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Social Entrepreneur

Soziale Verantwortung und unternehmerisches Denken schließen sich nicht aus: Sozialunternehmer kämpfen unternehmerisch für eine bessere Gesellschaft.

Isabel Oostvogel

PersonVerantwortung

Was ist ein Social Entrepreneur?

Social Entrepreneurs wollen gesellschaftliche Probleme durch unternehmerische Ansätze lösen. Mit innovativen Dienstleistungen oder Produkten sollen positive Veränderungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Umwelt erreicht werden.

Unternehmerisches Handeln ist auf Gewinnorientierung und auf Profitmaximierung ausgerichtet, so kennt es die klassische ökonomische Theorie. Heute weiß man, dass daraus immer mehr Probleme für unterschiedliche Gesellschaftsgruppen und auch die Umwelt resultieren. Ökologische und soziale Standards werden nicht eingehalten, Effekte des demografischen Wandels sowie der Globalisierung bleiben ungeachtet und Ressourcen werden überbeansprucht.

Doch es lässt sich ein Wandel erkennen: Gesellschaftliche und ökologische Verantwortung rücken wieder bzw. immer mehr in den Vordergrund. Das gilt besonders im Bereich des Sozialunternehmertums oder Social Entrepreneurship. Wie ein „normaler“ Entrepreneur ist ein Sozialunternehmer fähig und motiviert unternehmerische Gelegenheiten zu erkennen, zu bewerten und auszuschöpfen. Doch steht bei ihm nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Verbesserung des gesellschaftlichen Status Quo im Mittelpunkt.


Die Persönlichkeit des Social Entrepreneurs

Der Social Entrepreneur ist damit sowohl ökonomisch, mehr aber noch sozial und ökologisch motiviert. Ihm geht es darum, gesellschaftliche Missstände anzugehen und gleichzeitig ein wirtschaftlich selbstragendes und unabhängiges Unternehmen aufzubauen.  

Der Person des Sozialunternehmers werden ganz bestimmte Eigenschaften zugeschrieben: Meist steht am Anfang die Unzufriedenheit mit dem aktuellen gesellschaftlichen Ist-Zustand, der sich verändern bzw. verbessern soll. Hohe Empathiefähigkeit und Verantwortungsbewusstsein prägen die Einstellung gegenüber der Umwelt und dem sozialen Umfeld. Eine stark zielgerichtete Motivation ist das bedeutendste Persönlichkeitsmerkmal eines Social Entrepreneurs. Im Vordergrund steht die Schaffung eines sozialen und ökologischen Mehrwerts, so dass sich der Erfolg nicht an der reinen Gewinnmaximierung bemisst, sondern an der erzielten gesellschaftlichen Verbesserung, dem sogenannten Social Impact.

Wichtig ist dabei, dass sich der Social Entrepreneur nicht nur vom romantischen Vorhaben „etwas Gutes zu tun“ leiten lässt, sondern dabei strategisch vorgeht. Er weiß auch um seine ökonomische Verantwortung gegenüber dem eigenen Team und den Stakeholdern! Mit Blick auf das ganze Team heißt das: unter den Mitgliedern sollte ein Grundkonsens, besser aber noch eine weitreichende Übereinstimmung zu den gesellschaftlich-ökologischen Fragestellungen des Projekts vorhanden sein.

Anstelle von Konkurrenz tritt bei Social Entrepreneuren Kooperation und Networking. Hierbei ist die Vernetzung mit anderen Sozialunternehmern und Institutionen wie Stiftungen, Netzwerken und Investoren im Ökosystem Social Entrepreneurship ein zentraler Bestandteil.

Sozialunternehmertum ist mit hoher Verantwortung und häufig mit Risiken verbunden: Nur mit ausreichend Motivation des Unternehmers können – meist unter finanziell unsicheren Bedingungen – die geplanten Ziele und somit ein gesellschaftlicher Mehrwert erreicht werden. Auf gesellschaftliche Strukturen positiv einzuwirken ist mit viel Optimismus, Durchhaltevermögen und Veränderungswillen verbunden. Die Fähigkeit mit Rückschlägen umgehen zu können ist von zentraler Bedeutung. Als junges Unternehmen ist man gerade im Bereich des Social Entrepreneurship oft mit schwierigen und unbekannten Situationen konfrontiert. Die Fähigkeit Probleme zu erkennen, zu analysieren und anzugehen ist somit ein bedeutendes Merkmal eines Sozialunternehmers und erfordert viel Kreativität.

Social Entrepreneur sind fähig finanzielle Ressourcen zu mobilisieren und andere für ihre Idee zu begeistern. Ebenso wie Gründer sollten Social Entrepreneurs ihre eigenen Stärken und Schwächen, Möglichkeiten, Grenzen und Ziele gut abschätzen können und ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Mut besitzen. Zusammenfassend machen folgende Eigenschaften Social Entrepreneurs aus: 

  • Motivation
  • Innovation
  • Kreativität
  • Ausdauer
  • Risikobereitschaft
  • Soziales Verantwortungsbewusstsein
  • Veränderungswunsch
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Durchsetzungsvermögen
  • Ausdauer
  • Optimismus
  • Offenheit
Quellen
  • Sprinkart, F.-T. et al. (2013). Fair Business: Wie social Entrepreneurs die Zukunft gestalten. Walhalla Fachverlag: Regensburg.
  • Social Enterprise Institute - business for global good: What Motivates the Best Social Entrepreneurs? [03.06.2015].

     

     

     

 

 

Bevor ein soziales Unternehmen gegründet wird, ist es wichtig sich mit grundsätzlichen Fragen auseinanderzusetzen. Differenzierte Checklisten helfen, die eigene Motivation, mögliche Risiken sowie Stärken und Schwächen einzuschätzen. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist eine wichtige Grundvoraussetzung um die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung langfristig garantieren zu können. In folgendem Projektmanagementleitfaden von Prof. Dr. Susanne Weissman geht es um den Projektstart als Social Entrepreneur.

Folgende Fragen sollte man als Social Entrepreneur mit Ja oder einer klaren Begründung beantworten können:

  • Gesellschaftliche Themen (z.B. Klimawandel, globale Ungerechtigkeit, Armutsbekämpfung) sind mir ein großes Anliegen?
  • Ich bin motiviert ein gesellschaftliches Problem mittels unternehmerischer Ansätze anzugehen?
  • Die Geschäftsidee zielt auf die Integration wirtschaftlicher und sozialer Ansätze sowie auf eine positive gesellschaftliche Auswirkung ab?
  • Hauptziel ist die Lösung eines gesellschaftlichen Problems, erst dann folgt das Ziel der finanziellen Rendite?
  • Ich bin mir über umwelt- und sozialbedingte Konsequenzen meines Handelns bewusst?
  • Ich setze mich mit nachhaltigen Standards und Konzepten in unterschiedlichen Themengebieten (z.B. CSR, Sozialstandards) auseinander?
  • Wofür stehe ich mit meinem Unternehmen / meiner Idee? (Unternehmensphilosphie und Werte)
  • Welche Bedürfnisse möchte ich befriedigen?
  • Was sind meine Stärken und Schwächen und wie können diese meine Unternehmung beeinflussen?
  • Welche Ziele verfolge ich hinsichtlich der Gewinne und ihrer Verwendung?
  • Hinter meiner Idee steht ein finanziell langfristig tragbares Geschäftsmodell?
  • Der Social Impact meines Vorhabens ist greifbar und messbar?

 

 

Das Sozialunternehmen Compuritas, gegründet von Rüdiger Wetzl, möchte IT auf nachhaltige Weise an die Menschen bringen. Dies geschieht, indem gebrauchte IT-Materialien von Unternehmen abgenommen und umgestaltet bzw. repariert werden, um diese dann wieder funktionsfähig sozial schwachen Menschen zukommen zu lassen. Der ökologische Mehrwert ist zum einen dadurch erzielt, dass abgeschriebene IT Geräte weiter genutzt werden und sich dadurch schädlicher Müll (Elektroschrott) verringert. Zudem beraten die Social Entrepreneuere Unternehmen und Institutionen bei der ökologischen Ressourcenoptimierung. Der soziale Mehrwert wird durch die Weitergabe der reparierten und technisch funktionsfähigen IT Geräte an sozial marginalisierte Gruppen erzielt. Zudem werden die benötigten IT Programme vergünstigt bereitgestellt, um einen gleichberechtigten Bildungszugang zu ermöglichen. Dank der starken Gründer-Persönlichkeiten, innovativen Ideen, Mut und vor allem ausreichend Motivation ist das Sozialunternehmen sehr erfolgreich geworden. Jährlich werden circa 150 bis 200 Geräte gegen einen geringen Preis weitergegeben. Die Zielgruppe, die seit 2010 Unterstützung von Compuritas erlangt haben, reicht von Arbeitssuchenden über Sozialhilfeempfänger, Asylbewerber, Familien an der Armutsgrenze, alleinerziehende Eltern bis hin zu Studienbeitragshilfeempfängern und Jungunternehmer/innen. Compuritas wurde für ihre sinnvolle Geschäftsidee bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem österreichischen Klimaschutzpreis 2012.

 

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