken kann und will ich eingehen? (Haftungsbeschränkung)
  • Sollen alle Beteiligten gleiche Rechte haben? (Mitbestimmung)
  • Folgt meine Unternehmung den Richtlinien der Gemeinnützigkeit? (Gemeinnützigkeit)

Ein kostenloses Tool, das nach diesem Ausschlussverfahren vorgeht, ist der Rechtsformfinder der IHK Berlin. Anhand von gezielten Fragen erhält der Nutzer am Ende eines Online-Dialogs einen passenden Rechtsformvorschlag mit ausführlichen Gründungsinformationen. Leider beinhaltet die Analyse keine Fragen zur Gemeinnützigkeit, so dass Unternehmensformen, die diesen Aspekt aufweisen, nicht enthalten sind.

Im Falle von Social Entrepreneurship hat die IHK München jedoch in einem Merkblatt wichtige Fragen gesammelt, die sich Gründer im Vorfeld stellen können. Wer diese Fragen beantwortet, wird relativ schnell die Auswahl der Möglichkeiten einschränken können.

Mit der Online-Lernplattform Serlo engagieren sich der Gründer Simon Köhl und sein Team für eine nachhaltigere, freie und gleiche Chance auf Bildung. Auf der Plattform können Schüler kostenlos auf einfache Erklärungen, Videos, Übungen und Musterlösungen zugreifen und so unabhängig von sozioökonomischen Bedingungen lernen. Mittlerweile erfasst die Webseite mehr als 200.000 Besuche pro Monat.

Vision hinter serlo ist es, eine internationale Lernplattform aufzubauen, die allen gehört und bei der alle mitmachen können – eine Wikipedia fürs Lernen. Die Inhalte werden partizipativ erstellt und immer wieder durch alternative Lerninhalte erweitert. Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, wurde die Gesellschaft für freie Bildung e.V. gegründet, ein Verein, in dem mittlerweile fast 30 ehrenamtliche Mitarbeiter in den Bereichen Organisation, Softwareentwicklung und Redaktion tätig sind. Eingetragen beim Amtsgericht München ist die Gesellschaft für freie Bildung e.V. ein Verein nach deutschem Recht, dessen Gemeinnützigkeit und Selbstlosigkeit staatlich anerkannt sind.

Mehr über das Projekt und die Gründer kann man in dem Profil von Serlo auf relaio.people und in einem spannenden Interview erfahren.

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