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Der Social Impact

Die gesellschaftlichen Auswirkungen des unternehmerisches Handeln (be)messen.

VerantwortungUmfeld

Was bedeutet sozialer Impact?

Ziel eines Sozialunternehmers ist das Schaffen eines gesellschaftlichen Mehrwerts. Nur „etwas Gutes tun“ reicht dabei nicht aus. Vielmehr steht der erreichte social impact im Fokus. Impact lässt sich mit Wirkung übersetzen. Der soziale Impact ist somit die Wirkung, die das Handeln einer Organisation oder eines Unternehmens auf der gesellschaftlichen Ebene hat. Meist fallen darunter auch die ökologischen Auswirkungen.

Eine Idee oder ein Unternehmen hat immer Auswirkungen auf seine Umgebung – sei es gesellschaftlich, ökologisch oder ökonomisch. Die gesamte Wirkung lässt sich am Konzept der Triple Bottom Line nachvollziehen: Ein Unternehmen misst dabei seinen Erfolg nicht nur an einer Zahl am Ende der Gewinnrechnung („bottom line“), sondern verwendet mehrere Gewinnindikatoren, die sich aus den drei Feldern Wirtschaftlichkeit, Umwelt und Gesellschaft zusammensetzen. Nicht alle drei Bereiche müssen dabei „schwarze Zahlen“ schreiben. So wird eine Obdachlosenkantine neben dem erzielten gesellschaftlichen Mehrwert selten finanziellen Gewinn erwirtschaften und auf Förderungen angewiesen sein. Ein Automobilhersteller wird stets eine negative CO2-Bilanz aufweisen – selbst wenn er solarbetriebene Elektrofahrzeuge herstellt.

Die Triple Bottom Line eines Unternehmens, wikipedia.

Der Impact bezeichnet, anders als die auf den Gewinn gerichtete Triple Bottom Line, die Wirkung einer Organisation – egal ob diese greifbar ist oder nicht. Sowohl das geschäftsinterne, als auch das externe Wirken des Unternehmens spielen hierbei eine zentrale Rolle: So zählt für einen Solarmobilhersteller nicht nur sein eigener CO²-Ausstoß, sondern alle Auswirkungen, die während der Entwicklung und Produktion, dem Vertrieb und der Nutzung – somit im gesamten Lebenszyklus – seines Produkts auftreten.

Welche Wirkung hat eine Organisation?

Organisationen sind in ihrer Arbeit und Ausrichtung sehr vielseitig. Somit ist auch die  Komplexität der unternehmerischen Wirkungsweisen nicht zu unterschätzen. In allen Bereichen – vom Rohstoffverbrauch des Produkts oder der Dienstleistung über die Technologieentwicklung bis hin zum Bewusstseinswandel und öffentlichen Diskurs – kann das Handeln einer Organisation Unterschiede machen: zum „Guten“ wie zum „Schlechten“.

Während einige Wirkungen geplant und gewollt sind, können sich auch unvorhersehbare, oftmals unerwünschte Nebenwirkungen ergeben. Der erste Schritt zur Messung von Impact ist dementsprechend explorativ. Bei der Suche nach möglichen Auswirkungen werden hierbei oftmals unerwartete Ergebnisse ans Tageslicht gebracht. Anhand von Wirkungsketten (Social Value Chains) kann aufgezeigt werden, wie sich das Handeln einer Organisation auf die Gesellschaft auswirkt. An dieser Stelle ist beispielsweise die iooi-Methode sehr hilfreich (siehe im Know-How Teil weiter unten).

Wie wird Wirkung gemessen?

Um den sozialen Impact einer Organisation zu messen, können verschiedene Herangehensweisen gewählt werden. Entweder wird hierbei der zahlenbasierte Weg oder eine eher qualitative Impactmessung verfolgt. Das geeignetste Vorgehen ist davon abhängig, welche Entscheidungen aus der Impactmessung gezogen werden wollen.

Um den Impact messbar zu machen, werden ausgewählte Sachverhalte durch Kennzahlen ausgedrückt. Hierbei wird auch von Indikatoren, sogenannten „Anzeigern“ eines Sachverhalts gesprochen. Als Kennzahl für seinen ökologischen Impact kann der Solarmobilhersteller zum Beispiel schätzen, wie viele Kilometer seine Fahrzeuge zurücklegen und dafür die CO²-Einsparung gegenüber der gleichen Strecke mit Benzinfahrzeugen angeben.

Nicht zu vergessen ist hierbei das Deadweight, der Teil der Veränderung, der sowieso, auch ohne das Handeln der Organisation passiert wäre. Der Solarmobilhersteller müsste diesen berücksichtigen und zusätzlich angeben, dass sich allgemein der Anteil regenerativer Energie am bestehenden Energiemix erhöht.

Eng mit dem Begriff des Deadweights ist die Kausalität verknüpft. Sie stellt die Frage, ob Veränderungen wirklich aufgrund eines bestimmten Handelns geschehen. In der Praxis ist diese Fragestellung oft schwieriger zu beantworten, als es auf den ersten Blick erscheint. Generell hilfreich ist die systematische Betrachtung von Prozessen und Zwischenergebnissen. Der Solarmobilhersteller wird nie endgültig entscheiden können, ob seine Kunden durch eine bereits in Gang gesetzte gesellschaftliche Entwicklung bei ihm Elektroautos kaufen, oder ob er die gesellschaftliche Entwicklung durch geeignete Kundenkommunikation angestoßen hat. Interviews mit seinen Kunden und Beobachtung des Kaufprozesses können ihm allerdings Hinweise darauf geben, ob seine Verkaufsstrategie erfolgreich ist.

Für jeden ausgewählten Indikator wird eine geeignete Messmethode benötigt, die je nach ihrer Beschaffenheit unterschiedlich genau messen kann. Schätzungen, wie im obigen Beispiel, sind fehlerbehafteter als „harte“ Zahlen, wie z.B. Teilnehmerzahlen, Ausgaben oder verkaufte Produkte.

Für viele Indikatoren gibt es keine natürliche Einheit und deren Messbarkeit wird zur Herausforderung. Während Ausgaben in Euros und Anzahlen in Nummern berechnet werden können, besitzt beispielsweise der Bewusstseinswandel keine festgelegte Einheit. Über Fragebögen könnten das Nutzerverhalten, Einstellungen und Zufriedenheiten erfasst werden. Erst bei einem Vergleich mit gleichartigen Daten bekommen diese Messwerte eine wertmäßige Aussage. An dieser Stelle wird von Vorher-Nachher-Messungen gesprochen. Dabei müssen ausreichend große Stichproben gesucht und die Fragebögen für den Vergleich möglichst unverändert gelassen werden.

Welchen Nutzen hat die soziale Impactmessung?

Impactmessungen helfen einer Organisation auf dem „richtigen Pfad“ zu bleiben. Während „traditionelle“ Unternehmen eine finanzielle Gewinnmaximierung durch regelmäßiges Studieren relevanter Finanzkennzahlen erzielen, erreichen Sozialunternehmen ihre Ziele ganz ähnlich - nur eben mit einem Blick, der auch die nicht-finanziellen Bereiche miteinbezieht. Hat eine Organisation einmal ihre relevanten Kennzahlen gefunden, können verschiedene Strategien angewandt werden, die eigenen Wirkungen zu berechnen. Regelmäßige Erfolge können somit hinterfragt und Kosten-Nutzen-Abschätzungen gemacht werden. Neben der internen Monitorfunktion können diese Kennzahlen auch zum Kernpunkt für die Kommunikation mit Stakeholdern werden. Ein Unternehmen kann mit der Impactmessung nachweisen, dass die gesetzten Ziele auch wirklich erreicht wurden.

Für verschiedene Stakeholder sind dabei unterschiedliche Kennzahlen relevant:

  1. Für Mitarbeiter, Teilhaber und die Geschäftsführung sind die Zahlen ein wichtiges Element für strategische Entscheidungen und internes Controlling.
  2. Nach außen, für Kunden wirken geeignete Kennzahlen als Verkaufsargument.
  3. Förderer und Geldgeber hingegen benötigen Nachweise über die Effizienz des angestrebten Ziels: über das Verhältnis aus finanziellen Kosten und dem erreichten sozialen Impact.
  4. Dagegen ist für die Gesellschaft die Sensibilisierung für ein Problem und das Bekanntmachen der Lösungsansätze unter Umständen relevanter als konkrete Zahlen.

Welche Risiken hat das Messen des Impacts?

Auch an der Praxis der Impactmessung besteht Kritik. Wer sich zu sehr auf Effizienzsteigerung versteift, läuft Gefahr die Begeisterung für die Sache zu verlieren. Kontraproduktiv ist es ebenfalls seinen Handlungsspielraum einzugrenzen, keine „Experimente“ mehr zu erlauben und so seine Lernmöglichkeiten einzuschränken. Projekte und Ideen, die nicht nachweislich dem Impact dienen werden dann gar nicht mehr ausprobiert, obwohl sie mit etwas Erfahrung möglicherweise einen sehr erfolgreichen Beitrag leisten können. 

Gleichzeitig kann unter der Fixierung auf einige wenige Indikatoren das Verständnis für das eigentliche Handeln leiden – und damit die Qualität des Wirkens. Das kann vor allem dann passieren, wenn ein externer Stakeholder das gesamte Handeln einer Organisation anhand von nur einer oder weniger Kennzahlen beurteilt.

Schließlich kann die Reduzierung auf Zahlen einen Konkurrenzdruck zwischen Organisationen im Kampf um Mittel bewirken und dadurch beide im Handeln einschränken.

Solange Organisationen sich jedoch immer wieder bewusst machen, dass die Impactmessung eine Abbildung ihres Wirkens ist – und nicht das Wirken selbst – kann eine Messung kaum Negatives hervorrufen. Ganz im Gegenteil: Für ein verantwortungsbewusstes Handeln ist es unerlässlich, von Zeit zu Zeit die Wirkung des Handels einer Organisation systematisch zu beleuchten.

Quellen
 

 

Die iooi-Methode

Die iooi-Methode der Bertelsmann Stiftung und der Unternehmensberatung PwC unterteilt das Wirken eines Unternehmens in vier aufeinander aufbauende Teile – den Input, den Output, den Outcome und schließlich den Impact. Die Methode wurde ursprünglich entwickelt, um es großen Unternehmen zu erleichtern, den Nutzen ihres gesellschaftlichen Engagements nachzuvollziehen. Aber auch für Start-Ups macht diese Unterteilung Sinn: Sie fördert das Verständnis, an welcher Stelle das unternehmerische Handeln einen Mehrwert generiert bzw. Kosten verursacht.

Die iooi-methode, angelehnt an Bertelsmannstiftung, 2010.

Der Input ist alles, was unverarbeitet in das Produkt oder das Projekt einfließt – Rohstoffe, Arbeitszeit, Geld – und somit Kosten verursacht. Im Output werden alle direkten (positiven und negativen) Erzeugnisse angeführt, z.B. die produzierten und verkauften Autos oder die verteilten Flyer. Der Outcome, der dem Output nur auf den ersten Blick ähnlich ist, umschreibt die Wirkung bei der Zielgruppe. Bei Autos wären das beispielsweise die mit Elektromotor gefahrenen Kilometer. Noch einen Schritt weiter findet zuletzt der Impact statt. Wie beim Outcome geht es hierbei um die Wirkung des unternehmerischen Handelns - allerdings auf der Gesellschaftsebene. So beispielsweise in Form von eingespartem CO2 oder eines veränderten Konsumverhaltens in der Gesellschaft.

Eine iooi-Matrix zum Ausfüllen kann auf der Seite von Sustainicum Collection: Lehrmaterialien für Bildung zur Nachhaltigkeit heruntergeladen werden. 

Social Return on Investment-Index

Mit Orientierung am Return on Investment (ROI) hat sich der Social Return On Investment-Index (SROI) etabliert. Hierbei wird eine ökonomische Evaluation vorgenommen. Die Investitionen (Input) werden dem Social Return (Nutzen) gegenübergestellt. Um beides vergleichen zu können, werden alle Indikatoren monetarisiert, also in finanziellem Gewinn ausgedrückt.

Der Guide vom SROI Network hilf Organisationen, die SROI für ihr Wirken zu berechnen: 

Der Social E-Valuator

Der Social E-Valuator dient als Onlinetool zur Berechnung des eigenen Impacts. Er wurde ebenfalls vom SROI Network initiiert und verdeutlich die notwendigen Schritte zur Berechnung des SROI. Nach 30 Tagen ist dieser kostenpflichtig, vorher jedoch kostenlos zu Demozwecken nutzbar. 

Weitere Tools, Leitfäden und Werkzeuge zur Messung

Die schweizerische Zewo-Stiftung hat einen übersichtlichen Onlineleitfaden erstellt, dessen Wirkungsmessung sich speziell an spendensammelnde Organisationen in der Entwicklungsarbeit richtet. Die Messungsart ist dabei jedoch so allgemein gehalten, dass jede sozial ausgerichtete Unternehmung vieles davon übernehmen kann: 

Auf einen Blick entscheiden – dazu soll der Tool Decider von new economics helfen. Mindestens einen Blick wert. Zum Weiterlesen von der gleichen Organisation gibt es das Toolkit Proving and Improving.

Einen sehr empfehlenswerten, englischsprachigen Guide hat der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) erstellt: Measuring socio-economic impact - A guide for business. Hier werden zehn verschiedene Tools der Impact-Messung verglichen. Trotz Übersichtlichkeit des Layouts und Kürze des Guides ist er eher für Leser gedacht, die sich mehr als nur oberflächig mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Das Foundation Center stellt eine Suchmaschine zu Tools und Resources for Assessing Social Impact zu Verfügung. Es beinhaltet 139 Ansätze. Die Fülle der Informationen birgt die Gefahr den Leser zu überfordern. Deshalb vor allem für breite Recherchen zur Social Impact Messung geeignet – hier findet man viel auf einmal. 

Ein lehrreicher und kurzweiliger TED Talk von David Damberger behandelt die Problematik, die entsteht, wenn NGOs keine Wirkungsmessung vornehmen. Er spricht von Misserfolgen und  gescheiterten Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sowie der Möglichkeit und Notwendigkeit daraus zu lernen. Dazu gehört, das eigene Handeln zu reflektieren und unerwartete Wirkungen des eigenen Handelns zu entdecken.

 

In Deutschland gibt es schätzungsweise 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer und gleichzeitig viele Orte, die nicht rollstuhlgerecht sind. Das Tool wheelmap.org soll Mobilitätseingeschränkten helfen, ihren Alltag besser planen und unabhängiger an diesem teilhaben zu können. Die auf der Website zugänglichen Stadtpläne zeigen, welche Orte rollstuhlgerecht sind (grün), Einschränkungen aufweisen (gelb) oder für Rollstuhlfahrer gar nicht geeignet sind (rot). Die Informationen werden über Crowdsourcing von den Nutzern selbst eingetragen und aktualisiert. Dieses vielfach preisgekrönte Projekt wurde 2010 von Raul Krauthausen über den Sozialhelden e.V. initiiert.

Die Indikatoren, die wheelmap.org auf der Webseite angibt:

  • Mehr als 450.000 markierte Orte weltweit seit 2010
  • Mehr als 35.000 Nutzer pro Monat
  • In 21 Sprachen verfügbar
  • Umfangreichste Datensammlung zur Rollstuhlgerechtigkeit öffentlicher Orte
  • Initiierung zahlreicher öffentlicher Diskussionen zum Thema

Darüber hinaus existieren weitere Wirkungen des Projekts, die jedoch schwer messbar sind wie beispielsweise das Umdenken von Geschäftsinhabern, die sich auf der Wheelmap mit einem roten Punkt markiert wiederfinden.

Das Video zeigt einen Vortrag von Raul Krauthausen bei TEDxBerlin.

 

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