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Umweltstandards

Von wegen Fachchinesisch – Umweltstandards gehen uns alle was an. Denn das Ergebnis landet manchmal auch auf unserem Tisch.

VerantwortungProduktionStandardsTransparenz

Die Zeiten, in denen die Abwässer einer Fabrik in den nahegelegenen Bach geflossen sind und Tieren die eigenen Artgenossen in Pulverform dargereicht wurden, sind zum Glück vorbei. Unter anderem haben wir das gewissen Standards zu verdanken, für die vor allem in Europa hart gekämpft wurde. Die Freihandelsabkommen TTIP (Amerika) und CETA (Kanada) könnten die Umweltstandards in der EU aufweichen. Doch um was geht es da eigentlich?

So ein Abkommen wird zwischen zwei Völkern geschlossen, um den Handel untereinander für beide Vertragspartner zu erleichtern und vorhandene Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. Das kann dazu führen, dass nationale Normen abgeschafft werden und Zölle, aber auch staatliche Subventionen, wegfallen. Außerdem kann das Patentrecht eingeschränkt werden. Warum betrifft uns das? Weil es am Ende nicht nur die Landwirte oder die Wirtschaft beeinflusst, sondern auch das, was wir täglich zu uns nehmen: unser Essen. Doch was hat das mit Umweltstandards zu tun? Was machen Amerika und Kanada anders als wir in Europa?

Die Umweltstandards in der EU sind teilweise um einiges strenger als bei diesen beiden Vertragspartnern, insbesondere was die Benutzung von Pestiziden, Chemikalien in Futtermitteln, den Einsatz von Quecksilber und Bergbauaktivitäten wie Fracking angeht. Bei einem Abkommen wie TTIP will man mit der Zeit versuchen, einen gemeinsamen Standard zu finden — der gilt aber nicht von Anfang an. Schwierig ist auch, dass beispielsweise die USA und die EU eine unterschiedliche Herangehensweise haben. In der EU gilt das Vorsorgeprinzip: Insofern nicht bewiesen ist, dass ein Stoff nicht übermäßig schädlich ist, wird er nicht zugelassen. Die USA verfolgen einen risikobasierten Ansatz: Der Stoff kann verwendet werden, bis eine Schädigung nachgewiesen worden ist.

Was gibt es bisher für Standards und wer kontrolliert sie?

Umweltstandards wurden eingeführt, um eine einheitliche Linie zu ermöglichen, an der man ein Unternehmen ökologisch beurteilen kann. Regularien, nach denen sich das Unternehmen richten soll und die auch überprüft werden können.

Bekannt sind vor allem die international anerkannte Verordnung der ISO 14001 und EMAS (Eco-Management and Audit Scheme):

ISO 14001

Bei der ISO 14001 geht es um die kontinuierliche Verbesserung eines Unternehmens in Umweltfragen. Sie wurde 1996 von der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO) als Umweltmanagementsystem eingeführt. Lange wurde kritisiert, dass sich die Unternehmen eher auf das Managementsystem konzentrieren und die kontinuierliche Verbesserung ausbleibt. So kümmert sich die Firma beispielsweise um das Thema Recycling, setzt es aber nicht bis zum Design um. Das soll mit der verbesserten Version von 2015 anders werden. Die ISO 14001 geht nach dem Konzept „Planen, Ausführen, Kontrollieren, Optimieren“ (engl.: Plan-Do-Check-Act, PDCA) vor.

  • Planen: Hier legt das Unternehmen fest, welche Ziele es erreichen möchte und wie sie umgesetzt werden sollen.
  • Ausführen: Die geplanten Ideen werden umgesetzt.
  • Kontrollieren: Die Prozesse werden überwacht und auf die rechtlichen und festgesetzten Ziele überprüft; Erfolge werden veröffentlicht.
  • Optimieren: Sollte etwas nicht funktionieren wie geplant, werden hier eventuell noch Dinge korrigiert.

Es gibt keine absoluten Anforderungen für die Leistungen, aber die Verpflichtungen, die sich das Unternehmen auferlegt hat, sollten eingehalten werden. Seit der neuesten Aktualisierung müssen sie nun auch rechtliche Pflichten einhalten. Die ISO definiert vor allem Verfahrensstandards, aber keine Umweltstandards, wie Grenzwerte oder Umweltqualitätsziele, und ebenso wenig technische Ausführungsstandards. Es gibt keine Verpflichtung, die Ergebnisse zu veröffentlichen.

EMAS

Das Eco-Management and Audit Scheme legt mehr Gewicht auf die Eigenverantwortlichkeit der Unternehmen.  Dieser Umweltstandard wird auch als EU-Öko-Audit bezeichnet und wurde von der EU eingeführt. Hier müssen die Unternehmen zu Beginn eine öffentlicher Erklärung abgeben, was sie umsetzen wollen und wie. Dieser Plan muss einmal jährlich erneuert werden und wird spätestens nach drei Jahren auf seine Richtigkeit überprüft. Wenn das Unternehmen die Kontrolle besteht, kann es sich in ein Register eintragen und das EMAS-Logo verwenden. EMAS ist seit einigen Jahren auch international anwendbar, aber nicht so beliebt wie die ISO 14001, da sie um einiges aufwendiger ist. Ihr wird außerdem vorgeworfen, dass ihre Ausrichtung auf den wirtschaftlich vertretbaren Stand der Technik Innovationen eher behindert und dadurch der Status quo beibehalten wird. Eine Großveranstaltung, die die EMAS-Zertifizierung hat, ist der Evangelische Kirchentag.

Green Peace Standards für Textilwirtschaft

Diese Standards können natürlich nur in dem jeweiligen Land kontrolliert werden – und so gibt es auch einige nicht-staatlichen Umweltstandards, die von verschiedenen Organisationen eingeführt wurden. Zum Beispiel die Green Peace Standards für Textilien. Bei ihren Kontrollen mussten die Umweltschützer feststellen, dass einige Marken Gifte für ihre Textilien einsetzen, die auch für den Verbraucher gefährlich werden können. Das vor allem bei Outdoor-Kleidung eingesetzte PFC macht zwar die Kleidung wasserdicht, kann aber von der Umwelt nicht abgebaut werden. Zudem kann es die Fruchtbarkeit beeinflussen und der Schilddrüse schaden. Zusammen mit einigen namenhaften Modeherstellern hat Green Peace ein Konzept für 2020 erstellt, bis dahin soll ihre Mode giftfrei sein. H&M, Zara und Benetton sind bereits auf einem guten Weg, Adidas hat noch Lücken, bemüht sich aber diese zu schließen. Esprit und Nike hingegen schränken ihren Einsatz von Giften bisher nur geringfügig ein. Im Mittelfeld befinden sich C&A, Primark aber auch Burberry und Valentino. 

Foto: Caroline Deidenbach

Neumarkter Lammsbräu – ein Bier mit gutem Gewissen

Bei der Lammsbräu Brauerei in Neumarkt gehörte der Nachhaltigkeitsgedanke schon früh zum Unternehmenskonzept. Bereits in den 70er-Jahren machte sich Geschäftsleiter Franz Ehrnsperger Gedanken, wie man die Produktion ökologisch und möglichst wenig belastend für die Umwelt gestalten kann und das hat sich bis heute nicht geändert. Nach dem Motto „Verantwortung Leben. Genuss schaffen.“ hat die Brauerei das Thema in jede Faser ihres Unternehmens integriert. Jedes Jahr verfassen sie einen Nachhaltigkeitsbericht, der für alle zugänglich auf ihrer Webseite steht. Sie produzieren regional, ökologisch und biologisch, nutzen wenn möglich nachwachsende Rohstoffe und beachten direkte, aber auch indirekte Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf die Umwelt. So werden beispielsweise nur PVC-freie Kronkorken und schwermetallfreie Etiketten verwendet. 2001 brachte ihnen ihre diversen Maßnahmen den ersten Platz beim deutschen Umweltpreis ein. Das Preisgeld reinvestierten sie sofort in eine wassersparende Flaschenwaschanlage. Die daraus erzielte Einsparung investieren sie wiederum in den Nachhaltigkeitspreis der Neumarkter Lammsbräu, mit dem sie verschiedene Projekte im Nachhaltigkeitssektor auszeichnen. Außerdem wurde das Unternehmen 2012 Gewinner des EMAS Awards zum Thema „Wassermanagement und Wassereffizienz“ und 2013 bekamen sie die Auszeichnung als innovatives EMAS-Unternehmen.

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